Vor fünf Jahren war Lindenberg noch so abgemeldet wie keine zweite deutsche Pop-Ikone. In der gängigen Wahrnehmung war er ein versoffener Altrocker, der mit unverständlichem Nuscheln seit Jahren keine gute Platte mehr gemacht hatte. Dann kam „Stark wie zwei“, eine Art Comeback-Album – obwohl er ja nie weg war, sondern auch in Krisenzeiten stetig weiter veröffentlicht hatte. Der Unterschied: Die Kritiker erinnerten sich auf einmal an ihre wilden Jugendjahre mit Udos Musik und besprachen ihn berechtigterweise endlich wohlwollend. Plötzlich war sein Nuscheln nicht mehr peinlich, sondern die ganz eigene Lindenberg-Sprache, ohne die der deutschsprachige Pop heute nicht denkbar wäre. Plötzlich war es cool, Udo cool zu finden – und unmöglich, so cool wie Udo zu sein. Sein Unplugged-Konzert 2011 bot zur Einstimmung bereits alles, was ein Lindenberg-Konzert ausmacht: herrlich hingerotzte Versionen seiner Hits neben filigranen Neuinterpretationen, dazu wunderbare Duette mit Inga Humpe und Clueso. Gaststars wie Frida Gold oder Jennifer Rostock passten natürlich überhaupt nicht zu Lindenberg auf die Bühne, aber umso besser ins Bild des Hypes. Denn diese Bands nennen Udo natürlich ihr großes Vorbild. Auch wenn sie sich vor fünf Jahren ganz bestimmt noch über ihn lustig gemacht haben.

Video-Tipp: „Cello“ von Udo Lindenberg feat. Clueso