Es ist keine Übertreibung, Jochen Distelmeyer als den einzig wahren deutschen Popstar zu bezeichnen. Mit seiner Band Blumfeld entfachte er Lagerkämpfe zwischen Anhängern und Feinden, wie sie im gediegenen Pop selten sind. Sein Gesang begeistert Indiefans, obwohl er schon mal kitschig nach Münchener Freiheit klingt. Und seine Songtexte sorgen für hitzige Diskussionen in den Feuilletons, ohne dass er dafür großmäulig sein muss. Seinen Vorsatz, nach der Auflösung von Blumfeld mal eine Weile nicht zur Klampfe zu greifen, hielt er nicht lange durch. „Es ging nicht ohne“, sagt der 42-Jährige mit dem ewigen Seitenscheitel entschlossen. Doch diesmal ist etwas anders: Indie-Deutschland ist sich einig, was die Großartigkeit seines ersten Soloalbums „Heavy“ betrifft.

Video-Tipp: „Lass Uns Liebe Sein“ von Joche Distelmeyer

„Wohin mit dem Hass?“ ist eine Stoner-Rock-Hymne par excellence, mit der „Jochiboy“ dieser Tage seine Konzerte eröffnet. Kurz wähnt man sich beim Auftakt einer Stadionshow, während im grellen Bühnenlicht ein Gitarren-Feedback langsam in den kräftigen Beat des Songs übergeht. Doch selbst die sanfteren Stücke sind thematisch eher „heavy“, etwa wenn die Frage nach dem „Bleiben oder gehen?“ gestellt oder in „Lass es Liebe sein“ der Hochmoment des Glücks gefeiert wird. „Spitze“, „Das ist sehr lieb“, „Das war heiß“ oder „Danke, liebe Freunde“: So zärtlich klingt es dann, wenn sich der Zurückgekehrte bei seinem Publikum bedankt. Ex-Blumfeld-Bassist Lars Precht ist Jochen Distelmeyer in seine neue Begleitband gefolgt. Und mit ihm natürlich auch viele wundervolle Songs ihrer gemeinsamen Vergangenheit.