Es gibt keinen anderen HipHop-Künstler auf dieser Welt, mit dem sich so viele Menschen anfreunden können. Jay-Z? Zu großmäulig und erfolgsbesessen. Kanye West? Egomaner Streber. Eminem? Nervt mit seinen Psycho-Wrack-Storys. Ein anderes Kaliber ist der „Doggfather“, der sogar die Hochzeit von Kate Moss als musikalischer Gast rocken darf. Wenn er dort dieselben Register zieht wie bei seinen Konzerten, dann wird das die Party des Jahres. Deswegen muss man aber nicht gleich zum Wedding Crasher werden. Snoop Doggs variantenreiche Selbstinszenierung zwischen Gangsta-Plattitüden, Kifferfantasien und gepflegter Ironie kann man auch auf der Tour-Bühne bestaunen. Gerade das Aushebeln der eigenen HipHop-Klischees kommt bei Fans anderer Musikrichtungen gut an: Seien es die vielen Geldscheine, die Snoop Dogg auf einem goldenen Bügelbrett glatt dampft, das XXL-Himmelbett, das plötzlich aufgefahren wird, wenn er den Beischlaf-Soul von Barry White imitiert. Oder die Roy-Black-Parodie, die er vor ein paar Jahren sogar für eine Mobilfunk-Werbung aufführte. Genreübliches Geltungsbedürfnis und Egomanie wird man hier nur in stark abgeschwächter Form zu sehen bekommen, denn mit fast 40 Jahren strahlt der Kalifornier fast schon so etwas wie Güte und Nächstenliebe aus, wenn er statt öder Danksagungen lieber die Warmherzigkeit deutscher Blondinen ironisch reflektiert. Bei seiner letzten Tour gab es im Vorfeld einen Kurzfilm zu sehen: Darin vergnügt sich Snoop Dogg mit zwei Damen, die ihn in einen gefährlichen Hinterhalt locken wollen. Kurz darauf sind beide mausetot. Wer hier wen verarscht, bestimmt immer noch der „Doggfather“.

Video-Tipp: „Gin & Juice“ von Snoop Dogg