Manche Ideen sind zu gut, als dass man sie ausschließlich angestaubtem Vinyl und der Erinnerung überlassen darf. Etwa der Kniff, irrsinnig laute Musik mit nur sehr wenig Aggression zu spielen, wie es Bands wie My Bloody Valentine und Ride in den frühen 90ern taten. Das Debüt der Pains Of Being Pure At Heart nahm daran aufmerksam Maß: Ihre Songs waren zwar im Herzen zahmer Indiefolk, dabei allerdings in Transistoren versengende Verzerrung getaucht – als würde die Band traumwandeln, während um sie herum Feuersbrünste fauchen.

Auf „Belong“, ihrem zweiten Album, half das Produzentenduo Flood und Alan Moulder (U2, Smashing Pumpkins) mit dem Sound. Die Songs klingen nun klarer und aufregender. Statt die Kanten wegzupolieren, brachten die Mischpult-Legenden die Stärken der Band auf Hochglanz: Wer solche Melodien schreibt, darf sie nicht verstecken.

Dennoch bleiben die Pains wiedererkennbar, der famose Krachpop ist so freundlich und unrebellisch wie zuvor. Darum ist es eben auch leicht, die Pains als harmlosen Antirock zu verunglimpfen, was spätestens auf der Bühne seine Berechtigung verliert. Als ob jede elektrische Gitarre am Ende des Konzerts mit dem Hals im Verstärker landen müsste. Irgendjemand sollte schließlich auch über all die verflossenen Jugendlieben singen – und besser als von den vier New Yorkern konnte man das in den vergangenen Jahren kaum irgendwo hören.

Eine elegante Erbschleicherei be – treiben sie da: Neben den so verhuschten wie vergessenen Indiepophelden The Field Mice hört man dank des Updates inzwischen auch den hoch melodischen Schmutzrock der mittelspäten Smashing Pumpkins heraus. Es kommt selten vor, aber es passiert: Manchmal steht dem kleinen Bruder die abgelegte Garderobe der älteren Geschwister einfach besser.

Video-Tipp: „Higher than the Stars“ von The Pains Of Being Pure At Heart