Mi, 16. Oktober 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Deine Lakaien

Vier Jahre nach ihrem Erfolgsalbum „Indicator“ melden sich Deine Lakaien mit einem neuen Album zurück. PRINZ traf die legendäre Formation auf ein Gespräch.



Vor vier Jahren veröffentlichten Deine Lakaien ihr letztes Studioalbum. Doch weg waren sie nicht wirklich! Ihre Akustiktournee durch Deutschland ist mittlerweile Kult und eine gute Möglichkeit altbekannte Songs im neuen Gewand zu präsentieren. Doch nun sind sie zurück!

Mit „Crystal Palace“ feiern Deine Lakaien das mittlerweile zehnte Studioalbum und knüpfen als gänzlich elektronisches Werk wieder mehr als zuvor an die musikalischen Anfänge der Erfolgsband an. Auch wenn die legendäre Formation um Ernst Horn und Alexander Veljanov bei der Produktion des Albums auf Gastmusiker verzichtete, gearbeitet wurde wie eh und je: Von der anfänglichen Idee über die handgemachten Sounds bis hin zum fertigen Master – Deine Lakaien produzieren stets selbst und in Eigenregie. Die Texte der Songs sind weniger politisch, kleiden aber nach wie vor tiefgründige Themen. Eine ganz eigene Welt, in der neben Schwere und Nachdenklichkeit auch Hoffnung existiert. Und oft übersehen: wohl dosiert auch Ironie. Dass diese autonome Arbeitsweise nicht nur eine starke Kontinuität und eine gewisse Eigenständigkeit zur Folge hat, sondern vielmehr als Grundstein für den ausnahmslosen Erfolg des avantgardistischen Duos angesehen werden kann, bestätigt nicht zuletzt die knapp 30-jährige Bandgeschichte.

PRINZ wollte mehr über die Entstehung des Albums wissen. Was liegt da näher als die Band für ein Interview zu treffen:

Apropos Interviews: Ich hab mir in den letzten Tagen mal ein paar durchgelesen und da kam immer wieder die Frage auf, ob und wie ihr euch nach der langen Zeit noch für ein Album motivieren könnt. Ich hab, ehrlich gesagt, damit gerechnet, dass ihr hoch motiviert seid, denn das wart ihr in der Vergangenheit immer nach außergewöhnlichen Touren oder der Arbeit an Soloprojekten. Wie war das beim aktuellen Album?

Das lief eigentlich genau wie bei den anderen Alben. Es ist einfach schön so ein lang anhaltendes Projekt, so eine lange Bandgeschichte zu haben. Kein Verschleiß, kein Dauer-Produzieren und, wie du eben schon erwähnt hast, viele andere Projekte, die man eben nicht gemeinsam macht. Es ist ganz gut mal den Abstand zueinander auszunutzen. Man kann dann wieder viel produktiver arbeiten, als Bands, die im Jahresrhythmus Alben produzieren. Wir haben uns im Vorfeld besprochen was wir weiterführen können, was man anders machen könnte und vor allem auch anders machen sollte. Diesmal war mir auch klar, dass wir unglaublich viele Ideen haben. Das zeigt sich auch ganz deutlich daran, das wir eigentlich dieses Mal, bei unserem 10. Studioalbum, soviel Material im Studio aufgenommen haben,  dass es letzten Endes für uns schwer war, aus über zwanzig Titeln zehn für das Album auszusuchen. Ist eigentlich ein netter Luxus! Wir haben somit eine Auswahl aus typisch oldschool-orientierten Lakaien Songs und neueren Aspekten.

Müssen denn die Fans große Veränderungen bei „Crystal Palace“ hinnehmen? Ihr geht ja wieder mehr als je zuvor an die musikalischen Anfänge zurück.

Sagen wir es mal so: Als Elektronik-Duo in den 80ern gestartet und heute auch wieder in der typischen Produktionsweise des Albums gelandet, ohne das man auf die gleichen technischen Begebenheiten zurückgreifen konnte oder musste. Damals haben wir noch Songs auf einer 8-Spur-Bandmaschine aufgenommen. Die Synthesizer waren analog und alt. Vor allem heutzutage ist ja ein Boom der 80er Jahre zu spüren. Viele Künstler greifen auf den Sound der alten Instrumente zurück und versuchen sie zu rekonstruieren. Wir mussten einfach nur die alten Kisten wieder anschalten und nicht auf den Vintage-Ersatz zurückgreifen. Das klingt alles vielleicht nicht ganz so elektronisch – meiner Meinung nach ist der Sound des Albums auch ziemlich warm und nicht dienlich des Klischees der Elektronik. Das Album ist allerdings komplett elektronisch entstanden, ohne das andere Musiker beteiligt waren. So haben wir eigentlich seit  1996 nicht mehr im Studio gearbeitet. Im Grunde ist es eine Art der Vergangenheitsreise. Andererseits sind doch viele  Einflüsse unserer letzten Arbeiten eingeflossen. Wir haben uns ja auch weiterentwickelt. Das ist eine interessante Mischung geworden. Quasi das Beste aus den vielen Jahren Deine Lakaien, zu einem neuen Ganzen zusammengebaut.

Mich interessieren die neuen Aspekte und die Überraschungen. Haben die Erfahrungen mit den damaligen Akustik-Auftritten Einfluss auf die Arbeitsweise am neuen Album genommen.

Ja natürlich. Da geht man an die Schnittstellen – an die tiefen Schichten der eigenen Substanz. Man weiß was man von seinem Partner erwarten kann und erwarten muss und noch rauskitzeln kann. Das ist das beste Zeichen, das ein Projekt am Leben geblieben ist und nicht nur aus Macht der Gewohnheit und reinen finanziellen Aspekten am Leben gehalten wird.  Stichwort Rolling Stones: Wenn man schon nicht mal mehr in einem Flugzeug zusammen fliegen möchte, dann frage ich mich wozu man überhaupt noch zusammen auf der Bühne steht.

Wieso funktioniert das Duo Ernst/Horn so gut? Weil es musikalisch und menschlich einfach passt?

Definitiv. Es ist aber auch unser Projekt als Ganzes – auch unser Bandname. Deine Lakaien sollte ja damals ausdrücken, dass man mit den Pop-Bands der 80er nichts zu tun haben möchte. Das ist natürlich auch mit einem Augenzwinkern zu sehen – wir sind das Gegenmodell der sogenannten Popstars, mit dem Jetset-Getue und so. Wir wollten uns einfach nur musikalisch dem Publikum präsentieren und ein wenig gegen den Mainstream schwimmen. Das wird natürlich nicht immer ganz verstanden. Nichts desto trotz ist die Einstellung geblieben, das man dankbar ist für das Talent das einem mitgegeben wurde.

Zum Thema Mainstream: Habt ihr festgestellt, dass sich das Publikum generell – besonders aber bei den Akustikkonzerten – über die Jahre verändert hat? Piano-Musik erfreut sich ja generell immer größerer Beliebtheit, so dass man vermuten könnte, dass vielleicht sogar ganz andere Leute zu diesen Konzerten kommen.

Ich denke als wir Anfang der 90er unsere ersten Konzerte gespielt haben, waren wir absolutes Underground-Szene-Thema und haben auch in dementsprechenden Clubs unsere Konzerte gegeben. Das war die damals dann sehr aktive deutsche Post-Punk-Underground-Szene. Mit unseren Akustik Konzerten und der Orchester Tour haben wir natürlich gemerkt das wir auf einmal, auch durch die Spielstätten, ein anders Publikum bekommen haben. Das ist nämlich ein großer Unterschied. Wenn du jetzt in den Docks in Hamburg spielst oder in einer anderen Livehalle oder dann eben im Gewandhaus in Leipzig spielst, hast du natürlich im Vorfeld bei der Ankündigung schon Unterschiede in den Medien, die dein Konzert ankündigen. Und so ändert sich dann auch dein Publikum. Hinzu kommt das wir teilweise schon zwei Generationen auf unseren Konzerten haben. Das ist natürlich das Beste Kompliment das man kriegen kann – weil das ja auch heißt, das wir immer noch den Zeitgeist treffen und auch die nächste Generation ansprechen.  

Geht ihr mit dem neuen Album auch wieder auf Tour?

Wir gehen natürlich auf Tour und spielen auch auf einigen Festivals. Das geht bis ins nächste Jahr rein – darauf freue ich mich schon sehr.

Es gibt ja auch viele Musiker, die ihre Songs während ihrer Tourneen schreiben. Wie ist es bei Dir, legst du bei Ideenblitzen munter drauf los oder machst  du dir  Notizen für später?

Das hat sich während der Jahre verselbstständigt. Das sind meist aber immer die ruhigeren Momente wo die Ideen fließen. Auf Tour ist man in einem Stand-By-Modus, weil der ganze Biorhythmus irgendwie durcheinander ist. Man muss schlafen, wenn man nicht schlafen kann. Wenn man müde ist, darf man nicht schlafen, weil man gerade zu einem Termin oder einem Konzert gefahren wird. Man muss essen wenn man keinen Hunger hat. Wenn man Hunger hat gibt’s meistens nix mehr und wenn man eigentlich seine Ruhe haben will, muss man Interviews geben (lacht). Man ist da in einem ganz anderen Modus, muss sich mit den anderen arrangieren, muss aufpassen das man nicht krank wird. Man ist damit beschäftigt seine Stimme zu schonen, damit die ja durchhält und bloß nicht versagt.  Da bleibt nicht viel Zeit zum Songschreiben. Ich bin dann nicht offen für das Kreative. Es kann beim Soundcheck schon mal passieren, dass man eine Idee bekommt, aber das sind dann Sachen, die man sich für später merken kann.

Der Ausgleich ist dann aber sicherlich die Energie, die man auf der Bühne spürt, wenn man vor so vielen Deine Lakaien Fans steht oder?

Ja natürlich. Das sind unvergleichbare Momente. Der Austausch der Musiker mit dem Publikum, das sind Erinnerungen, von denen man noch zehrt, wenn man mit den unschönen Dingen des Business konfrontiert. Das ist halt eben auch Business und ein Teil des Ganzen!

Kannst du dir vorstellen, Deine Lakaien noch 20 weitere Jahre lang durchzuziehen?

Das wird biologisch nicht mehr machbar sein.

Und wenn es möglich wäre?

Sicher, wenn man zum Beispiel einen Leonard Cohen sieht, der mit 80 noch auf der Bühne steht und noch immer unterhaltend aktiv ist und die Leute auch unterhalten kann, dann ist das schön und erstrebenswert. Aber man sollte schon wissen, wann es an der Zeit ist, sich den privaten Dingen zu widmen. Es gibt ja auch genügend Beispiele des Fremdschämens, wo das Altwerden vor Publikum schon fast peinlich wird. Es gibt eben auch zu viele, die das Scheinwerferlicht nicht missen wollen aber eigentlich nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Das will ich nicht. Also warten wir einfach die Zeit ab.

Begleitet wird das neue Album von einer ausgedehnten Tournee durch Deutschland, Österreich und der Schweiz. Gestartet wird am 26.09.2014 in Hamburg. Dabei werden sie diesmal wieder mit Bandbegleitung auf die Bühnen gehen. PRINZ präsentiert Deine Lakaien in folgenden Städten:

Freitag 26.09.2014 – Hamburg Große Freiheit 36
Samstag 27.09.2014 – Dresden Alter Schlachthof
Montag 29.09.2014 – München Theaterfabrik
Mittwoch 01.10.2014 – Frankfurt am Main Batschkapp
Donnerstag 02.10.2014 – Filderstadt FILharmonie
Freitag 03.10.2014 – Freiburg im Breisgau Jazzhaus
Samstag 04.10.2014 – Köln Live Music Hall
Sonntag 05.10.2014 – Berlin Huxley’s Neue Welt
Donnerstag 27.11.2014 – Saarbrücken Garage
Samstag 29.11.2014 – Nürnberg Löwensaal

Tickets und weitere Infos findet ihr hier!


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