Es gehörte zum guten alten Rocker-Muskelspiel, die Gitarre auf Höhe der Knie zu spielen. Yannis Philippakis interessiert das nicht. Der Frontmann der Foals ist von dem Schlag junger Musiker, der klassischen Hardrock-Gitarristen wie Slash oder James Hetfield längst abgeschworen hat. Philippakis klemmt sich seine Gitarre stattdessen unter die Achsel – um maximale Perfektion zu erreichen. Dabei steht er aufrecht und wippt nur mit dem Oberkörper. Weniger Wirkung hat er deshalb nicht. Er setzt die Schwerpunkte nur anders. Die Musik der Oxforder wird oft dem Math-Rock zugerechnet. Einem Stil, der sich durch eine hohe musikalische Komplexität und untypische rhythmische Finessen auszeichnet. Dazu flirtet bei den Foals Indierock mit Kraftwerk und The Rapture.

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Auf ihrem Debütalbum „Antidotes“ bewiesen sie bereits, dass sie ein Gespür für den punktgenauen Hit haben. Bei ihrem zweiten Werk „Total Life Forever“ gaben sie den Songs mehr Gefühl und Zeit, sich sorgsam zu entfalten. Und zeigten so eindrucksvoll, dass sie weit mehr können als nur die Tanzbeine ansprechen. Philippakis‘ Falsett kann ruhig und dramatisch wirken. Es ist erhebend, der Band zuzuhören, wie sie auf der Bühne einen Song wie „Spanish Sahara“ behutsam aufblühen und sich entfalten lässt. Man spürt förmlich die Tristesse der ehemaligen spanischen Kolonie in Nordwestafrika. Und wenn sich der Song immer mehr zu einer tosenden Woge entwickelt, bis er schließlich mit Getöse zusammenkracht, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Aber es ist auch immer noch ein Erlebnis, schallend „Cassius, It’s Over, You’re Second Best“ zu bellen und dabei wild zu hüpfen. Wenn Philippakis mit seiner Gitarre gegen Walter Gervers am Bass oder Jimmy Smith an seiner Gitarre antritt, knallt es fast den Putz von den Wänden. So zeigt man heute als Musiker seine Muskeln.
Tim Pommerenke