Als Musiker für Mädchen ist Clueso prädestiniert. Er sieht gut aus, seine Art ist ein bisschen schluffig, seine Melodien berühren, und seine Texte sind feinsinnig. So weit, so Erfolg versprechend. Aber warum finden auch Jungs Clueso gut – als Künstler, als Typen?
Vielleicht liegt es an seinen Wurzeln im HipHop. Als Rapper gab er um die Jahrtausendwende den leicht nuschelnden Schöngeist und verzichtete auf die unglaubwürdige dicke Hose. Die Fantastischen Vier entdeckten ihn für ihr Label Four Music.
Vielleicht liegt es auch an seiner Glaubwürdigkeit. Die hat sich der Erfurter auch bei seinem schleichenden Stilwechsel zum tiefsinnigen Singer-Songwriter erhalten, mit dem er damals eine ziemlich brachliegende Nische in Deutschland prominent besetzte.

Video-Tipp: „Mitnehm“ von Clueso

Auf seiner großartigen Single „Chicago“ klang er 2006 noch ein wenig nach Udo Lindenberg – inzwischen müssen sich Epigonen wie Philipp Poisel längst an Clueso messen lassen, der ihnen stets einen Schritt voraus ist. Gern erzählen Bands, wie sie sich mit ihrem aktuellen Album neu erfunden haben, obwohl kein Hörer einen Unterschied ausmachen kann. Clueso ist der Übergang gelungen, ohne dass er es großartig verkünden musste. Den Beweis erbringt er in jeglichen Livesituationen. Mit Götz Alsmann bei „Zimmer frei“, mit dem Orchester der Stüba Philharmonie, im Vorprogramm von Herbert Grönemeyer. Oder in den Clubs, in die er jetzt mit seiner hervorragenden, sechsköpfigen Band zurückkehrt. Fans hoffen darauf, Vorboten seines im Frühjahr 2011 erscheinenden Albums zu hören zu bekommen. Aber selbst wenn er nur auf seinen Back-Katalog zurückgreift, kann der 30-Jährige inzwischen eine feine Setlist zusammenstellen. Über „Keinen Zentimeter“ oder „Verlierer“ freuen sich Jungs und Mädchen. Und irgendwann in ferner Zukunft bestimmt auch deren Kinder.