Er ist hier der Boss! Schließlich hat der ausdauernde Bühnenarbeiter – unter drei Stunden spielt er nie – genügend Hits im Köcher. „Hungry Heart“, „Born To Run“, „Dancing In The Dark“ und, und, und. Natürlich auch eine Handvoll Songs seines neuen Albums „Wrecking Ball“. Fans und Spötter können sich darauf einigen, dass Spring- steen keine richtig schlechte Platte machen kann, seit 1987 („Tunnel Of Love“) aber auch keine richtig gute mehr vorgelegt hat. Egal, neue Veröffentlichungen bedeuten beim 62-Jährigen ohnehin nur einen willkommenen Anlass, wieder auf Tour zu gehen und mit seinen Fans die großen Songs dieser jetzt schon fast vier Jahrzehnte andauernden Karriere zu feiern. Bei Springsteen kriegen die Fans das, was sie wollen: Hits und Authentizität. Der amerikanische Traumtänzer, kernig und sexy. Einfach der Boss. Es gibt ein Video von Bruce Springsteen, das die komplette Faszination seiner Person in wenigen Minuten bündelt: Glastonbury-Festival 2009. Der „Boss“ spielt „The River“. Er öffnet wie beiläufig sein Hemd, die Hitze und der Schweiß bilden eine weiße, um seinen Körper tanzende Schicht. Er haucht, er leidet, er fleht. Und vor der Bühne sind die von Indiebands angelockten Zehntausenden ergriffen. Ein Rockstar singt für sie. Über ihr Leben, über seins. „We go down to the river, into the river we die“. Einen Song, den er live übrigens nur selten zum Besten gibt. Seinen größten Hit „Born In The USA“ singt er überhaupt nicht mehr. Zu viele Missverständnisse. Andere Künstler wären damit musikalisch amputiert, Springsteen quittiert es mit einem Achselzucken.

Video-Tipp: „Hungry Heart“ von Bruce Springsteen