Viktor Marek lässt den Bass wummern, Rica Blunck singt engelsgleich im Hintergrund, und Jacques Palminger presst haspelnd Texte über die deutsche Frau und Henry Maske ins Mikro. Das klingt nach einer Fortsetzung des Studio-Braun-Humors, wo Palminger neben Rocko Schamoni und Heinz Strunk Menschen am Telefon in den Wahnsinn trieb, ist aber weit mehr: Ein dubbiger Live-Exzess, der sich auch nicht scheut, in den Untiefen des Italo-Disco zu fischen und Schmalznummern wie Gazebos „I Like Chopin“ ins Deutsche zu übersetzen. Wörter wie „Schmerzvertreib“ scheinen einfach aus ihm herauszufließen, sie kommen in seinen Texten so selbstverständlich vor, als stünden sie im Duden. Das ist nie Blödelei, vielmehr urkomisch bis deprimierend. Palminger inszeniert sich als Chansonnier der Sechziger- und Siebziger-Jahre-Schule auf der Suche nach poppiger Schönheit, dem dabei nichts, aber auch gar nichts zu peinlich ist. Live ruft der schwer einzuordnende Sänger den Gästen, die seine Konzerte zu früh verlassen, schon mal etwas hinterher. Das kann unangenehm sein. Aber es gibt nun mal einen guten Grund, bis zum Schluss zu bleiben: Jacques Palminger ist schlicht und einfach große Klasse.

Video-Tipp: „Deutsche Frau“ von Jacques Palminger