Die Fans der Scissor Sisters sind schon ein Völkchen für sich. Je nachdem, wen sie aus der Band am tollsten finden, nennen sie sich – zum Teil abgeleitet von den Spitznamen der Bandmitglieder: „Deltoids“ (Derek „Del Marquis“ Gruen), „Daddicts“ (Scott „Babydaddy“ Hoffmann) oder auch „Nuns“ (Ana „Matronic“ Lynch).Wenn man ihre Internet-Foren liest, glaubt man fast, man sei in einem Online-Rollenspiel gelandet. Außerdem wird natürlich ständig über alles geredet, was mit sexueller Orientierung zu tun hat. Schließlich sind ja drei von fünf Mitgliedern der Band schwul. Also muss es thematisiert werden. Dabei wollen die Scissor Sisters eigentlich nur eine Popband sein. Sie bieten auf einer Konzertbühne alles, was wirklich gutes, allgemeingültiges und zu jeder Zeit funktionierendes Pop-Entertainment ausmacht.

Da ist der blonde Jake Shears, der, darauf darf man sich verlassen, alsbald sein Hemd ausgezogen hat und sich ständig so aufführt, als würde er gleich etwas fürchterlich Unüberlegtes tun. Da ist die „Mistress Of Ceremonies“ Ana Matronic, die ihre geradezu göttlichen Kurven so lässig zu bewegen weiß, dass männliche Konzertbesucher gegen Ohnmachtsanfälle ankämpfen. Da ist Babydaddy, der vollbärtige Gitarrist, dessen bärige und freundliche Art auf viele Frauen im Publikum derart anziehend wirkt, dass diese gar nicht mitbekommen, dass ihre Männer permanent Ana anstarren. Und, natürlich: Da ist dieser forsch wippende Siebziger-Glam-Pop, den die Scissor Sisters fabrizieren. Neuerdings mit ein paar Soundeffekten der Achtziger. Und dem Ergebnis, dass der Besuch eines ihrer Konzerte einem die Gewissheit gibt, auf der gerade besten Party der Stadt zu sein. Christian Zeiser

Video-Tipp: „Laura“ von den Scissor Sisters