Di, 22. Oktober 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Marteria

Die Forsetzung des Erfolgsalbums „Zum Glück in die Zukunft“ bereichert seit 31.01.2014 die deutsche Musiklandschaft. PRINZ sprach mit einem der erfolgreichsten deutschen Hip-Hop-Acts. 



Es gibt Neues zu Hören von einem der erfolgreichsten deutschen Hip-Hop Künstler. Marteria bringt mit der Platte „Zum Glück in die Zukunft II“ die Forsetzung seines letzten Erfolgsalbums und präsentiert diese ab März 2014 auf einer Tour durch Deutschland. PRINZ sprach mit ihm über seine Reisen, die Track by Trek Produktionen und seine Einstellung zum Spießertum. 

Du hast vor einigen Monaten eine kleine Auszeit angekündigt. Auf Facebook kann man sehen, dass du Reisen durch die ganze Welt, etwa Brasilien, Alaska oder Portugal unternommen hast. War das wieder im Rahmen des Viva con Agua Projekts, das dich und Paul Ripke bereits nach Uganda führte?
Nein, das hat damit nichts zu tun. Dabei ging es um die Track bei Trek Produktionen für die neue Platte. Für jeden Track auf dem Album haben wir ein anderes Land besucht und dort ein Video gedreht, um die Songs vorzustellen.

Welches deiner Reiseziele hat dich am meisten beeindruckt?
Von der Natur und der Landschaft her auf jeden Fall Island. Ich wollte schon immer mal dorthin und konnte mir den Traum vor kurzem erfüllen. Die Natur dort ist so gewaltig und beeindruckend. Von der Stadt her war es Rio de Janeiro. Dort könnte ich mir auch vorstellen zu leben und jeden Tag Kokosnuss-Milch zu trinken (lacht). Überall und in jedem Land findet man aber etwas, das einen weiter bringt und beeindruckt. Reisen ist wichtig, weil es deine Sicht auf die Dinge verändert.

Welche Erfahrungen hast du auf den Reisen gesammelt und hat dich das als Musiker und als Mensch geprägt?
Auf jeden Fall. Ich versuche in Interviews und in Gesprächen immer zu verdeutlichen, wie toll solche Erfahrungen sind, der Kontakt zu anderen Menschen und das wirkliche Leben kennenzulernen. Ich schlafe auf meinen Reisen auch nicht im Hilton, sondern in ganz einfachen Unterbringungen, um mitzubekommen, wie die Menschen leben. Es geht in vielen Ländern nur um Essen, Trinken und Freiheit – dann ist man glücklich. Wir sind so dermaßen vom Konsum überschüttet, dass wir uns kaum auf das besinnen, was wirklich zählt. Ich denke, Kinder und Jugendliche sollten keinen Austausch in die USA machen, sondern in dritte Welt Länder. Das ist so prägend und verändert einen.

Im August hast du auf Facebook vom „Anfang einer wunderschönen neuen Zeit“ gesprochen“ und auch der Titel deiner CD spiegelt einen Neuanfang. Meinst du das musikalisch oder privat? Und in welcherlei Hinsicht?
Je älter man wird, umso mehr Schritte sind wie ein Neuanfang. Und auch jede neue Platte ist wie ein Neuanfang. Ich habe mir echt den Arsch aufgerissen, um die neue Platte zu bringen. Die Track by Trek Produktionen sind wahnsinnig zeitintensiv und kostspielig gewesen. Es steckt ein unfassbarer Aufwand dahinter. Aber ich möchte nicht in Berlin ein Video im Studio drehen, sondern etwas Gehaltvolles machen. Die Menschen sollen mich als einen Musiker im Kopf behalten, der hohe Qualität liefert. Ich baue nicht auf Sachen auf und versuche immer wieder etwas Neues zu machen. Ich will kein Gefühl vermitteln, dass ich satt bin und das 100. Lila Wolken mache.

Das Album ist am 31.01.2014 erschienen. Was ist dein erstes Fazit?
Bei dieser Platte bin ich das erste Mal richtig, richtig stolz. Ich mag alles daran: die Beats, die Wärme und die Geschichten, die erzählt werden.

Zum Glück in die Zukunft wurde von dir als „Seelenstriptease eines Mannes“ bezeichnet. Trifft das auch auf dieses Album zu?
Absolut. In jedem Song steckt etwas von einem selbst.

„Louis kommt“ ist beispielsweise sehr ergreifend. Darin beschreibst du retrospektiv die Geburt deines Sohnes.
Ja, es ist sehr schwer, bei solchen Themen cool zu bleiben und einen klaren Blick zu behalten. Es gibt so viele Songtexter, die das so schlecht umsetzen. Es ist schwer, es auf einen Punkt zu bringen und dabei nicht in so einen peinlichen Pathos zu verfallen. Das finde ich widerlich. Ich habe mir vor fünf Jahren Notizen gemacht, als Louis auf die Welt kam. Ich war 24 und Hartz4 Empfänger. Ich denke, es ist mir ganz gut gelungen, mein Gefühl zu dieser Zeit wiederzugeben.

„Zum Glück in die Zukunft II“ heißt das Album. Doch Tracks wie „Die Nacht ist mit mir“ und die erste Zeile: „Ich hab den Knopf schon längst gedrückt, auf dem Selbstzerstörung steckt“ zeugen eigentlich nicht von einem optimistischen Blick in die Zukunft. Wie passt das zusammen?
Es ist genau wie bei der ersten Platte. Ich möchte damit sagen: Zum Glück geht es in die Zukunft und man bleibt nicht stehen. Man hofft, dass das Glück in der Zukunft liegt, auch wenn der Weg oft sehr steinig ist. Es geht um Verlust und die Auseinandersetzung mit dem Tod – wenn beispielsweise ein guter Freund bei einem Autounfall stirbt. So ist ja zum Beispiel „Sekundenschlaf“ entstanden. Ich möchte einen ehrlichen Blick geben. Klar geht es auch ums Party machen, aber eben nicht nur. Es gibt nachdenkliche, melancholische Aspekte des Lebens. Manchmal ist man selbstzerstörerisch, auch wenn der Körper vielleicht „Stopp“ sagt.

Mit „Kids“ gibst du eine kritische Sicht auf die Entwicklung zum Spießertum. Und auch bei „OMG!“ heißt es: „Bin jetzt 30 – keine Angst, ich heirate bald“. Spiegelt das deine Meinung oder steckt auch in Marteria das Bedürfnis nach dem gesitteten Leben?

Meine Songs haben immer einen großen Ironie-Anteil. Natürlich meine ich nicht alles so. Es gibt immer zwei Seiten und beide Welten sind schön. Ich liebe es feiern zu gehen und auf Festivals durchzudrehen und meine Konzerte zu spielen. Aber ich genieße auch die Zeit in der Natur, wenn ich mal zur Ruhe kommen kann. 


Marsimoto hat einen kurzen Gastauftritt im Album. Hören wir 2014 wieder mehr von deinem grünen Alter Ego?
Marsi ist immer mit dabei – bei jeder Platte und auf jedem Konzert, das ich spiele. Auf der Tour und auf den Festivals geht es aber erstmal darum, die neue Platte richtig geil zu präsentieren. Vielleicht mache ich danach noch eine kleine Tour, um die Städte abzudecken, in denen ich noch nicht gespielt habe. Und wenn ich dann wirklich mit allem durch bin, reise ich für einen Monat oder so nach Jamaica und mache eine neue Marsimoto Platte.

Welche Wünsche hast du für das Jahr 2014?
Ich habe noch nie beim Schnorcheln eine Moräne gesehen. Beim Tauchen mal eine Moräne sehen, wäre der erste Wunsch. Dass ich 2014 beim Rock am Ring spielen darf ist der Wahnsinn. Das ist eines der größten Festivals und da ist defintiv ein großer Traum in Erfüllung gegangen.

Planst du auch 2014 weitere Reisen?
Ja, ich muss ja weiter Länderpunkte sammeln (lacht).

Ach, dieses Spiel, das du mit dem Fotografen Paul Ripke hast?
Unter anderem, ja. Aber es wird schwer, ihn einzuholen. Paul ist einer der besten Fotografen der Welt und er hat bereits über 80 Punkte. Ich habe 42, was aber auch schon eine beachtliche Punktzahl für einen Ossi ist, der so lange nicht reisen durfte. 2014 möchte ich weitere zehn bis zwölf Länderpunkte schaffen. Ich bin wirklich dankbar, dieses Leben führen zu dürfen und soviel von der Welt sehen zu können. Es ist toll!

Welche Projekte stehen 2014 noch an? Und welche Reisen?
Ich werde auf jeden Fall mit dem Viva con Agua Projekt einmal im Jahr nach Uganda reisen. Ich bin Musiker und kann mich dafür einsetzen, Spendengelder sammeln und den Menschen so helfen. Es ist echt sehr ergreifend, was man dort sieht. Die Menschen haben kein Wasser und trinken aus einem dreckigen Loch. Dort ist es ein Segen, wenn ein Kind das fünfte Lebensjahr erreicht, viele werden nicht einmal so alt. Nach solchen Erfahrungen sieht man vieles klarer. Es geht um das Große und Ganze, das man dann ganz anders betrachtet. Die Menschen machen soviel Scheiß momentan und wirtschaften vieles kaputt. Bei uns geht es nur um Konsum und nicht mehr um die eigentlichen Werte.

 

Zum Glück in die Zukunft II-Tourdates

06.03.2014 Rostock, Stadthalle

07.03.2014 Dresden, Eventwerk
08.03.2014 Magdeburg, Stadthalle

09.03.2014 München, Tonhalle
 
11.03.2014 A-Wien, Arena

12.03.2014 CH-Zürich, Komplex

14.03.2014 Stuttgart, Porsche Arena

15.03.2014 Frankfurt Am Main, Hugenottenhalle

16.03.2014 Köln, Palladium
 
18.03.2014 Hamburg, Sporthalle

10.04.2014 Erfurt, Stadtgarten

11.04.2014 Hannover, Swiss Life Hall
12.04.2014 Berlin, Max-Schmeling-Halle

Tickets für die Konzerte bekommt ihr hier

Weitere Infos findet ihr auf der Marteria Homepage


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