Mo, 14. Oktober 2019 Uhr
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PRINZ im Interview mit The National

The National begeistern Musikliebhaber rund um den Globus. PRINZ sprach mit Gitarrist Aaron Dessner u.a. über komplizierte Familienbande.



Die weltweit erfolgreiche Indie-Rockband The National, die u.a. zu Barack Obamas Lieblingsband gehört, kommt für einige Live-Termine nach Deutschland, um das im vergangenen Jahr veröffentlichte Album „Trouble Will Find Me“ zu kredenzen. Der Nachfolger der von Kritik und Fans gefeierten Platte „High Violet“ (2010) verkaufte sich weltweit über 600.000 Mal. Außerdem läuft am 10. Juli 2014 der gefeierte National-Film „Mistaken For Strangers“ an. Die Dokumentation von Matts Bruder Tom begleitet die Band auf einer zweijährigen Tour zu ihrem letzten Album. PRINZ sprach vorab mit Gitarrist Aaron Dessner, darüber, wie es ist zum Kritikerliebling zu avancieren, wie Familienbande das Leben schwer machen und was am amerikanischen System so frustrierend ist.

Euer 6. Album „Trouble Will Find Me“ hat nur positive Kritiken. Wie kommt es, dass ihr die Kritikerlieblinge seid? 

Eigentlich ist das ziemlich lustig. Da wir eine Band sind, die einige Jahre nicht wirklich beliebt bei den Kritikern waren. Aber seit einiger Zeit, trotz dass wir im Radio gespielt werden und keine Undergroundband mehr sind, bekommen wir gute Kritiken. Das ist schön. Ich bevorzuge es, dass Leute unsere Musik verstehen und einen Sinn darin sehen. Das ist uns wichtiger als Popularität. Wir sind schon geschmeichelt. Aber ehrlicherweise muss ich auch sagen, dass wir darauf nicht abzielen, wenn wir eine Platte machen. Wir versuchen nicht auf Biegen und Brechen eine Platte zu machen, die den Kritikern gefällt. Aber irgendwie scheint es zu funktionieren (lacht).

Das Album „High Violet“ im Jahr 2010 war ein riesiger Erfolg – weltweit. Wie viel Druck verspürt ihr als Band, wenn ihr eine neue Platte macht?
Wir denken da nicht wirklich daran. Bei den ersten Alben war es schon so, dass wir einen gewissen Druck verspürt haben. Aber mittlerweile gehen wir selbstbewusst an die Produktion neuer Songs ran. Wir kümmern uns nicht mehr wirklich um den Gedanken, wie erfolgreich unser neues Album werden wird.

Wie würdest du den typischen The National-Sound beschreiben?
Ich würde sagen: nuanciert, manchmal schwermütig, tiefgründig, unterhalb der Oberfläche. Leute sagen, es ist melancholisch, auch durch die Stimme von Matt.

Einige Songs von euch werden in Serien und Filmen gespielt. Wie läuft das? Müsst ihr den Film mögen, um zuzusagen? Was sind die Kriterien, damit ihr einen Song beisteuert?
Es ist schon so, dass wir die Schauspieler und den Regisseur mögen sollten. In dem Fall sagen wir schon eher ja als nein. Als Band kannst du heute nicht mehr nur über den Plattenverkauf überleben, sondern insbesondere durch die Lizensierung deiner Musik. Im Prinzip kannst du nur von der Musik leben, wenn du tourst und deine Musik lizensierst. Aber es ist auch lustig zu sehen, wie deine Musik verschiedenartig benutzt wird, solange es nicht in einem negativen Kontext steht oder in einer schlechten Werbung.

Was hat es eigentlich mit dem Grateful Dead-Projekt auf sich?
Es ist ein Charity-Projekt. Es ist ein sehr aufwendiges Doppelalbum, bei dem verschiedene Musiker Songs der großartigen Grateful Dead covert. Die Erlöse daraus gehen dann zugunsten der Red Hot Organization, die gegen AIDS kämpft. So etwas haben mein Bruder und ich schon mal gemacht. Das Doppelalbum konzentriert sich auf die Band, weil Grateful Dead eine der großartigsten Rockbands sind. Sie waren auch die erste Rockband, die so exzessiv getourt hat. Das Besondere ist, dass die verschiedenen Künstler die Coversongs gemeinsam als Band aufgenommen werden.

Wer wird denn mit dabei sein?
Vampire Weekend, Bon Iver, The Walkman, The War on Drugs, Kurt Vile & The Violators, Ira Kaplan von Yo La Tengo, Lee Ranaldo von Sonic Youth … und The National und viele viele mehr.

Du und Bryce seid nicht nur Brüder – ihr seid Zwillinge. Ist das manchmal nicht schwierig zusammenzuarbeiten?
Für uns ist es nicht schwer. Wir sind nicht die Art Brüder, die in Konkurrenz oder so etwas stehen. Wir ergänzen uns sehr gut – auch in unseren musikalischen Fähigkeiten. Deswegen ist es großartig.

Der The National-Tourfilm „Mistaken for Strangers“ wurde von Matts (Sänger, Anm.d.Red.) Bruder Tom gedreht. Er zeigt auch die Spannungen zwischen Brüdern. Wie war das für euch als Band?
Für alle von uns war es (überlegt) … besonders. Tom ist ein sehr charmanter Mensch und ist eigentlich auf gewisse Art und Weise eine liebenswertere Version seines Bruders Matt. Er hat nicht diese dunkle Seite der Persönlichkeit, die Matt hat. Wir lieben ihn alle. Und es ist gut, dass er diesen großen Erfolg mit unserem Tourfilm hat. Der Entstehungsprozess des Films hat lange gedauert und manchmal war es schon eine schwierige Zeit für Matt und Tom. Und die Band stand manchmal eher außen. Es ist auch schwer für eine Band, die Realität aus dem Blick eines Insiders zu sehen. Wir könnten aber mit dem Resultat nicht glücklicher sein – für ihn, für die beiden und für uns.

The National hat 2008 Barack Obama beim Präsidentschaftswahlkampf unterstützt. Seid ihr mit ihm zufrieden?
Wir nennen es prosozial aktiv sein. Wir machen Charity und unterstützen Projekte. Die Politik in den USA ist ein ziemlich entmutigendes Spiel. Es ist schwer, einen Unterschied zu machen. Wir sind auf jeden Fall glücklich über Obamas Wiederwahl. Natürlich sind wir frustriert mit der eher schleppenden Entwicklung. Aber es gibt eine. Und ich glaube wirklich, dass Obama das beste für das Land ist. Er ist ein sehr fürsorglicher, intelligenter, passionierter afroamerikanischer Präsident und es ist wesentlich besser ihn im Amt zu haben, als so einen weiteren superreichen weißen Mann. Hoffentlich wird er in den nächsten zwei Jahren ein paar mehr gute und vorbildhafte Entscheidungen treffen und durchsetzen können. Besonders solche Hauptthemen wie die Health Care. Es gibt noch viel zu tun.

Zwei Jahre dafür sind ein sehr kurze Zeit …
Ja, es gibt noch viel zu tun. Und es wird noch schwieriger, wichtige Dinge zu entscheiden und anzugehen, wenn sich jeder nur Gedanken darüber macht, wie man wiedergewählt werden kann. Aber das ist das System – unser System, ist frustrierend. Wie werden sehen.

The National kommen im Juni nach Deutschland:

Sonntag 01.06.2014 – Mannheim Maifeld Derby Festival
Montag 02.06.2014 – München Zenith
Mittwoch 04.06.2014 – Hamburg Stadtpark Freilichtbühne
Donnerstag 05.06.2014 – Berlin Zitadelle Spandau  
Dienstag 10.06.2014 – Leipzig Parkbühne
Mittwoch 11.06.2014 – Köln Tanzbrunnen                                      


Wer sich schon einmal auf The National einstimmen möchte, kann hier in das Album „Trouble Will Find Me“ reinhören!


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