Was ist hier bloß los? Zwei Dutzend Frauen stehen in martialischer Pose auf der Bühne. Sie sind in seltsame Mäntel gehüllt, die aussehen, als hätte jemand die Kostüme von „Der Herr der Ringe“ in bunte Farbeimer getunkt. Ihre Lippen leuchten in noch viel grelleren Farben. Und die Botschaft, die sie singend zu harten elektronischen Beats und einer tiefen Bassline verkünden, ist klar und deutlich: „Mum’s drunk, Dad’s drunk, friend’s drunk, foe’s drunk, I’m a drunk, I’m a drunk, I’m a drunk“. Der Londoner Gaggle Choir ist das nächste große Ding aus Großbritannien. Von BBC bis „New Musical Express“ steht die britische Popwelt mal wieder Kopf und feiert das Projekt um die Konzertmanagerin Deborah Couglin mit einer Euphorie, die im deutschen Musikjournalismus gar nicht vorstellbar wäre. Dabei fällt es mehr als leicht, sich vom Gaggle-Fieber anstecken zu lassen. Die Energie, die das 24köpfige Vokalensemble auf die Clubbühne zaubert, ist einzigartig und überwältigend. Auf dem „Transmusicales“-Festival hatten sie einen umjubelten Auftritt, auch für die legendären Festivals in Leeds und Reading wurden sie gebucht. Geboren wurde der Chor vor etwas mehr als einem Jahr in einem Ostlondoner Pub, aus einer feuchtfröhlichen Laune heraus, geprobt wird bis heute im Hinterzimmer des Lokals. Die Sängerinnen sind trinkfreudig – und kreativ. Wenn sie nicht singen, arbeiten sie in Galerien, entwerfen Mode und Websites oder verdienen ihr Geld als Fotografinnen. Der Gaggle Choir ist ein reines Spaßprojekt. Und sie machen alles selbst: die Kostüme, die Auswahl der Musikstücke, die Pflege der MySpace- und Facebook-Seiten. Gaggle heißt Geschnatter. Und wir hören gerne zu.

Video-Tipp: „I Hear Flies“ von Gaggle Choir