Do, 12. Dezember 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Phrasenmäher

Eingängige Melodien, Abwechslung und ironische, skurril durchdachte Texte stehen bei ihnen im Vordergrund. PRINZ traf Phrasenmäher zum Interview.



Viele Musikstile, deutsche Texte und vertontes Augenzwinkern. Wenn Phrasenmäher auf der Bühne stehen, explodiert ein musikalisches Universum. Von Rock, Pop, Folk, über A- Capella und Ska bedienen sich Jannis Kaffka, Lenne Kaffka und Martin Renner aller möglichen musikalischen Zitate und erzeugen einen unnachahmlichen Sound. Texte voller Wortwitz und Selbstironie zeichnen die Band aus. Auf CD lässt sich die musikalische Vielfalt von Phrasenmäher entdecken, live zeigt sich die Band zudem noch extrem spontan, improvisationsfreudig und in direkter Kommunikation mit dem Publikum. Wir wollten Phrasenmäher näher kennenlernen und trafen die drei Jungs zum Interview:

Zu Beginn gefragt: Es mag zwei, drei Leser geben, die Euch noch nicht kennen. Um diesen zu helfen: Wer sind Phrasenmäher? Und was machen sie für Musik?

Wir sind eine Popband aus Hamburg, die zwischenzeitlich ein paar Jahre in Hildesheim verbracht hat. Als unser Markenzeichen gelten unsere deutschsprachigen Texte in Verbindung mit der Lust, sich auf keinen Musikstil so richtig festzulegen. Deswegen gibt es auf unserem neuen Album Elektro-Swing, Rammstein-Latin, Country-Rock, Popballaden, Indierock und was uns sonst so einfällt. Live wird uns eine enorme Spontaneität nachgesagt und es fällt auf, dass wir mit viel mehrstimmigem Gesang arbeiten.

Der Name Phrasenmäher ist ja bei Euch Programm. Woher stammt die Idee ironische, wortspielreiche Texte und Phrasen musikalisch zu vertonen?

Das liegt uns einfach am meisten. Ganz am Anfang haben wir auf Englisch geschrieben. Das war grauenvoll. Man sollte textlich und musikalisch einfach das machen, was man am besten kann. Und wenn wir versuchen würden Weltverbesserertexte zu schreiben, würde uns das keiner abnehmen. Wir mochten auch schon immer bei anderen Musikern das Spiel mit der Sprache und wenn mit Humor der Alltag gespiegelt wird. Privat würden wir daher wohl eher Dendemann oder Rainald Grebe hören als Xavier Naidoo oder Tim Bendzko.

Eure Texte klingen oft lustig, wenn man aber hinter die Fassade schaut, steckt mehr Ernsthaftigkeit dahinter, als man denken mag. Als wie ernst schätzt Ihr selbst Eure Musik und Eure Texte ein?

Es ist richtig, auf den ersten Blick funktionieren wir über den Humor – auf Platte und bei Konzerten. Deutschsprachiger Popmusik wird leider häufig die Ernsthaftigkeit abgesprochen, sobald sie annähernd lustig ist. Das ist ein großer Fehler. Humor ist einfach ein guter Eisbrecher und funktioniert oft sogar besser als ein gehobener Zeigefinger oder verschwobelte Lyrics. Meistens entdecken die Leute nämlich spätestens beim zweiten Hören, den ernsten Kern hinter den Texten. Und falls ein Song einfach mal komplett albern oder nur tieftraurig ist, muss das auch drin sein. Da wollen wir uns einfach nicht beschränken. Was die musikalischen Arrangements angeht, sind wir äußerst detailverliebt und entscheiden bewusst, wann wir welchen Musikstil zu welchem Text nutzen. Auch das spricht sicherlich für eine hohe Ernsthaftigkeit. Zu sagen, dass wir eine ernste Band sind, wäre sicher falsch. Man sollte uns aber ernst nehmen, in dem, was wir machen und was unsere Texte aussagen.

Ihr habt ja bereits einiges hinter Euch. In den letzten Jahren hat Eure Karriere einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht: Support für die Fantastischen 4,  1 Studioalbum, ein Live-Album, ein Konzeptalbum mit Stadthymnen und nun erscheint Euer neues Werk „9 Hits, 3 Evergreens“. Seid ihr zufrieden mit der Entwicklung der Band?

Ja, absolut. Als wir uns vor zehn Jahren gegründet haben, waren wir Zivis bzw. noch Schüler und wollten einfach Musik machen. Vor 5 Jahren haben wir dann entschieden, das wir das mit der Musik richtig durchziehen wollen. Seitdem haben wir enorm viel investiert und dabei glücklicherweise wichtige Partner gefunden, von denen wir früher nie gedacht hätten, dass wir mal mit denen zusammenarbeiten würden. Schön ist, dass wir aber bis heute enorm viel selber machen müssen und können. Dabei haben wir gelernt, uns immer neue Ziele zu setzen. Einerseits fühlt sich der Weg dadurch zwar nie wirklich beendet an, andererseits hat man auch schon sehr viele Etappenziele erreicht. Da fühlt sich der Blick zurück über die Schulter gut an. Aber trotzdem wollen wir immer weiter gehen.

Was steckt hinter Eurer neuen Platte? Was kann man vom Album erwarten? Außer natürlich den 9 Hits und den 3 Evergreens?

Man merkt, dass wir das Konzept „Album“ mögen, obwohl es heute mehr um Singles und einzelne Toptracks geht. Für uns ist ein Album mehr als eine Ansammlung von Songs. In „9 Hits, 3 Evergreens“ stecken auf jeden Fall eine musikalische Vielfältigkeit und eine bewusste Dramaturgie. Außerdem auch ein kleiner Hang zum Wahnsinn. Den erkennt man z.B. an der Single „Zwei Jahre in“. Die haben wir als Download-Single in einer Länge von 90:10 Minuten ausgekoppelt und haben damit jetzt den Guinnes Weltrekord in der Kategorie „Longest officially released song in the world“. Wir haben einfach 482 weitere Refrains geschrieben, um die Allgemeingültigkeit des Liedes auf die Spitze zu treiben. Dazu haben wir natürlich auch ein Musikvideo in Spielfilmlänge gedreht. Wir mögen es, die Leute zu überraschen. Und das hört man auch „9 Hits, 3 Evergreens“ an.

Euer Album hat 13 Titel, Laut Adam Riese stimmt das doch nicht ganz mit dem Albumtitel überein. Warum heißt Euer Album dann nicht „9 Hits, 3 Evergreens und einer obendrauf?“

Na, das klingt dann ja schon beim Release wie aufm Grabbeltisch: „Jetzt das Super-Sparangebot mit einem Song extra!“ Nee, wir wollten einfach ehrlich sein. Das Album hat 13 Tracks, aber ein Lied ist halt nicht so gut wie die anderen. Es tut uns wirklich Leid, aber uns sind nur 9 Hits und 3 Evergreens gelungen. Hoffentlich reicht das trotzdem.

Ihr geht ja auch bald wieder auf Tour. Ist es notwendig, Euch live zu sehen, um Phrasenmäher als Ganzes zu begreifen?

Unbedingt. Nicht umsonst haben wir unser Live-Album „live zu begreifen“ genannt. Die musikalische Bandbreite des Albums reizen wir live noch mehr aus. Vor allem haben wir auf der Bühne aber die Möglichkeit, spontan zu sein und aufs Publikum einzugehen. Wir lieben es, wenn jeder Abend anders ist. Nichts langweilt doch mehr, als jeden Tagdieselben Abläufe und Ansagen.

Nach welchen Kriterien stellt Ihr generell Eure Setlist zusammen, wenn Ihr ein Konzert spielt?

Zuerst gucken wir natürlich wie der Rahmen ist. Auf Festivals spielt man eher mehr Partysongs und die bekanntesten Lieder. Auf unserer Clubtour versuchen wir stattdessen, möglichst viel Abwechslung ins Set zu bringen und Brüche einzubauen. Wir spielen in der Regel fast zwei Stunden. Da ist es wichtig, auch mal das Tempo rauszunehmen, damit eine Steigerung gegen Ende überhaupt noch möglich ist. Wichtig ist auf jeden Fall, dass man die Situation des Abends annimmt und gegebenenfalls die Setlist umwirft. Warum sollen wir Partysongs spielen, wenn den Leuten nach zuhören ist? Warum sollen wir nur ruhige Lieder spielen, wenn die Leute tanzen wollen? Am wichtigsten ist aber, das Publikum immer wieder neu zu überraschen.

Welche Unterschiede seht Ihr selbst zwischen Phrasenmäher auf Platte und Phrasenmäher live? Oder gibt es da eigentlich gar keine?

Uns ist wichtig, dass wir Platte und Konzerte getrennt betrachten. Bei der Albumproduktion denken wir erstmal nicht an die Konzerte. Wenn ein Lied noch eine weitere Füllstimme braucht, dann spielen wir sie ein, auch wenn wir es auf den Bühnen zu dritt nicht 1:1 reproduzieren können. Im Studio versuchen wir alles, damit das Album möglichst gut klingt. Im Proberaum tritt das Album dann nach und nach in den Hintergrund. Zunächst versuchen wir das Lied so zu spielen, wie auf dem Album. Oft ist das kein verkehrter Ansatz, gerade bei sehr bekannten Liedern. Wenn wir aber das Gefühl, dass es für die Konzerte besser ist, dass wir ein Lied ganz neu arrangieren, tun wir das einfach. Unser Lied „Gemäßigt satanisch“ ist in der Studioversion z.B. eine Folkpopballade. Live singen wir es aber immer A-Cappella, um mehr Abwechslung ins Set zu bekommen und weil wir das Gefühl haben, dass es dem Lied gut tut. Auf Platte muss man sich irgendwann halt festlegen, wie etwas klingen soll. Live gibt es stattdessen die Möglichkeit, dass ein Lied sich immer wieder verändern und entwickeln kann.

Phrasenmäher 2014 – Was können wir noch von Euch erwarten?

Das Jahr hat ja mit dem Album-Releas und dem Guinnes-Weltrekord schon super begonnen. Wir wollen dieses Jahr auf jeden Fall wieder mehr live spielen. Ab 18. Februar touren wir auf „9 Hits, 3 Evergreens“-Tour durch 18 Städte. Das werden aber garantiert nicht die letzten Konzerte sein. Außerdem treiben wir unser Nebenprojekt „Heimathiebe“ voran. Wir schreiben dabei immer böse Hymnen über Städte, in denen wir gespielt haben. Auf unserem Youtube-Channel youtube.com/hochklappdings kann man bereits ca. 30 Stadthymnen finden, einige davon gibt es auch auf der CD „Heimathiebe Vol.1“. Gerade komponieren wir ein paar neue. „Heimathiebe Vol.2“ steht also in den Startlöchern. Außerdem werden wir anfangen, das nächste richtige Studioalbum zu schreiben. Man wird in diesem Jahr bestimmt noch von uns hören.

Phrasenmäher ist ab Februar 2014 auf Tour. Hier könnt ihr euch ein Bild der ultimativen Live-Konzert-Erfahrung machen:

Dienstag 18.02.2014 – Leipzig Werk2 / Halle D
Mittwoch 19.02.2014 – Köln Studio 672
Donnerstag 20.02.2014 – Berlin Privatclub
Samstag 22.02.2014 – Stuttgart clubCann
Sonntag 23.02.2014 – München Feierwerk / Kranhalle
Mittwoch 26.02.2014 – Kiel MAX Veranstaltungszentrum
Donnerstag 27.02.2014 – Hamburg Knust
Mittwoch 05.03.2014 – Bremen Tower Musikclub
Freitag 07.03.2014 – Regensburg Alte Mälzerei
Samstag 08.03.2014 – Würzburg Jugendkulturhaus Cairo
Mittwoch 12.03.2014 – Bochum Bahnhof Langendreer
Donnerstag 13.03.2014 – Hannover Faust / 60er Jahre Halle

Hört hier in das aktuelle Album von Phrasenmäher rein!  „9 Hits, 3 Evergreens“ als Spotify Playlist!


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