Die Tolle ist gegelt, der Anzug sitzt, dazu heult und röhrt die Bostoner Soulrakete Eli „Paperboy“ Reed: „If you want the love of a man – come and get it.“ Und man fühlt sich geradewegs in die 60er zurückversetzt, als sich Männer für Frauen zum Tanztee in Schale schmissen. „Zum Job eines Entertainers gehört doch, anders auszusehen als sein Publikum“, sagt der 27-jährige Sänger, den viele schon mit dem „King of Soul“ Otis Redding vergleichen. Doch wichtiger als der optische Eindruck ist Reed, dass er mit der Musik den Leuten ein gutes Gefühl gibt. „Man muss bei meinen Songs nicht grübeln. Mit dem Fuß tippen wird man allerdings automatisch.“

Dafür sorgt seine siebenköpfige, unverschämt groovende Bigband The True Loves, mit der er seit sechs Jahren durch die Welt zieht. Bevor Reed allabendlich die Bühne betritt, lässt er sich von seinen Jungs in Old-School-Manier ansagen: „Mr. Satisfier“ nennen sie ihn – denn er macht alle glücklich. Lange hat es keinen Künstler mehr gegeben, der den Sound von einst so gut konserviert und ihn doch in die Moderne überführt. „Natürlich wäre es schön, ins Jahr 1963 zurückzureisen und Sam Cooke noch mal singen zu hören“, meint Reed. „Aber ich bin kein Typ, der in der Vergangenheit lebt oder sie wiedererwecken will. Die Zeit, in der wir heute leben, hat mir überhaupt erst die Erkenntnis über die Qualität von Soul und R&B gebracht. Ich will den Pop wieder an einen Platz bringen, wo gutes Songwriting, guter Gesang und gute Arrangements noch etwas bedeuteten.“

Dementsprechend poppig klingt auch sein 2010 erschienenes Majorlabel-Debüt „Come And Get It“. Seinen Rufnamen „Paperboy“ hat er sich übrigens nicht einfach nur ausgedacht: „Ich trug früher immer den Zeitungsjungen-Hut meines Opas“, erklärt Reed. „Seitdem klebt der Spitzname an mir wie das Haargel in meiner Tolle.“

Video-Tipp: „Live@Jools Holland “ von Eli Paperboy Reed