Sa, 19. Oktober 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Afrojack

Er zählt zu den namhaftesten Künstlern der Electronic Dance Music: Afrojack freut sich bereits über einen Grammy und präsentiert nun sein Debütalbum.



Nick van de Wall hat es geschafft. Schon in jungen Jahren war er von Musik besessen und wechselte früh vom Piano zur digitalen Software Fruity Loops, die er bis heute benutzt. Er arbeitete hart und nutzte jede Chance, sein Können in diversen europäischen Clubs zu beweisen, auch versuchte er stets sich zu verbessern. Dieser starke Wille und ein ausgeprägtes musikalisches Talent machen ihn heute zu einem der populärsten DJ’s unter den Top 10 der Weltrangliste: Afrojack.

Afrojack begann seine Karriere mit einer Reihe von Veröffentlichungen, die ihm schnell einen Namen einbrachten. 2011 bereicherte er die EDM-Szene mit „Take Over Control„, einem weltweiten Club- und Charthit, der in den USA Platinstatus erreichte. Von dort kam seine Erfolgsgeschichte richtig in Fahrt.

Afrojack galt fortan als talentierter Produzent und Künstler, der sich durch einen ebenso vielseitigen wie kreativen Sound auszeichnet – und das ganz gleich, ob er Clubhits erschafft oder Remixes kreiert für so große Namen wie BeyoncéPitbull, Madonna oder sogar Michael Jackson.

Mit einzigartigen Stücken kommt Afrojack schnell zu Erfolg und stürmt die Charts. Heute ist er ein Act, der sich nicht mehr aus der elektronischen Musikszene wegdenken lässt. Im Laufe seiner Karriere hat der Grammy-Award gewinnende Produzent und DJ mit vielen Top-Musikern zusammengearbeitet. Weltweit gibt es nur zwei DJs, welche sich auf dem berühmten Walk Of Fame verewigen durften. Afrojack und David Guetta haben dort für immer ihren Handabdruck hinterlassen.

Nun hat er endlich sein eigenes Werk auf den Markt gebracht. Das Werk heißt „Forget The World“ – Endlich eigene Stücke, mit denen er sich musikalisch ausdrücken kann wie er will. PRINZ traf den DJ und Produzenten und wollte mehr über das Album, seine Zusammenarbeit mit Snoop Dogg und Sting, seine Erfahrungen in deutschen Clubs und den Erfolg an sich wissen. 

Nick, bisher hast du als Afrojack erfolgreich als DJ, Produzent und Remix-Artist gearbeitet. War die Arbeit an deinem Debut-Album „Forget the World“ etwas völlig Anderes?

Natürlich ist es anderes, weil man nicht nur einen Song macht, sondern quasi einen 85-minütigen Song. Wenn es einmal fertig ist, kann man es auch nicht mehr verändern. Du präsentierst dich selbst, gibst etwas preis und deswegen habe ich über zwei Jahre daran gearbeitet. Um sicher zu gehen, dass die Musik stimmt, dass der Vibe stimmt und dass alle Songs und Genres, die ich abdecken möchte, auf dem Album vertreten sind. Es war die Chance, meine Geschichte durch die Musik zu erzählen, was ziemlich cool war! Und das ist wahrscheinlich auch das Wichtigste wenn man es damit vergleicht, nur einen Song zu erschaffen.

Welche Bedeutung steckt hinter deinem Albumtitel „Forget the World“?

Es ist meine Botschaft an alle meine Fans und all die Leute, denen es bislang nicht möglich war, ihre Träume zu verwirklichen oder überhaupt damit zu beginnen, sie zu verwirklichen. Ich möchte, dass sie wissen, dass alles möglich ist – das einzige was sie tun müssen, ist zu vergessen, was andere Leute sagen oder denken. Nur dein Kopf und dein Herz müssen sich einig darüber sein was sie wollen und dann musst du es raus in die Welt tragen! So ging es mir als ich 15/ 16 war.  Ich habe die Schule verlassen obwohl ich es nicht wollte. Es hat sich angefühlt als ob es falsch wäre, weil es in der Gesellschaft üblich ist zur Schule und zur Uni zu gehen, um anschließend einen netten Job in einer Bank zu bekommen und so weiter. Eigentlich war es meine Großmutter, die mir klar machte, dass ich nie glücklich sein würde, wenn ich nicht das tue, was ich tun will und was mich glücklich macht auch wenn es Leute gibt, die es vielleicht für falsch oder uncool halten.

Hat dir diese Botschaft, die Meinung der anderen zu vergessen, auch schon selbst geholfen in deiner Karriere?

Als ich 15 war, entschied ich: „Ich werde DJ !“. Die Leute sagten: „Nein, wirst du nicht! Das ist so dämlich, du wirst niemals ein DJ sein!“ Und natürlich hat mich das beschäftigt, aber ab einem gewissen Punkt habe ich es einfach ausgeblendet. Ich begann durchzustarten und einfach nur Musik zu machen, zu arbeiten und zu lernen, in Clubs zu gehen und einfach aufzulegen. Ausprobieren – das ist der einzige Weg, es zu schaffen. Es spielt keine Rolle, ob du vor 100 Leuten spielst oder vor Tausenden, das einzige was zählt, ist dabei glücklich zu sein. In den kompletten letzten sieben Jahren war ich genauso glücklich wie zu Beginn meiner Karriere – es ist genau dasselbe Gefühl. Als mich das erste Mal jemand als DJ bezeichnet hat, war es etwas sehr Besonderes. Es hat mich wirklich stolz gemacht, es war ein unglaubliches Glücksgefühl. Ich bin ein DJ – das ist das einzige was zählt – und es spielt keine Rolle, ob ich um die ganze Welt fliege oder in einem Club auflege. Was immer du tust oder was immer du sein willst oder werden willst: du musst die Welt vergessen, und um die Welt zu vergessen, brauchst du mein Album (lacht). Nein, aber das ist die Botschaft dahinter.

Und hat dir diese Botschaft auch bei der Arbeit an deinem Album geholfen?

Um diese Art von Musik zu erschaffen, musste ich die Welt für eine Sekunde vergessen. Hätte ich das nicht gemacht, würdest du denselben Mist hören, den ich die letzten zehn Jahre gemacht habe, und das nur, weil das jeder mag. Natürlich sagen die Leute: „Mach einfach das, was du immer schon gemacht hast!“, aber wenn du darauf hörst was andere Leute dir sagen, dann würden die anderen Leute deine Musik machen. Darum ist der Sound komplett neu – er ist etwas verrückt und er beinhaltet verschiedene Genres. Einige würden ihn vielleicht sogar als experimentell bezeichnen und natürlich ist er das auf eine bestimmte Art und Weise auch, weil ich einfach keine Ahnung habe, ob ihn die Leute mögen werden oder nicht. Der Sound ist besonders, der Sound bin ich und er ist ehrlich! Ich denke, dass jeder in dieser Welt für sich selbst stehen und sich auf sein eigenes Leben konzentrieren sollte.

Auf deinem Album finden sich allerhand renommierte Gaststars, wie Wiz Khalifa, Snoop Dogg und Sting. Wie kam es zu diesen Zusammenarbeiten?

Das war ganz unterschiedlich – mit Wiz Kalifa war ich nicht mal im selben Studio. Die Zusammenarbeit mit Sting entstand durch einen gemeinsamen Freund – Martin Kierszenbaum – er spielte Sting den Song, den ich eigens für ihn geschrieben habe, vor und es hat ihm wirklich gefallen. Martin hat uns zusammen in ein New Yorker Studio gebracht, um den Song aufzunehmen. Das war ziemlich abgefahren. Es ist ein wirklich verrücktes Gefühl, wenn du neben Sting sitzt und deine eigene Platte mit ihm machst. Es ist so: „Ok! Das ist Sting! Ich muss etwas wirklich gut gemacht haben, wenn Sting mein Song gefällt!“ Mich kümmert es nicht so sehr was andere Leute möglicherweise über den Song denken könnten. Sting liebt ihn, er kennt sich mit Musik gut aus und deswegen bin ich ziemlich glücklich damit.

Wie unterscheiden sich Musik-Star Afrojack und die Privatperson Nick van de Wall?

Ich bin jetzt schon so lange Afrojack, so viele Stunden am Tag, dass ich es irgendwie vergessen habe – vermutlich sind wir ein und dieselbe Person. Ich bin nur ein normaler Typ, so wie jeder andere auch. Ich bin in einer Kleinstadt aufgewachsen und habe aus dem einen Job gemacht, was mir Spaß gemacht hat. Wenn du ein früheres Interview von mir liest, würde es keinen wirklichen Unterschied geben – das bin immer noch ich. Ich bin stolz darauf, was ich gemacht habe, ich habe meine Leidenschaft zu meiner Arbeit gemacht und viele Menschen auf der Welt teilen dieselbe Leidenschaft, natürlich bin ich stolz darauf!

Hast du manchmal das Gefühl, dass Afrojack sich zu einer Marke entwickelt, die größer ist als du selbst?

Oft sehe ich mich selbst als Co-Manager von Afrojack. Es ist nicht etwa wie: „Yeah, ich bin Afrojack!“ Nein, ich bin Nick van de Wall, und ich habe Afrojack erschaffen und ich erschaffe Musik. Aber die Idee und die Marke Afrojack und das, was es für eine Menge Leute bedeutet, ist weit größer als ich es bin.

Kam der Erfolg als DJ und Produzent für dich überraschend schnell oder kam er langsam genug, so dass du dich daran gewöhnen konntest?

Das Ganze hat ziemlich schnell größer geworden, aber schon direkt seitdem ich 2004 angefangen habe. In den folgenden Jahren – so mit 16 bis 18 – ist eigentlich nicht viel passiert. Ich habe in der Zeit in erster Linie Dinge ausprobiert, herum experimentiert, bis meine erste Platte rauskam und ich mehr und mehr Gigs gespielt habe. Ich kann mich noch gut an diese Zeit erinnern – jedes Jahr hat sich die Anzahl meiner Gigs verdreifacht und damit auch die Aufmerksamkeit der Leute. Als ich 2009 mit Facebook angefangen habe, hatte ich so ungefähr 100.000 Fans, ein Jahr später waren es bereits eine Million und ein weiteres Jahr später waren es drei Millionen. Jetzt sind es fast sechs Millionen und alles wächst immer noch weiter. Das ist gut so, denn ich hasse es, wenn die Dinge stagnieren. Ich hasse es, wenn ich einen Gig spiele und sechs Monate später ist es immer noch die gleiche Musik. Für mich ist es wichtig, dass sich alles weiterentwickelt, verstehst du? Darum mache ich all diese Interviews, bin ich ständig im Studio, um neue Sounds zu finden und neuen Kram zu machen und alles voranzutreiben. Wie auch bei diesem Album – ich habe die letzten sechs Monate daran gearbeitet, aber ab der Veröffentlichung versuche ich quasi nur noch Remix-Versionen der Original-Songs zu spielen, um das nächste Level zu präsentieren. Ich will, dass die Leute überrascht sind von dem was ich tue, will Dinge machen, die keiner von mir erwartet. Es ist eines der schönsten Gefühle wenn Leute sagen: „Oh mein Gott, dass hätte ich niemals erwartet!“

Da du schon deine vielen Remixe ansprichst für Künstler wie Madonna, Beyoncé, Will.I.Am, Pitbull oder Leona Lewis. Lernst du diese Künstler persönlich kennen oder läuft das alles rein geschäftlich über Plattenfirmen und Labels?

Man trifft viele Leute bei den Award Shows – ich habe Paul McCartney ein paar Mal getroffen; Diana Ross letztes Jahr. Eigentlich habe ich jeden Künstler getroffen, den du erwähnst und das ist wirklich cool! Sie kennen dich, weil du die Remixe für sie gemacht hast – wir haben zusammen abgehangen oder einen gemeinsamen Song gemacht.
Aber das Remix-Business ist meistens vom Label gesteuert, die fragen einen Remix an – das ist dann das übliche Geschäft. Aber wenn ich den Künstler mag und der Künstler es selbst will oder den Song mag, yeah, dann mache ich das natürlich! Über die Jahre habe ich auch einige Remixes umsonst gemacht.
Ich mag einige der Leute, die bei den Plattenfirmen arbeiten, aber wenn es darum geht, dass sie dir sagen was du tun sollst, dann reicht’s auch mal. Das ist wirklich schon einmal passiert. Die meisten Leute, die die großen Künstler managen, behandeln die kleinen Künstler wie Dreck. Es ist eine gute Sache, wenn man größer wird und dieses Spiel nicht mehr spielen muss. Ich liebe es, die Regeln zu brechen!

Wie gefällt Dir das deutsche Publikum?

Die letzte Show, die ich in Deutschland gemacht habe, war vor vier Jahren im Halo in Hamburg für ungefähr 400 Leute und es war verrückt! Die Leute sprangen umher, nach dem Motto „Oh my God, this is ganz geil! Supergeil! Er ist eine gute DJ!“. Das war ziemlich cool!

Übrigens: Gemeinsam mit anderen DJ-Kollegen ist Afrojack auch auf der Tomorrowland-Compilation „Music will unite us forever“ zu hören. Das jährlich in Belgien stattfindende Open Air Dance-Festival „Tomorrowland“ gehört zu den beliebtesten Festivals der ganzen Welt. Das Who’s Who der Szene dreht hier an den Turntables voll auf und sorgt dafür, dass die Tickets binnen weniger Stunden ausverkauft sind. Wer nicht vor Ort sein kann, träumt sich mit den Tracks der größten Top-DJs einfach dortin. Auf drei CD’s hört ihr neben Afrojack auch Armin van Buuren, Cosmic Gate und Hardwell. Die Compilation wird als Deluxe-Mediabook präsentiert, welche die 10-jährige Festivalgeschichte eindrucksvoll mit Fotos visuell festhält. Die Veröffentlichung steht für den 25. Juli an.

Tracklist (Auszug):
– Afrojack – Faded
– Afrojack feat. Wiz Khalifa & Devin Cruise – Too Wild
– Afrojack – Musician
– Afrojack & Matthew Koma – Keep Our Love Alive
– Afrojack feat. Snoop Dogg – Dynamite
– Afrojack and Steve Aoki feat. Miss Palmer – No Beef


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