Sie machen sich über die Shows von Arcade Fire lustig. Sie brechen Auftritte ab, weil Tauben auf sie scheißen. Fans, die nur ihren Hit „Sex On Fire“ kennen, sind nach Konzerten verstört. Und um so etwas Banales wie Albenverkäufe kümmern sie sich auch nicht mehr. Doch so sehr sich die Kings Of Leon auch bemühen, Kotzbrocken zu sein, ihren derzeitigen Erfolg können sie nicht verhindern. Das neue Album „Come Around Sundown“ ist in Deutschland und England auf Platz eins eingestiegen. Und auch in ihrer US-Heimat, die sich bislang unbeeindruckt vom hemdsärmeligen Südstaaten-Sound zeigte, werden sie auf einmal erhört. Seit „Only By The Night“ 2008 erschien, kennt jeder die drei Brüder Caleb, Jared, Nathan und Cousin Matthew Followill.

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Das hat natürlich Folgen: Statt ledergesichtiger Blues-Rocker drängeln sich nun immer mehr begeisterte Fans in immer monströseren Mehrzweckhallen. Dabei wollen die Followills eigentlich nur in Ruhe Musik machen. Bei Konzerten hält Frontmann Caleb daher meist den Mund. „Ich will ja auch nicht irgendeinem Typen beim Labern zugucken, sondern die Songs hören, für die ich bezahlt habe.“ Womit wir beim Wesentlichen wären: Wer je dabei war, wenn Caleb den Refrain von „Day Old Blues“ wie ein liebestoller Kojote heulte, wer je gesehen hat, wie sich Jared bei „Charmer“ fast die Hand am Bass wund schrubbte, wer je die schiere Live-Energie dieser großspurigen, in Testosteron getunkten Machos gespürt hat, wird das nicht vergessen. Da können sie noch so eklig auf den Bühnenboden rotzen. Da können sie sich noch so breitbeinig in abgeschmackte Rockstarposen stellen. Sie nehmen einen gefangen in all ihrem königlichen Ernst.
Simone Deckner