So, 20. Oktober 2019 Uhr
Prinz.de  ›  Musik  ›  PRINZ im Interview: Mya Audrey

PRINZ im Interview: Mya Audrey

Als Kind begann Mya Nydegger sofort zu tanzen und zu singen, wenn sie Musik hörte. Mittlerweile tanzen andere zu ihrer Musik. Ihr aktuelles Album „Wayfaring Trails“ ist der beste Beweis.



Ihre Eltern – der Vater, ein grosser Jazzfan und die aus England stammende Mutter – erkennen sehr früh eine Begeisterung für die Musik und animieren und unterstützen Mya Audrey bereits seit ihrer frühsten Kindheit auf ihrem Weg.
 
Inspiriert durch Künstler wie Erroll Garner, Ella Fitzgerald oder Nat King Cole und auch Soul-Größen wie Stevie Wonder, Marvin Gaye oder Lenny Kravitz begann sie sich bereits im Alter von 13 Jahren für Jazz und Pop zu interessieren. Ein Jahr später spielte Mya bereits in ihrer ersten Band. Sehr früh war klar – Musik ist ihr Leben und liegt ihr im Blut.
 
Im Sommer 2002 schloss sie mit einem Doppeldiplom in Klavier und Gesang an der Hochschule der Künste Bern ab. Während ihres Studiums besuchte sie diverse Workshops und nahm an einigen Wettbewerben teil, u.a. an der First Vocal Competition in Montreux unter dem Patronat von Quincy Jones.
 
Mit ihrer Band Mya N veröffentlichte sie 2001 ein Jazz-Album. Doch Mya wollte mehr. Nach einigen EPs und dem Vorgänger Sudden Breeze fing sie 2011 an, Erlebnisse aus ihren Reisen und Tourneen in Songs zu packen. Auf der Suche nach einem passenden Produzenten stiess sie in Berlin auf Luk Zimmermann, Gitarrist und Gründungsmitglied von Lunik. Er ist nicht die einzige neue Komponente. Auch der Sound hat sich verändert. Weg vom Jazz hin zur Popmusik.
 
Die elf neuen Songs tönen erdiger als die Lieder des Debütalbums. Nicht zuletzt dank der Gitarrenklänge von Luk. Da und dort eine Violine oder ein Cello, geblieben ist aber auch das für Mya Audrey typische Klavier. 
 
Im Zuge der Across Berlin Open Air Gigs war Mya nun in Deutschland um das Publikum für sich zu gewinnen und die Musikbranche verstärkt auf sich aufmerksam zu machen. PRINZ nahm das zum Anlass und traf Mya Audrey auf ein Gespräch:
 

Du hast zum Anfang deiner Karriere schon einmal ein Album unter einem anderen Namen aufgenommen. Wie kam es das du dir dann einen neuen zugelegt hast?

Ich habe damals ein Jazz-Album gemacht und um eine klare Trennung des Projektes von meinem jetzigen aufzuzeigen, war es besser meinen Namen nochmals etwas anzupassen. Mya und Audrey sind meine beiden Vornamen, also mussten wir gar nicht weit suchen.

Gab es dann auch einen musikalischen Stil-Wechsel?

Ganz genau. Ich bin mit dem neuen Album klar weg vom Jazz zum Singer/Songwriter Pop.

Du gehörst zu der Künstlerriege, die gerne Songs mit Tiefe schreibt. Denkst du es gibt heutzutage zu viele „oberflächliche“ Songs?

Ich würde es so sagen: ich bin von der Sorte, die es tiefsinnig mag. Natürlich verstehe ich, dass ein leichtverständlicher Text für viele schneller zugänglich ist. Ich verurteile es also nicht, habe aber für mich einen anderen Anspruch.

Deine Musik hat sehr viele jazzige Einflüsse. Was inspiriert dich beim Songschreiben?

Naja, der Jazz ist halt in meinen Wurzeln. Mich inspiriert am meisten das Leben, die Geschichten von den Menschen, meine eigene Gefühlswelt und die Verarbeitung meiner Reiseerlebnisse und persönlichen Begegnungen. Stilistisch inspirieren mich natürlich auch andere Singer/Songwriter und Bands, aber auch Literatur und Poesie. Ich bewundere nach wie vor den Jazz, der einem Künstler viel Freiheit zur Eigeninterpretation lässt. In den Texten wird oft mit wenigen Worten viel ausgedrückt.

Was hörst du privat gerne für Musik? Ist da Jazz auch dein Favorite?

Ich höre nach wie vor Jazz, aber bin stilistisch sehr offen. Im Moment sind Feist, Monsters Of Men, Aimee Mann, Justin Currie, London Grammar und Beck gerade meine liebsten Platten.

Dein Vorgänger-Album „Sudden Breeze“ wurde von dir alleine produziert. Dein aktuelles Album „Wayfaring Trails“ entstand dank Crowdfunding und wurde ohne Major-Label-Background veröffentlicht. War das nicht eine riskante Vorgehensweise?

Nein, ich würde sagen, das ist eine gerade sehr übliche Vorgehensweise. Viele Songwriter wählen diesen Weg, da die wenigsten gleich einen Major-Deal haben. Dieser Weg lässt Dir auch viel Raum für Deine eigenen Ideen und Vorstellungen. Ich habe ja dadurch dann auch ein internationales Label gefunden hier in Berlin.

Hast du das Album auch wieder im Alleingang produziert, so wie beim Vorgänger „Sudden Breeze“?

Nein, dieses Mal habe ich mit einem Produzenten Team zusammen gearbeitet: Luk Zimmermann, Dave Muther und ich sind ein sehr gut harmonisierendes Trio.

Erzähl mir mehr über den Albumtitel! Was hat dich inspiriert?

Wie ich bereits erwähnte, inspirierten mich beim Schreiben die Erlebnisse und Begegnungen von meinen letzten 3 Jahren, als ich viel im Ausland gespielt habe. Es sind gesammelte Geschichten, quasi ein Reise-Tagebuch oder eben die Fusspuren der letzten Jahre, mal meine, mal diejenigen einer anderen Person, die mich während  diesem Zeitraum begleitet hat. Deswegen „Wayfaring Trails“ (Reisespuren/Fusspuren).

Du bist ja in verschiedenen Formationen unterwegs. Mal solo, mal mit sparsamer Begleitung, mal mit einer kompletten Band. Suchst du selbst die Abwechslung oder willst du einfach dem Publikum verschiedene Seiten von dir zeigen?

Es ist definitiv beides. Außerdem ist es auch rein platztechnisch gut, wenn man in verschiedenen Varianten auftreten kann. Das ist selbst für meine treuen Fans immer wieder eine Überraschung und auch angenehme Abwechslung um die Songs neu zu entdecken.

Wann können wir dich denn verstärkt auf deutschen Bühnen bewundern?

Ich hoffe, sehr, sehr bald. Nebst dem schönen Erlebnis der Tour bei „Across Berlin“ hoffe ich, auch bald einen grössere Fanbase in ganz Deutschland aufzubauen und ein unterstützendes Booking zu finden, das mir hilft eine Tour auf die Beine zu stellen.

Wie sehen deine weiteren Zukunftspläne aus. Willst du den internationalen Markt erobern?

Als erstes wäre es mein Ziel hier in Berlin und in weiteren Städten in Deutschland vermehrt auftreten zu können. Natürlich würde ich mich sehr freuen, wenn sich auch in ganz Europa Auftrittsmöglichkeiten ergeben und meine Musik sich dadurch verbreiten kann. Durch den Sommer durch werde ich an neuem Material arbeiten, damit das nächste Album nicht zulange auf sich warten lässt. Ich freue mich auch schon wieder auf die Zeit im Studio. Das ist meistens die kreativste Zeit bei der Entstehung eines neuen Albums.

Hier könnt ihr in das aktuelle Album „Wayfaring Trails“ reinhören!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.