Konzerte können das Leben verändern. Viele Menschen berichten von diesem magischen Abend, den sie noch immer hören, fühlen, riechen, schmecken. Manche haben sogar mehrere solcher Auftritte erlebt. Bei mir sind Depeche Mode für eine solche Nacht der Nächte verantwortlich – für die Erinnerungen an den 5. Oktober 1998; an eine Kölnarena, die so ausverkauft war, dass sogar die Fluchtwege besetzt waren; an den entrückten Gesichtsausdruck meiner Freundin bei den ersten Klängen des „Painkiller“-Intros; an das damals noch neue und überwältigend sphärische „Only When I Lose Myself“; an die Träne meines Nebenmannes bei „Home“; an meine Träne bei „Somebody“; an die durchgedreht tanzende Halle beim „Just Can’t Get Enough“-Finale. Es war die Tour zu ihrer Singles- Compilation, die Tour nach „Ultra“, dem nicht mehr für möglich gehaltenen Comeback nach Dave Gahans Drogenmartyrium.

Video-Tipp: „Heaven“ von Depeche Mode

Depeche Mode sind eine weltweit erfolgreiche Band, doch nirgendwo werden sie so gefeiert wie in Deutschland. Und bis zu ihrer Rückkehr nach Gahans Krebs-OP im Sommer kaum irgendwann so wie damals. Für mich war es der Abend, der auf ewig als Audio- und Videodatei in meiner Erinnerung abgespeichert ist. 2006 besuchte ich noch einmal ein Konzert von Depeche Mode. Am 5. Juni im Bremer Weserstadion gab die Band ein Gastspiel der lustloseren Sorte. Es war ihr einziger Deutschland-Gig, über den man sich jemals schlecht erzählte. Anschließend machten Gerüchte die Runde, sie hätten Bremen als Probegig für die Festivalsaison benutzt. Zum Glück hatte ich meine Erinnerung. Die habe ich bis heute. Und für immer. Tim Sohr