Sa, 14. Dezember 2019 Uhr
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PRINZ unterwegs: Nos Primavera Sound 2014

Nicht nur in Barcelona gibt es ein Primavera-Festival, sondern auch im wunderschönen Porto im Norden Portugals. Ein Rückblick.



Das Primavera Sound in Barcelona ist bekannt für sein kolossal gutes Line-up und deshalb auch unter den Deutschen ein sehr beliebtes Ziel für Festivalfans. Was die wenigsten wissen: Seit ein paar Jahren gibt es ein Schwesternfestival in Portugal. Zwar kommen weniger Besucher und das Line-up ist etwas schmaler, doch wer in diesem Jahr zum Primavera nach Porto kam, konnte The National, Pixies, Mogwai, Midlake, Kendrick Lamar und viele andere Künstler sehen. Das ist doch was!

Allein Porto ist schon eine Reise wert. Portugals „Hauptstadt des Nordens“ liegt direkt am Douro, der im Westen der Stadt in den Atlantischen Ozean mündet. Hier gibt es eindrucksvolle Brücken (sogar eine von Gustave Eiffel!), Häuser mit hübschen Fliesenfassaden (viele!) und Portwein im Überfluss (lecker!). Es macht Spaß, die Stadt zu erkunden, mit der uralten Tram zu fahren, auf der Wiese am Torre dos Clérigos zu liegen oder in einem der unzähligen Cafés das Flair der Stadt mit Espresso und kleinen Leckereien wie Pastéis de Nata aufzusaugen.

Im Westen der Stadt, ganz nah an der Küste, liegt der Parque da Cidade – eine 83 Hektar große grüne Oase, die einmal im Jahr zum Festivalgelände für das Nos Primavera wird. Die Konzerte verteilten sich diesmal auf vier Bühnen.

Viele der Bands, die in diesem Jahr in Porto auftraten, gehören zu DEN großen Namen vergangener Jahrzehnte, wie etwa Pixies, Mogwai, Slint oder Spoon. Neben eben jenen gab es zahlreiche andere Höhepunkte.

Die Highlights

The National

Okay – es ist vielleicht wenig originell, einen der Headliner als Highlight des Festivals zu deklarieren, aber sorry: Die Jungs sind nun einmal einfach großartig! Und dass sie das nicht nur auf Platte sind, sondern auch live richtig gute Musik machen, haben sie in Porto eindeutig bewiesen. Es ist faszinierend, wie Sänger Matt Berninger mit seiner wundervollen Bariton-Stimme völlig in Emotionen vertieft und wie in Trance über die Bühne wandelt, um dann im letzten Drittel der Show sich völlig dem Publikum hinzugeben – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. In den hinteren Reihen sieht man ihn dann nicht mehr, sondern hört ihn nur gelegentlich nach Luft schnappen.

Slowdive

Slowdive gehören neben My Bloody Valentine und Ride zu DEN Shoegazing-Bands der frühen Neunziger. Die Briten 20 Jahre nach ihren letzten Konzerten in Originalbesetzung live zu erleben, ist sowieso schon etwas besonderes – aber es war auch richtig gut! Ist 1994 wirklich schon so lange her? Ihre Soundteppiche jedenfalls klingen noch immer gewaltig und fragil zugleich, die Gitarrenriffs und der Gesang klar wie eh und je. Schön!

Die Enttäuschungen

Haim

Man nehme drei eingebildete Rock-Gören, ziehe ihnen knappe Höschen an und lasse sie möglichst lassiv ihre Haare schütteln und auf Trommeln herumhauen: So in etwa lässt sich (zugegeben etwas zugespitzt) der Auftritt des Schwestern-Trios Haim beim Primavera in Porto beschreiben. Es scheint bei den Gigs weniger um Musik zu gehen, als viel mehr um Posing, um einen Gestus, um vermeintliche Coolness – ein Eindruck, den ich bereits im vergangenen Jahr während ihres Auftrittes beim Dockville Festival 2013 hatte. Nö, da falle ich nicht drauf rein. Ich höre mir „Falling“ und „Don’t Save Me“ künftig (wenn überhaupt) nur noch auf Platte an.

Sky Ferreira

Die 21-Jährige Sky Ferreira wurde vielerorts als große Electro-Pop-Newcomerin gehandelt – und es gibt in der Tat einiges über sie zu erzählen: Mit 15 wurde sie vom Label Capitol Records unter Vertrag genommen, in Großbritannien hatte sie mit „One“ bereits Charterfolg und ihr Song „Obsession“ wurde Teil des Soundtracks der Fernsehserie „Vampire Diaries“. Ihr Debütalbum „Night Time, My Time“ kommt unter Kritikern so gut weg, dass es erstaunlich ist, wie belanglos ihr Auftritt beim Primavera-Festival in Portugal war.

Fazit

Die Porto-Ausgabe des Primavera-Festivals lohnt sich, wenn einem Hurricane, Melt! oder selbst das große Schwesternfestival aus den Ohren hängen und man Lust auf etwas Neues hat. Aber vorsicht: Ein Blick auf’s Line-up lohnt sich. Wer in diesem Jahr nichts mit Altherren-Musik anfangen konnte, fand’s vermutlich weniger aufregend, denn junge, aufstrebende Bands waren kaum vertreten. Dafür aber ist das Publikum in Porto total entspannt und läuft nicht mit Bierhelm gröhlend durch die Menge. Wer Natas, Portwein und Atlantik nicht missen will, könnte alternativ das Optimus Alive ausprobieren, ein Festival in Lissabon mit Bands wie Interpol, MGMT, Foster the People, Bastille und The Lumineers.


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