Di, 21. Mai 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Moonbootica

Ein Album wie ein Statement in fetten Großbuchstaben, nicht nur formal auch sprichwörtlich bold. Moonbootica veröffentlichen ihr neues Album „Shine“ und stehen PRINZ Rede und Antwort.

Die Wege zur Altersmilde torpedierend, erlauben sich Moonbootica im dritten Jahrzehnt ihrer Laufbahn den Luxus, kleingeistige Zweifel über Bord zu werfen und einfach »livin’ large like« alle Bescheidenheit fahren zu lassen. Ihr neues Album „Shine“ steht ab dem 13. Juni 2014 in den Regalen des Plattendealers eures Vertrauens.

Doch nicht nur optisch manifestiert sich die neue Leidenschaft für Pracht und Prunk in einer Lichtanlage, auch akustisch erstrahlt das Werk in verschiedenen Musikstil-Facetten. Das neue Cover (das erste in der Geschichte, mit dem wirklich ALLE Beteiligten zufrieden sind) und auch der gesamte Auftritt mit seinem klaren Bekenntnis zu einer Corporate Identity – All das könnte Zeichen von strategischer Unternehmensführung oder gar -planung sein. Aber beim zweiten Hinsehen wirkt das vermeintliche Unternehmenslogo eben doch eher wie das Zeichen einer Art Gang, die sich und all das Drumherum am Ende gar nicht so ernst nehmen möchte. 

Das erleben wir auch auf unserem Interview mit den beiden Hamburger DJ’s KoweSix und Tobitob. Wir trafen Moonbootica auf ein angenehmes Gespräch über ihre Entstehungsgeschichte, Musik und das Tourleben:

Ich freue mich immer wieder über den lässigen Style, den ihr mit Eurer Art, der Musik, den Videos und Euch selbst verbreitet. Ist es heutzutage leichter ein lockerer, arschcooler Poser zu sein oder war früher doch alles besser und unverbrauchter? 

Kowe: Weder noch. Also grundsätzlich betrachten wir uns erst einmal nicht als arschcoole Poser (lacht). Das Alter bringt natürlich eine gewisse Erfahrung und dementsprechend auch die Schlussfolgerung daraus mit und wir können uns heute natürlich ganz anders locker machen als noch vor 10 oder 20 Jahren. Früher war auch nicht immer alles besser – jede Zeit hat ihre Herausforderung. Ich möchte jedenfalls heute nicht nochmal 19 sein.

Ihr seid jetzt im dritten Jahrzehnt eures Schaffens – könnt ihr euch eigentlich noch riechen? Und wie steht’s nach all den Jahren mit der Gleichberechtigung? Wer ist bei euch für was verantwortlich, sowohl bei der Studioarbeit als auch an den Decks?

Kowe: Wir können uns natürlich noch riechen nach all den Jahren.  Wir haben so ein Feeling entwickelt wann wir uns gegenseitig Freiräume geben müssen. Das ganze hat natürlich auch mit ner Menge Respekt zueinander zu tun. Wir sind ja im Schnitt so 300 Tage im Jahr eng beieinander. Wir haben mittlerweile gut verstanden, wann man sich mal zurücknehmen muss, deswegen klappt das ganz gut. Grundsätzlich mögen wir uns auch, das hat sich nicht geändert (grinst). Was die Gleichberechtigung angeht: wir teilen tatsächlich alles ganz genau auf. Auch im Studio. Tobi ist der klassische Engineer, aber ansonsten sind wir in allen Schaffensperioden des Albums gleichberechtigt involviert. 

Wie ist denn die Aufteilung bei euch, was die musikalischen Einflüsse angeht? Kommt der Soul eher von Tobi, der mit seinem Fünf Sterne Deluxe-Background HipHop-Wurzeln hat? Und die Dance-Elemente dann mehr von dir, Kowe?

Kowe: Nee, das kann man so gar nicht auseinander halten. Lange bevor wir angefangen haben zusammen Musik zu machen, waren wir ja schon befreundet. Und ein grundlegendes Fundament dieser Freundschaft ist eigentlich der relativ ähnliche Musikgeschmack. Dementsprechend kann man so gar nicht sagen – das Eine ist der eher der Eine  und das Andere kommt vom Anderen. Es ist eigentlich von der Basis her ziemlich ähnlich. Natürlich hat der eine so seine Sachen, die der andere weniger gut findet, aber wir ergänzen uns da ziemlich ausgleichend.

Ihr spielt ja mittlerweile auch viele große, internationale Festivals rauf und runter. Was reizt Euch denn mehr – kleiner Club oder die große, hüpfende Masse?

Tobi: Das sind tatsächlich zwei unterschiedliche Paar Schuhe. Das eine ist mit viel Emotionen und viel Aufregung verbunden und bei Festivals hast du halt so viele Leute, das da eine Energie entstehen kann, die du sonst so nirgendwo anders zustande bekommst. Wenn die Welle von vorne zu einem rüberschwappt, das ist schon beeindruckend. Allerdings ist das alles etwas unpersönlich, denn in Clubs stehst du teilweise 50cm von der nächsten Person entfernt. Wir spielen ja auch in sehr kleinen Clubs. Da haben wir richtig Bock drauf, weil du eigentlich direkt neben den tanzenden Leuten stehst. Du bekommst sofort ein Gefühl dafür was da gerade Sache ist. Das ist beides sehr reizvoll. Aber ganz klar – unsere richtige Live-Show funktioniert nur auf richtigen Festivals, weil wir da mit 1,5 Tonnen Trucks voller Lichtshow ankommen.

Wie sieht es denn diesen Sommer mit Festival-Gigs aus bei euch?

Tobi: Das passiert dieses Jahr gar nicht so häufig. Wir sind diesen Sommer ungefähr neun Mal so richtig live unterwegs. Da spielen wir dann auch ausschließlich unsere Songs. Alle anderen Dates sind dann Club-Gigs, bei denen wir normale Sets spielen werden.

Ich packe meinen Plattenkoffer und nehme mit? – Was ist noch übrig geblieben vom analogen Zusammenstellen der Scheiben vor einem Gig? Nach welchen Kriterien stellt Ihr eure Sets zusammen?

Kowe: Wir stellen unsere Musik für einen Live-Gig seit Jahren so zusammen, wie wir es gut finden. Persönlicher Geschmack und Erfahrung kommen zusammen und geben uns vor dem Gig eine grobe Richtung. Wir sind ja quasi permanent zwischen den Stühlen – sowohl was die Produktion, als auch was das Auflegen angeht, weil wir so einen bunten Musikgeschmack haben.

Was war bis dato Euer längstes Set am Stück?

Tobi: Ich glaube wir haben mal knapp 9 Stunden am Stück in Köln gespielt. Das war in nem Club und eine verdammt lange Nacht.

Und wie erholt Ihr Euch nach Kräfte raubenden Abenden voller Action & Satisfaction?

Tobi: Da hilft das altbekannte Schlafen. Einfach nur schlafen.

Ihr seid einer der wenigen Acts der elektronischen Musikwelt, der sowohl kommerziell erfolgreich ist, als auch von der Szene akzeptiert wird. Ein oftmals schmaler Grat den man gehen muss. Habt ihr euch über dieses Thema überhaupt schon mal Gedanken gemacht oder macht ihr einfach euer Ding?

Kowe: Sowohl als auch. Wir machen uns natürlich schon auch Gedanken, weil wir die Welt gerne intensiv beobachten. Aber wir können und wollen uns nicht verstellen und haben ja auch eigentlich keinen Einfluss darauf ob wir akzeptiert werden. Wir halten uns weder an Underground noch an Kommerz – beides ist in uns. Das kann alles auch nur funktionieren, weil wir echt sind und uns auch so geben.

Features wie Redman oder Remixe für Robbie Williams, Skunk Anansie oder Faithless sprechen ein ziemlich breitgefächertes Publikum an. Heißt das ihr wollt auch mal poppiger und mainstreamorientierter auftreten?

Kowe: Erst einmal vorne weg: Was Kommerz oder Mainstream angeht: So lang man sich nicht verbiegt und unauthentisch wird, finde ich das Mainstream oder Kommerz kein negatives Attribut ist. Wenn jetzt jemand wie Skunk Anansie kommt und will einen Remix, dann fühlen wir uns natürlich in aller erster Linie geehrt. Da spielen solche Gedanken ja gar keine Rolle. Alles was wir machen ist 100% unsere Entscheidung und spiegelt das wider, was wir auch machen wollen.

Wie kommt das denn eigentlich, dass Leute wie DJ Koze, DJ Phono oder auch du, Tobi, früher HipHop gemacht haben und jetzt eher in Richtung elektronische Musik gehen?

Tobi: Das kann ich so bewusst gar nicht nachvollziehen, weil das auch kein geplanter Weg war. Das lief eigentlich alles parallel, während ich noch HipHop gemacht habe, habe ich angefangen elektronische Musik zu hören. Das ist dann irgendwann immer mehr geworden, bis es dann ungefähr gleich viel war. Wir haben dann in Hamburg angefangen eine Party aus dem Nichts zu stampfen, bei der wir ganz normal mit HipHop angefangen haben und dann langsam über TripHop und BreakBeats zu House und Techno gekommen sind. Daraus entstand dann die Moonbootica Idee! Wir wollten eine musikalische Reise durch alle Musikgenres – und das an einem Abend. Durch den Wechsel zur elektronischen Musik haben wir auch viele interessante neue und vor allem coole Leute kennengelernt. Wir konnten dadurch unseren Horizont erweitern. Trotzdem haben wir ja nie aufgehört HipHop zu hören und auch zu machen. Ich habe ja auch weiter HipHop produziert – dieses Jahr geht es übrigens mit Fünf Sterne Deluxe wieder auf kleine Festival-Tour. Wir wollten musikalisch einfach nur mehr kombinieren. Es gab jetzt keinen bestimmten Tag, wo es diesen musikalischen Übergang gab. Irgendwann habe ich eben mehr das Eine gemacht als das Andere. Was ich allerdings glaube ist, das Leute wie Koze, Phono oder ich in den 90er Jahren ein gewisses Gefühl von Freiheit erlebt haben, welches irgendwann Anfang der 2000er  flöten gegangen ist. Ein Gefühl deine musikalische Kreativität auch ausleben zu können. Das war irgendwie nicht mehr da. Irgendwann war HipHop einfach zu klein.

Wie verhält sich das bei eurem neuen Album „Shine“? Was können wir da musikalisch erwarten?

Tobi: Ihr könnt wieder eine interessante Reise erwarten. Es gibt wieder einige ruhiger Stücke. Es erwartet euch eine Mischung mit etwas HipHop, etwas Pop – also eine gesunde Mischung an Stilvielfalt gezogen von einem roten Faden. Das ist für uns auch ein neuer Schritt auf den wir uns freuen.

Kowe: Das Album ist einfach sensationell. 

Ihr wollt Moonbootica live erleben? Hier ein Überblick der Termine: 

Samstag 14.06.2014 – Ravensburg Kantine
Samstag 21.06.2014 – Hurricane Festival Scheeßel
Sonntag 22.06.2014 – Southside Festival Neuhausen
Freitag 27.06.2014 – Kiel Luna Club
Samstag 28.06.2014 – Songkran Festival Esslingen
Sonntag 06.07.2014 – Love Family Park 2014
Freitag 18.07.2014 – Deichbrand Festival Cuxhaven
Samstag 19.07.2014 – Regensburg Zuckerbrot & Peitsche
Sonntag 20.07.2014 – Sea You Festival Freiburg
Samstag 02.08.2014 – Nature One Kastellaun
Samstag 09.08.2014 – Sonne Mond Sterne Saalburg
Samstag 16.08.2014 – TagTraum Festival Lahr
Samstag 23.08.2014 – Echelon Festival 2014 Bad Aibling
Samstag 30.08.2014 – Luft & Liebe Festival Duisburg