Wenn Sophie Hunger mit ihrer Band mehrereTage unterwegs ist, warnt sie ihr Publikum oft vor dem strengen Körpergeruch, den sie verbreitet. Duschen auf Tour ist keine Selbstverständlichkeit. Warnen sollte die junge Schweizerin aber noch viel mehr vor der emotionalen Intensität ihrer Musik – abgründig melancholischer Pianopop, der sich zwischen Himmel und Hölle aufbäumt. Aber die Schwermütigkeit, die einen auf Hungers Platten zu Boden drückt, löst sich live in den tanzenden Staubkörnern des Scheinwerferlichts auf. Sie spielt in ihrer eigenen Liga. In der gibt es keine auf dem Reißbrett entworfenen Liebeslieder. Und auch keine Hörer-Erwartungen, die sie zu erfüllen hat. Sie singt mal auf Englisch, mal auf Schwyzerdütsch. Mal klingt sie melancholisch, mal aufgedreht. Auf der Bühne ist die 27-Jährige nicht länger die in sich gekehrte Melancholikerin. Sie greift ihr Publikum bei den Schultern, schüttelt es kräftig durch und streicht ihm zum Abschluss wohlwollend übers Haar.

Mit ihrem Stil schickt sie den Hörer auf eine Achterbahn der Gefühle, umrahmt von Pop, Folk und Jazz. Ihr Konzert beginnt sie ganz ruhig und akustisch am Piano mit dem betörenden „Niemand“, ohnehin bewegt sie sich anfangs eher in andächtigen Gefilden zwischen Folk und Kunst. Aber bald bezieht sie auch ihre Fünf-Jungs-Band mit ein, mixt Jazz, Chanson, Blues, Rock und Pop. Auf der Bühne zeigt sich Sophie aufrichtig glücklich über die Wonne ihrer Zuhörer. Das Schöne daran: Sie ist nicht nur ernsthaft, sie hat auch Sinn für Humor. Von Musik verstehe sie nicht viel, sagt Hunger. Das darf man getrost als Ironie verstehen. Man sollte sie erleben, solange sie noch ein Geheimtipp ist.

Video-Tipp: „Leaving the moon“ von Sophie Hunger