Mit ihren Kritikern hatte es Katie Melua selten einfach. Die Presse kann ungerechterweise so ungnädig sein: identitätslos, Schnarchmusik sei das, irre langweilig. Amy Winehouse soll vor Jahren gesagt haben, Meluas Musik sei – Verzeihung – scheiße. Vielleicht ist es da kein Wunder, wenn alles mit einem Mal zu viel wird. Vergangenes Jahr bestätigte die britische Sängerin, dass sie einen Zusammenbruch erlitten hätte – alle Termine absagen, totale Erschöpfung, so die offizielle Diagnose. Inzwischen scheint sich die 27-Jährige erholt zu haben. In diesem Frühjahr veröffentlichte sie ihr fünftes Studioalbum. Will man es sich einfach machen, klingt „Secret Symphony“ nach dem gleichen alten Zimt: sauber gezupfte Akustikgitarren zu bedeutungsschweren Balladen. Auch solche Stücke birgt die neue LP. Nicht schlimm, das Träumerisch-Sehnsüchtige ist zu ihrem Markenzeichen geworden. Zumal Musik, die das Gegenteil von Karacho-Rock ist, gleichwohl ihre Daseinsberechtigung hat. Und dass Meluas Songschreiber ein Ohr für Popmelodien haben, kann man nicht bestreiten. Live gelingt es Melua jedoch, ihre beseelte Romantik aufs Publikum zu übertragen. Unterstützt von Streichern trauert sie leise und verloren durch ihre Gefühlswelt, dann wieder swingt sie sich mit Schokoladenstimme im Mid- tempo, vom Kontrabass untermalt, in die Arme eines Lovers. Doch, da kann selbst dem Skeptiker schon mal der Fuß wippen. Gelegentlich liegen zwischen sich sträubenden Nackenhaaren und Gänsehaut eben nur ein paar stille Töne.

Video-Tipp: „Secret Symphony“ von Katie Melua