Jack White kommt gleich mit zwei Bands zu uns. Welches Line-up auftritt, entscheidet er spontan. Eine Band besteht aus männlichen Musikern, die andere ist weiblich. Ex-Muse Meg ist jedoch nicht dabei. Aber hier geht es ja nicht um „Rock Rot-Weiß“, um die Raconteurs oder Dead Weather. Hier geht es um ein Konzeptalbum über die dunkle Seite der Liebe und den kompromisslosen Egotrip eines Gitarrengenies, das besessen ist vom Blues in seiner reinsten Form. Dafür bespannt der Wunderknabe White schon mal ein Holzbrett mit einem Stück Draht, einem Nagel und einer Cola- Flasche, um darauf den Slide- Blues zu wimmern – rudimentärer geht’s nicht. Auch, welche Songs er spielen wird, will White jeden Abend neu entscheiden. „40 bis 50 stehen zur Auswahl, eine Setlist gibt’s nicht, die Band hat keine Ahnung“, grinst er. White liebt das Risiko, dass alles live jederzeit zusammenbrechen kann. Und er liebt das Understatement: Er spielt Kaufhaus-Katalog-Gitarren aus den 50er-Jahren, schrottige Billigklampfen aus buntem Plastik, die Teenager nicht mal zum Posen vor dem Spiegel anrühren würden, die nun aber durch den Erfolg der White Stripes für astronomische Summen gehandelt werden. White, der Rocker mit Rehblick, ist ein Schlitzohr. Macht gern auf naiv, weiß aber akribisch genau, was er will: unvergleichlich, besser, einzigartig sein. Es gelingt ihm tatsächlich, als Musiker, Produzent, Label-Chef. Er selbst erklärt wie folgt, worauf es beim Rock’n’Roll ankommt: „Immer aufs Herz zielen“.

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