Gefeuert. Fast die ganze Band. Jedoch nur vorübergehend, im Studio. Angesichts der leisen Lieder von „OH (Ohio)“ wollte Bandboss Kurt Wagner lieber mit kleinem Besteck musizieren. Für seine Konzerte hat der Mann mit der Mütze jedoch sein ganzes Hobbymusikerkollektiv aus Buchhaltern, Elektrikern und Tankwarten in den Tourbus gesetzt. Schließlich trägt es den Titel „Leiseste Big Band der Welt“. Es inszeniert Wagners Folk-Miniaturen, Songwriter-Tunes und Country-Songs perfekt mit der Intimität einer Wohnzimmersession. Mit rohholzigen Instrumenten schaffen seine Mitstreiter altmodische Akustiksounds und eigentümliche Atmosphären, zu denen Wagner seine skurrilen Alltagsgeschichten aus dem Leben erzählt.

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Und Wagner? Hornbrille, Baseballmütze, Baumwollhemd: Auf der Bühne wirkt er wie ein amerikanischer Farmer. Kaum zu glauben: Bis vor neun Jahren arbeitete Wagner in Nashville sogar als Holzbodenverleger, bevor er mit seinem losen Bandkonstrukt Lambchop als Retter der Country-Musik durchstartete. Aber was heißt bei Lampchop schon Country? Verlinkt mit Soul, Jazz und Blues schuf Wagner einen Sound, der so einzigartig ist, dass Kritikern dazu nur der schwammige Begriff Americana einfiel. Auch auf „Oh (Ohio)“ entzieht sich dieser geniale Songwriter mit der einzigartig knarzenden Stimme gängigen Klischee. Und verzaubert stattdessen seine Fans mit wundervoll surrealen, sparsamen Songs im Zeitlupentempo.