Mo, 21. Oktober 2019 Uhr
Prinz.de  ›  Musik  ›  PRINZ im Interview: Killerpilze

PRINZ im Interview: Killerpilze

Mit einer Crowfunding-Kampagne brachen sie einen deutschlandweiten Rekord – nun veröffentlichen die Killerpilze eine Dankeschön EP!



Die Killerpilze sind unterwegs. Letztes Jahr veröffentlichten Mäx Schlichter, Jo und Fabian Halbig ihr sechstes Studioalbum „Grell“. Neben einer Tour mit über 70 Konzerten in Europa und Festivalauftritten, wie beim „Rock am Ring“ oder beim „Nova Rock Frequency“ standen die Killerpilze nie still und arbeiteten an neuen Ideen.

Ein neues Album ist im Anmarsch. Das ist an sich erst einmal nichts Besonderes, haben die Killerpilze bereits sechs musikalische Arbeiten veröffentlicht. Doch das neue Projekt, welches für Anfang 2015 auf dem Plan steht, hatte dann doch etwas Besonderes! Ende April beendeten die Jungs erfolgreich ihr Musik-Crowdfunding „Zum KP der guten Hoffnung“, bei dem sie gemeinsam mit ihren Fans 75.000 Euro sammelten. Das ist übrigens ein stolzer Rekord – so viel Geld wurde bisher noch von keiner deutschen Band gesammelt. In nur 75 Tagen schossen sie über ihr Ziel von eigentlich 55.000 Euro hinaus und wurden von ihren Fans damit mehr als überrascht.

Als Vorbote für das neue Album und als Dank für die erfolgreiche Kampagne präsentieren die Killerpilze nun vorab fünf neue Songs im Rahmen der „Postkarten EP“. Diese kann seit dem 05.06.2014 kostenlos über die bandeigene Homepage heruntergeladen werden. Die Songs schlagen eine Brücke zum Vorgängeralbum „Grell“ und der in den Startlöchern stehende neue Platte. Eine Weiterentwicklung findet gerade statt – die ehemaligen „BRAVO“-Lieblinge sind erwachsen, haben mehr Selbstbewusstsein und einige Erfahrungen gewonnen. Nun stehen sie vor der Herausforderung, sich vor Kritikern und Fans neu zu beweisen. Die Crowfunding-Kampagne beweist, das die Fans noch immer auf ihrer Seite stehen – und die „Postkarten EP“ beweist den Kritikern, das die Killerpilze auf einem neuen Pfad sind, der sie sortiert und energetisch wie nie zuvor auf eine neue Ebene bringt.

Wir trafen die Jungs auf ein kurzes Gespräch:

Im einem Eurer Songs heißt es: „In irgendeiner Haltung suchen wir Halt“. Besingt ihr dabei ein Grundgefühl der Jugend, das ihr auch in euch selbst gefunden habt?
Ja, denn gerade in der heutigen Zeit, wo wir manchmal das Gefühl haben, dass alles nur noch nach Stechuhren laufen kann, angefangen vom Schulsystem, über Mitstudenten, die ihre ganze Jugend verplanen, bis hin zu einem Job, in den sich manche flüchten, ohne dass sie überhaupt schon wissen, was sie eigentlich wollen, finden wir, dass es wichtig ist, sich mehr Zeit für die Suche seiner Haltung zu geben. Für uns persönlich ist das die Musik und der Ausdruck von dem, was wir sagen wollen durch die Musik. In unseren Texten versuchen wir oft einfach die Rolle der Beobachter einzunehmen. Es gibt so viele Eindrücke in unseren Leben: Durch unsere Freunde, durch flüchtige Bekannte usw. Da bleibt viel hängen, was in Worte gefasst werden kann.

Habt ihr im Laufe der Zeit eine andere Haltung eingenommen – insbesondere zur Musik und zum Musikbusiness?
Wir sind auf jeden Fall deutlich professioneller und erfahrener geworden. Wenn man so will sind wir seit 11 Jahren im Musikbusiness und haben alles miterlebt, was man miterleben kann. Die „auf – dem -Fußboden – durch – die – Juze – Tour“, der große Hype, die Trennung von der Majorplattenfirma, die Gründung unserer eigenen Plattenfirma und jetzt dieses Jahr die Erfolge mit Rock Am Ring und Frequency-Festival, einer positiv kritisierten Platte. Es gehört viel Einsatz, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen dazu. Wir kennen zum Glück sehr viele Leute, die aus dem Business kommen und wirklich sehr große Unterstützer sind, gleichzeitig können wir mittlerweile ganz genau einschätzen, wer nur da draußen rumläuft und große Versprechungen macht. Wir sind sehr skeptisch geworden. Lieber lassen wir alles in unserem eigenen Team, haben die volle Kontrolle und können genau steuern, wie alles laufen soll. 

Wie viel Energie musstet ihr aufwenden, um das typische Klischee-Bild der Teenie-Band „Killerpilze“ aus den Köpfen der Mithörer und Zuschauer zu bringen bzw. wolltet ihr das überhaupt?
Wir hatten sicher eine Phase, in der wir das versucht haben. Genauso schnell haben wir aber gemerkt, dass das keinen Zweck hat und der einzig richtige Weg der ist, dass man gute Platten veröffentlicht, live besser ist als alle anderen und weitermacht. Und das tun wir. Wir sind überzeugt von unserem Können und finden nach wie vor, dass wir sehr unterschätzt sind. Aber gleichzeitig fühlt es sich sehr gut an, dass die „Killerpilze 2013/2014“ cool in den Augen der Indie-Zuhörerschaft werden. Das macht Spaß zu sehen. Die Teenie-Band-Phase gehört aber unbestritten zu uns dazu und wir stehen dazu. Es war eine aufregende Zeit und unvergleichbar, diese Erfahrungen machen zu dürfen. Jetzt ist aber eine neue Zeitrechnung angebrochen und wir sind die erste Band in Deutschland, die mit konsequenter Arbeit den Wandel schafft. 

Ihr wart als Killerpilze Ende des ersten Jahrzehnts der 2000er sehr erfolgreich. Die Industrie begann zu der Zeit Einbußen hinzunehmen, aber häufiger als heute gab es noch große Absatzzahlen. Nun verlagert sich viel vom physischen Produkt hin zu Downloads und Streams, Musik wird faserig, Singles spielen in der jungen Zielgruppe eine größere Rolle als Alben. Wie bewertet ihr diese Entwicklung, wo seht ihr Potenziale, wo Probleme?
Wir sind in dieser Sache relativ entspannt. Musik muss sich verbreiten, um Gehör zu finden. Zum Glück gibt es bei unseren Zuhörern sehr viele Menschen, die einfach Bock auf wertige Produkte haben, z.B. Special-Editions vom Album mit dickem Booklet, Bonusmaterial, etwas zum Anfassen. Und dann gibt es natürlich wahnsinnig viele junge Menschen, die einfach Musik konsumieren. Möglichst schnell, auf dem Handy, immer verfügbar. Das machen wir ja genauso. Für diese Menschen sind Streaming-Portale wie Spotify eine Wahnsinnssache. Warum auch nicht? Hauptsache, man hat Spaß am Musik hören und bekommt Lust, auf das Konzert einer Band zu gehen. 

Vom typischen “brotlose Kunst” über großen Erfolg und eurem Fehlen am Mittagstisch, weil ihr in der Weltgeschichte unterwegs wart, bis hin zur Entscheidung ein eigenes Label zu gründen: Welche Rolle spielen eure Eltern in eurer Bandgeschichte?
Unsere Eltern waren und sind immer noch ein großer Rückhalt. Am Anfang dienten sie als Fahrer, später als Berater, dann als schlechtes Gewissen, als es um den Schulabschluss und die Ausbildung ging und jetzt sind sie einfach sehr wichtige Kritiker und Zuhörer für uns. Außerdem tanzen unsere Mütter krasser als es jeder Fan tut 😉 Wir sind sehr dankbar, dass sie immer das richtige Maß gefunden haben, uns einfach machen lassen und nie so etwas wie Druck aufgebaut haben. Musik soll Spaß machen und das haben wir immer so vermittelt bekommen. Abgesehen davon sind natürlich die Plattensammlungen ein unendlicher Fundus an Inspiration: Queen, Bruce Springsteen, Pink Floyd, die Beatles, Led Zeppelin. Wir hatten Glück! 


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.