Mit gerade einmal 20 Jahren galt Patrice um die Jahrtausendwende als das Wunderkind der deutschen Musikszene. Seine EP „Lion“ und das Album „Ancient Spirit“ brachten zusammen, was bis dahin in diesen Breitengraden als unvereinbar galt: Reggae, Soul, HipHop, Funk und klassisches Songwriting. Der in Kerpen aufgewachsene und lange in Hamburg lebende Sohn eines Schriftstellers aus Sierra Leone hatte das Aussehen eines Fotomodels, die Attitüde eines Rebellen und die Stimme eines Engels.

Video-Tipp: „Walking Alone“ von Patrice

Doch der scheinbar vorgezeichnete Weg nach ganz oben verlief nicht geradlinig: Zwar liegt ihm bis heute ganz Frankreich zu Füßen, aber hierzulande will man ihn für seine teilweise durchwachsenen Alben nicht so recht lieben. Was ihm auf Albumlänge nicht gelang, manifestiert sich bei seinen Auftritten: Seine überwältigende Performance, sein unbändiger Stolz, diese perfekte Stimme erheben selbst unausgereifte Studiotracks zu Live-Krachern. Zehn Jahre nach „Ancient Spirit“ greift er wieder nach den Sternen. Mit „One“, seinem aktuellen Album, das Pop in großen Lettern buchstabiert.

Nach einer Dekade hat es Patrice wieder geschafft, das magische Feuer des Debüts zu entfachen. Vom Leben gegerbte Texte treffen auf ausgefeilte, manchmal fast überzogene Songstrukturen. Hier präsentiert sich der Womanizer so, wie wir ihn von der Bühne kennen: als souligen Verkünder vom Leben, das so zersplittert ist wie seine Biografie. Ob allein mit seiner Gitarre und dem suchenden Blick gen Himmel oder vom orchestralen Sound seiner großartigen Band getragen, begräbt er endgültig das Wunderkind. Jetzt ist er ein Mann und nur noch Wunder.
Marco Fuchs