St. Pauli ist die berüchtigte Heimat für große Alltagslyrik, die von jungen Indiebands besungen wird. Die Lokalmatadore Herrenmagazin wollen in die Fußstapfen von Tomte und Kettcar treten und tun dies mit bestem Wissen und Gewissen nach der Philosophie des Punk. „Die können was, die werden was.“ Markus Wiebusch von Kettcar ist voll des Lobes für Sänger Deniz Jaspersen, der gern isst, Paul Konopacka, der Bass spielt und am besten kocht, und Trommler Rasmus Engler. Gemeinsam trinken sie Schnaps, reden Mist, lachen und machen schwermütige Musik. „Scheiß auf den Erfolg, wir wollen nur saufen“, werden sie gerne zitiert.

Wenn die Indierock-Band auf Tour geht, dann reichen die vier Mitglieder vorher Urlaub ein. Die Hamburger haben nämlich alle noch Brotjobs. Vielleicht macht genau das ihre Konzerte so besonders: Für die Jungs ist die Band keine lästige Routine, sondern echte Leidenschaft. Dann wird zusammen gefeiert und gespielt. So viel Lust und Laune steckt an. Im Grunde aber macht es schon deshalb Spaß, Herrenmagazin live zu hören, weil Deniz Jaspersen der Typ ist, mit dem man nach dem Konzert am liebsten bei einem Bier über seine Texte, das Leben und den ganzen Rest sprechen würde – jetzt, da man Thees Uhlmann, Dirk von Lowtzow und Marcus Wiebusch kaum noch versteht.

In der Tat soll ihr meist schwermütiger Sound, das sagen sie selbst, nicht der Soundtrack für das erste Date sein. Eher für die Zeit zwischen Kater und erstem Bier. „Geboren aus molllastigem Postpunk und dem verlorenen Glauben an so ziemlich alles“, beschreiben sie ihre Songs. Doch trotz der Melancholie sind sich Herrenmagazin niemals zu schade, bei ihren Konzerten furchtbar peinliche, aber ironisch gemeinte Coversongs zu spielen. Das ist dann gar nicht mehr große Alltagslyrik, eignet sich aber prima zum Besaufen. Die Jungs verausgaben sich derart, dass sich der Drummer beim letzten Stück beinahe übergeben muss. Ein Gefühlschaos zwischen Hass und Liebe – sehr wahrscheinlich, dass Wiebusch recht behalten wird.

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