Di, 10. Dezember 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Flo Mega

Nach Klinikaufenthalt und Burnout meldet sich Flo Mega nun mit neuer Platte und Deutschland-Tour zurück. PRINZ sprach mit ihm über seine Auszeit und über „Mann über Bord“. 



Nach Klinikaufenthalt und Burnout startet Flo Mega jetzt wieder voll durch. Am 24.01.2014 meldete er sich mit der Platte „Mann über Bord“ zurück. Im Februar beginnt seine Tour, auf der er mit den Ruffcats jede Menge deutschen Soul auf die Bühne bringt. Zwei weitere Musikerinnen werden Flo Mega begleiten: Die Soul-Sängerinnen MAY und Celina, die bei verschiedenen Terminen als Support zu sehen sind. PRINZ sprach vor dem Tourauftakt mit Flo Mega über seine Auszeit, sein neues Leben und seine Zeit als „Mann über Bord“. 

Am 24. Januar ist dein Album „Mann über Bord“ erschienen. Wie ist die erste Resonanz? Bist du zufrieden?

Ich bin auf Platz 16 eingestiegen in den Top 100, inzwischen aber auch wieder raus. Es ist eben keine Formatmusik und ich wollte nicht unbedingt einen großen Nerv treffen. Dafür dass Soul eine Nischenmusik ist, bin ich sehr zufrieden damit. Ich bin jetzt nicht durch die Decke gegangen, wie ein Marteria. Das ist aber auch ganz klar, denn er trifft einen ganz anderen Zeitgeist. Ich mache einfach mein Ding und habe mein Standing, meine Fans, meine Tour.

Der Titel der Platte und die Gestaltung des Covers haben ja einen starken Bezug zur Seefahr-Metaphorik. Warum hast du diese Thematik für dein Album gewählt?

Ich verbinde damit ein Heimatgefühl – ich komme ja aus dem Norden. Zudem hatte ich eine schwere Zeit und der Song „Mann über Bord“ stammt aus dieser Zeit. Ich habe dann überlegt, wie ich das Album nenne und wollte etwas finden, was meine Situation metaphorisch darstellt. In dieser Thematik stecken für mich sehr viele persönliche Ebenen. Dieses Ding, dass man auch auf der Bühne ein Kapitän ist und das Publikum ist das Wasser.

Du hast deinen Zusammenbruch angesprochen – deinen Burnout. Kann man sagen, dass das Album die Verarbeitung dieser Zeit ist? Und vielleicht auch der Abschluss damit?

Es war auf jeden Fall der Weg heraus, hin zum Neustart. Das Ganze soll aber keinen negativen Beigeschmack haben. Die Leute sollen keine Angst haben, dass sie, wenn sie meine Musik hören, mit irgendwelchen Problemen konfrontiert werden. Ich habe nicht meine persönlichsten Sachen darin verarbeitet, aber ich habe meine Emotionen zu der Zeit mit eingebracht. Die Arbeit im Studio war für mich ein gutes Training wieder in die Spur zu kommen. Es ist ein prekäres Thema, denn ich kenne keinen Künstler, der nicht schon einmal große Probleme hatte. Das ist irgendwie ganz normal. Die Gesellschaft braucht Künstler und Musik, aber mit den Geschichten dahinter setzen sich die meisten erst auseinander, wenn der Künstler gestorben ist.

Viele Künstler sehen sich und ihr Werk als ein Ventil, um überspitzt oder sehr autobiografisch zu zeigen, was sie bewegt. Sind deine Songs eine überspitzte Darstellung der Wirklichkeit oder sehr autobiografisch?

Es vermischt sich. Bei manchen Passagen in Texten weiß nur ich, wie persönlich die wirklich sind. In anderen Passagen erzähle ich vielleicht von etwas anderem, aber mit der gleichen Emotion.

Kann man einen Track herausgreifen, der besonders dich spiegelt und deine Erfahrungen?

Alle würden darauf tippen, dass es „Hinter dem Burnout“ ist – das ist auch so. Aber eigentlich ist in jedem Song etwas von mir. Ich hatte ja auch eine schlimme Trennung. Bei „Du fehlst“ habe ich ganz klar herausgesagt, dass die Person mir eben fehlt. Oder auch die erste Nummer „Soul II Soul“. Die war für mich total wichtig und hat mich wieder in die Spur gebracht. Ich war echt schwach auf der Brust und tieftraurig und dann musst du trotzdem raus gehen und cool sein – quasi der Kapitän, der das Kommando hat. Eigentlich bist du aber total geknickt und möchtest ein Jahr lang nur rumliegen. Dann bist du auf einmal wieder im Studio und musst arbeiten, damit deine Sache, die du über Jahre angeleiert hast nicht einfach wieder versickert. Ich arbeite ja schon lange an dieser Karriere und stehe schon 20 Jahre auf der Bühne. Als ich im Studio dann „Soul II Soul“ gemacht habe, hat es mich gefreut, dass ich beispielsweise diese Schreie wieder hinbekomme. Nach und nach kam das Feeling zurück.

Bist du denn nach deiner Pause gleich wieder von 0 auf 100 gestartet oder hast du dich langsam wieder herangetastet?

Naja, von August 2012 bis Ende März war ich in der Klinik. Danach war ich nur zu Hause und 180 Tage sehr einsam und sehr krass drauf. Das war gar nicht schön. Ich habe aber schon in der Klinik gesagt: ‚Leute, es geht jetzt weiter. Ich weiß zwar noch nicht wie, aber wir müssen weiter arbeiten’. Dann musste ich mich hinterher-rehabilitieren (lacht). Es war gut, dass ich die Dinge beschleunigt habe und jetzt wieder gut drauf bin.

Auch privat geht es dir ja wieder besser. Das ist wahrscheinlich eine gute Stütze.

Es ist eine wichtige Aufgabe für mich. Als Künstler habe ich mir jahrelang meine Freiheit genommen so gut es ging. Irgendwann denkst du so: Heut wieder herausgehen? Wieder in den Kiez? Wieder hier grüßen, da grüßen? Wieder da Shake-Hands? Wieder da grinsen? Nee. Man braucht irgendwann etwas Standfestes. Auch Künstler können das. Das ist ja so ein Klischee, dass Künstler immer die freiheitsliebenden, herumtollenden Personen sind. Das stimmt nicht. Mir geht’s auch darum, mir zu beweisen, dass ich ganz normale menschliche Träume ausleben und Struktur haben kann.

Welches Gefühl hast du, wenn du die Songs performst?

Es ist verschieden. Manchmal habe ich Live so ein Gefühl, das über allem steht, dann ziehe ich es super durch und freue mich. Dann gibt es Momente, in denen ich ein bisschen melancholisch bin. Das kommt auch darauf an, in welcher Region in Deutschland ich spiele. Hier und da ist ja auch etwas passiert und da kommen Erinnerungen hoch. Man konfrontiert sich halt Live immer wieder mit dem Erlebten und muss manchmal echt stark sein. Jedes Konzert ist anders. So ein Abend ist eine bewegte Linie, die sich unkoordiniert bewegt und von Struktur gehalten wird. Man weiß vorher nie, was einen erwartet.

Gehst du die Dinge jetzt anders an, als vorher?

Ja, sicher. Ich trinke überhaupt nicht mehr, bin voll überzeugt davon und radikaler als früher. Aber das ist nötig, damit ich es nicht wieder aus den Augen verliere. Ich versuche nach einer Show sofort einen Tee zu trinken und etwas Ruhe zu tanken. Man muss zusehen, dass man genug Schlaf bekommt. Aber es ist gar nicht so einfach, denn wenn du so eine Tour spielst ist das Adrenalin die ganze Zeit da. Deshalb kann man auch vorher schwer sagen, wie es wird. Aber ein Hochgefühl ist immer dabei. Wenn man einen guten Job gemacht hat und deine Mucke ankommt, dann ist man echt gut drauf.

Du hast mit den Ruffcats ja einen guten Backround – wie kam die Kooperation zustande?


Das war 2006. Meine Ex-Freundin hat in Berlin ein Praktikum gemacht und ich bin immer hin gefahren. Irgendwann bin ich dann mal allein durch Berlin gezogen und in einen Club gelatscht. Da waren dann die ganzen Bremer und eines Abends waren sie dann da – meine Band. Man hat dann öfter mal CDs getauscht und sich die Sachen von anderen angehört. Durch eine gute Freundin von mir, die mit dem Drummer der Band zusammen war, ist eines meiner Tapes dann bei den Ruffcats gelandet. Die kamen dann auf mich zu und am nächsten Tag waren wir schon im Studio (lacht). Ich denke, sie haben darauf gewartet, dass jemand sowas macht wie ich. 

Du hast ja mit englischem Soul angefangen. Wie kam der Umschwung ins Deutsche?

Mein Sound war früher alles mögliche – Neo-Soul, ein bisschen Reggae, ein bisschen Rap, aber eben alles auf Englisch. Dann habe ich meinen Deal bekommen und meine Plattenfirma hat gefragt, ob ich nicht auf Deutsch wechseln möchte. Ich hatte eh auf Englisch keinen Bock mehr, weil ich es nicht richtig gut spreche und nie Au Pair war oder so (lacht). So habe ich dann gedacht, ich verwirkliche meinen Traum und schaue mal, wie meine Stimme auf Deutsch klingt.

Bleibst du beim Soul oder kannst du dir auch wieder vorstellen zu rappen?

Ich guck mal. Eigentlich habe ich schon Bock mal wieder zu rappen, muss aber schauen, wie ich das anstelle. Die Rap-Kultur hat einen strengen Kodex. Man müsste sich wieder mehr damit befassen, eigene Parts zu schreiben und mehr freestylen. Ich höre es zwar viel, habe aber lange nichts gemacht. Es ist auch wichtig, sich selbst gut einschätzen zu können, sonst bekommt man von den Bad Boys einen auf den Latz (lacht). Nach wie vor produziere ich Hip-Hop und war eh schon immer mehr Beatproduzent, als Rapper. Ich habe Spaß daran, einen Beat zu bauen und dann zu sehen, wie sich der Rap darauf anhört.

Gibt es Wünsche, die du dir privat oder beruflich erfüllen möchtest?

Ich bin da realistisch geworden. Mein Wunsch ist eigentlich der, dass die Leute mich als Gesamtkünstler mehr wahrnehmen und nicht immer fragen, warum ich Dinge so angehe, wie ich es tue. Flo Mega steht nicht nur für Release, sondern auch noch für viele andere Dinge.

Was passiert nach der Tour?

Ich werde Vater im April und konzentriere mich dann erst einmal darauf. Im Sommer wird aber noch einiges Live passieren. Vielleicht schaffe ich es ja auch mal auf einem größeren Festival zu spielen. Hier und da werde ich auf jeden Fall zu sehen sein.

Mann über Bord Tour 2014

26.02.14 Museumskeller / Erfurt
27.02.14 Schlachthof / Kassel
28.02.14 Skaters Palace / Münster
01.03.14 Musiktheater Piano / Dortmund
02.03.14 Alte Seilerei / Mannheim
03.03.14 B72 / Wien (AT)
05.03.14 Alte Kaserne / Zürich (CH)
06.03.14 Waldsee / Freiburg
07.03.14 Scala / Leverkusen
08.03.14 Tollhaus / Karlsruhe
18.03.14 Lagerhalle / Osnabrück
19.03.14 Pumpe / Kiel
20.03.14 Helgas Stadtpalast / Rostock
21.03.14 Kulturbahnhof / Radeburg
22.03.14 Das Bett / Frankfurt
23.03.14 Faust / Hannover
29.03.14 Nordlicht Festival / Bremen

Tickets für die einzelnen Konzerte gibt es auf www.ticcats.de

„Mann über Bord“ bekommt ihr hier


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