Roman Fischer spielt live mit einer Band. Doch wie der Name es schon andeutet, ist der musikalische Kopf des Trios Fischer allein. Er selbst hat die Konstellation einmal mit Radiohead verglichen, wo sich selbst Virtuosen wie Johnny Greenwood dem Genie von Thom Yorke unterordnen. Dieser Vergleich ist keinesfalls anmaßend gemeint, das fiele einem derart selbstreflektierten Menschen wie ihm auch nie ein.

Der Augsburger ist lange im Geschäft, hat es jedoch nie auf den schnellen kommerziellen Erfolg angelegt. Fischer blieb Kritikerliebling, spielte bei den Sportfreunden Stiller, Tomte und den Arctic Monkeys im Vorprogramm. Er habe sich zu lange als rastlosen Künstler gesehen, sich selbst etwas beweisen wollen und sich in einer gewissen Verkopftheit verrannt, urteilt der dunkelhaarige Schlacks heute selbstkritisch. Jahre der Orientierung und ein Umzug nach Berlin nahmen ihm seine Angst vor dem „bösen Dämon“ Popmusik. Ein Künstler ist er dabei geblieben – auf der Bühne erkennt man ihn, den verträumten, zaghaften, fast unbeholfenen Geist.

Über einem variantenreichen Klangteppich schwingt Fischers pathetischer Gesang wie ein Pendel zwischen Drama und Melancholie. Es erinnert an die besseren Zeiten von Muse und Placebo. Sinnbildlich für seine musikalische Biografie stehen sein abwechselndes Spiel an Gitarre und Keyboard. Während er sich an Ersterer seinem neuen, leichteren Wesen öffnet, schlägt er am Keyboard immer wieder Brücken in seine schwermütige Vergangenheit. Er badet das Publikum abwechselnd kalt und heiß, euphorisiert die Menge und schickt sie zurück in das wohlige Dunkel. Es ist die perfekte Pop-Oper.
Tim Pommerenke

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