Di, 21. Mai 2019 Uhr
Prinz.de  /  Regional  /  PRINZ im Interview: Jürgen von der Lippe

PRINZ im Interview: Jürgen von der Lippe

Wenn einer weiß, wie und was er sagen soll, dann der Meister des geschliffenen Satzes – Jürgen von der Lippe. PRINZ sprach mit dem Comedy-Urgestein!

Auch nach mehr als 40 Bühnenjahren kann er uns immer noch mit seinen humoristischen Glanzstücken, seinen subtilen Sprachspielen und seinem grandiosen Wortwitz überraschen und begeistern. Jürgen von der Lippe geht mit einem neuen Bühnenprogramm auf Tour. 

„Wie soll ich sagen…?“ heißt das gute Stück und verrät bereits im Titel die grobe Richtung – unsere Sprache mit all ihren Tücken, Fallstricken und Möglichkeiten sich zu blamieren ist das Hauptthema. Aber natürlich taucht der gesamte Freundeskreis wieder auf: Peter Maffay, Udo Lindenberg, Kalle und vieles mehr können Freunde des gepflegten Humors erwarten. Auch das Saxophon, Lippes neue Liebe, wartet auf seinen Einsatz. Es wird gezaubert, gewitzelt und viel geblödelt. Alles in guter alter Jürgen von der Lippe Manier!

Viel muss man über den Alterspräsidenten der deutschen Comedy nicht mehr sagen. Jeder kennt ihn und seinen „Blumenmann„. Jeder ab 30 kennt noch die Kult-Sendung „Geld oder Liebe?“. PRINZ hatte die Ehre und traf ihn auf ein Gespräch unter vier Augen. Alles über das neue Programm, die Anfangszeiten, das Fernsehen und die deutsche Sprache:

Herr von der Lippe – Ich bin ja mit ihren Shows aufgewachsen. Sie haben mich mein bisheriges Leben immer irgendwie begleitet. Ich erinnere mich da auch gerne an „Geld oder Liebe?“. Als Musik-Fan fand ich ja auch immer die langen Monologe voller spezieller, verrückter Fakten wahnsinnig cool. Gern unterbrochen mit dem Satz „…aber das wissen Sie ja alles!“.

Wobei man da nicht vergessen darf, dass  ich eine lange Umbauphase zu überbrücken hatte. Das Problem war einfach, das der WDR keine Drehbühne hatte. Wenn ein Spiel zu Ende war, wurde aufgebaut für den Musik-Act und das wurde dann liebevoll verkauft. Das hat sich als Kunstform verselbstständigt.

Schauen Sie mit Wehmut auf diese Zeit zurück?

Nein, ich habe alles richtig gemacht. Jetzt macht der WDR eine Jubiläumssendung, was ich persönlich sehr schön finde. Wir werden dort natürlich auch ein wenig ironisch zurückblicken. Aber Wehmut spielt da keine Rolle.

Vor 40 Jahren hatten Sie im Berliner Folklore-Club „Go In“ Ihren ersten Bühnenauftritt. Können Sie sich noch an die Gage erinnern?

Zu den ersten Auftritten gab es erst einmal gar nichts. Das war sozusagen mein Probeauftritt. Danach gab es dann 5 Mark und zwei Freibier.

Sie haben Philosophie und Germanistik studiert, wollten nach dem Studium Journalist werden…

Ursprünglich ja. Es gab ja damals diese ganzen Medienberufe noch nicht. Man bekam meist empfohlen: „Studiere ein geisteswissenschaftliches Fach deiner Wahl, welches dir Spaß macht und dann guckst du weiter!“. Als Wissenschafts-Journalist wäre ich in der Naturwissenschaft gelandet und da bin ich ja, wie so viele andere Künstler auch, eine komplette Null. Ich habe dann angefangen in Berlin auf Lehramt zu studieren. Als ich dann alles für die Prüfung zusammen hatte, sagte man mir „April April – Mit deinen Nebenfächern ist das ist hier nicht Lehramtsfähig!“. Also hätte ich ein anerkanntes Nebenfach nachstudieren müssen oder nach Nordrhein-Westfalen zurückkehren, was sinnlos gewesen wäre, weil es keine Referendarstellen zu der Zeit gab. Also hab ich mir gesagt: „Dann war das jetzt ein Gottes Urteil und ich werde Künstler!“. Ich konnte ja damals schon prima leben von der ganzen Geschichte.

Trotz dieses Vorhabens beim Studium sind sie also als Komiker auf der Bühne und im Fernsehen gelandet. War das eigentlich immer schon ein geheimer Wunsch?

Das Fernsehen ist so eine Geschichte, die kriegt man angeboten und auch wieder weggenommen. Das habe ich mir vorher eigentlich nicht vorgestellt. Mein Beruf, das habe ich ja auch oft genug betont, ist die Bühne. Ich habe nie etwas anderes gewollt, als mit meinen Sachen auf die Bühne zu gehen und mir ein Stammpublikum zu erarbeiten. Das habe ich geschafft. Fernsehen habe ich trotzdem immer gerne gemacht. Ich habe mir ja auch nur das ausgesucht, was mir Spaß macht. Ich habe über die Jahre mehr Sachen abgelehnt als angenommen. Heute verschiebt sich das alles ein bisschen auf das Schreiben und auf meine Lese-Touren. Ich mache jetzt parallel seit einiger Zeit auch solche Touren, um aus meinen Büchern zu lesen. Im Januar kommt ja mein mittlerweile dreizehntes Buch heraus. Da soll es dann auch langfristig hingehen. Die Lese-Touren sind einfach nicht so stressig, wie auf der großen Bühne zu stehen. Der Auftritt als solcher kostet einfach nicht soviel Kraft. Das Schöne ist auch, man kann einen Text, den man abends geschrieben hat, am nächsten Tag zur Diskussion stellen und testen ob der was taugt oder nicht.

Die Sprache steht ja auch in ihrem neuen Programm an oberster Stelle. Was können wir von der Show erwarten? Ein neuer Trend zur deutschen Sprache?

Das ist natürlich kein Lehrprogramm. Es gibt natürlich einen Aufhänger: sprachliche Phänomene der verschiedensten Art. Letztendlich ist es eine Abfolge von Stand-Up Monologen, Parodien aber auch viel Neues, was ich bisher so noch nie gemacht habe. Ich hole mir zum Beispiel Leute auf die Bühne und mache mit ihnen kleine Sprachspiele. Das macht tierisch Spaß. Ich spiele auch Saxophon auf der Bühne und veranstalte ein Musikquiz. Für Abwechslung wird also gesorgt sein.

Sind sie selbst Sprachpurist und stören sich am „Denglisch“ oder anderen regionalen Feinheiten?

Goethe hat da etwas Wunderbares gesagt: „Die Macht der Sprache besteht nicht darin, das sie abweist, sondern das sie verschlingt.“ Das ist ein sehr wahres Wort. Unsere Sprache ist ja ein Sammelsurium von Lehnwörtern. Früher haben wir uns Wörter aus dem französischen, englischen oder griechischen bedient, heute ist es hauptsächlich das Englisch als Weltsprache. Aber wir exportieren ja auch Wörter in alle Herrgotts-Länder und es bleiben auch Wörter auf der Strecke. Ich finde auch vieles, was die Jugendsprache heutzutage hervorbringt, ungeheuer fantasievoll und habe überhaupt nichts gegen grammatische Anglizismen oder dergleichen.  Der Duden ist ja nur eine Bestandsaufnahme dessen, was die Mehrheit spricht. Eigentlich kann doch jeder machen was er will. Das wird ja mittlerweile auch schon so im Fernsehen übernommen.

Wo wir wieder beim Thema Fernsehen sind: Sie haben vorhin die Jubiläumssendung im WDR angesprochen. Gibt es eigentlich weitere Fernsehpläne?

Ja klar! In diesem Halbjahr bin ich auch im Fernsehen gut beschäftigt. Ich mache vier Sendungen. Zum einen die Jubiläumssendung für den WDR, für den RBB eine Silvestersendung und dann gibt es wieder, was mich sehr freut, zwei Sonderausgaben meiner Buch-Sendung. Da freue ich mich natürlich sehr. Ich habe ja nie die Hoffnung aufgegeben, dass das wieder weiter geht.

Sind Sie privat überhaupt Fernsehgucker?

Ja, aber ich bin da sehr selektiv. Ich gucke zum Beispiel sehr wenig Live-Sendungen. Ich schaue mir im Vorfeld sorgfältig das Programmheft an, dann nehme ich mir einen Film oder eine Dokumentarsendung auf und kann in Ruhe, meist in den ersten 10 Minuten, entscheiden ob das etwas für mich ist oder nicht. Wenn ich mal etwas live gucke, dann sind es Talk-Shows oder einen Comedy-Nachwuchs-Wettbewerb oder so etwas in der Art.  

Sie sind 66 Jahre geworden. Verändert sich eigentlich Humor mit dem Alter?

Nein, Humor als solcher, der verändert sich nicht. Es verändern sich die Umstände. Ich habe ja in meiner Karriere so einiges miterleben dürfen. Ein schönes Beispiel ist, das man heutzutage in sekundenschnelle jede Information, die man haben will, abrufen kann. Jede Information. Das sind Dinge, die auf den Humorinhalt sehr stark Einfluss nehmen. Und auch der Tonfall hat sich über die Jahre verändert. Die Schamgrenze hat sich über die Jahre hinweg extrem nach oben bewegt.

Haben Sie beim Schreiben von Witzen auch manchmal das Gefühl, das diese noch in vielen Jahren funktionieren könnten?

Selbstverständlich. Es gibt so einige Sachen, die man sogar bei anderen dann wiederfindet. Ich hatte zum Beispiel einen Gag wieder aufgewärmt in einem Programm und finde den selben Gag bei Carolin Kebekus, natürlich etwas anders aufgelöst, aber es gibt eben Dinge, die sind so gut, wo es überhaupt keinen Grund gibt ihn nicht alle 20 Jahre wieder zu verwenden. Es gibt einfach auch so Lieblingsgeschichten bei jedem Kollegen, die einfach immer wieder kommen. Das fällt halt auch keinem auf, außer denen, die es intensiv verfolgen, ansonsten ändert sich ja in jeder Show das Publikum. Das kann man gut mit Kochrezepten vergleichen. Man benutzt ein Erfolgsrezept und verfeinert es. Wie sagt man so schön: Der Amateur kopiert – der Profi klaut.

Ihr wollt Jürgen von der Lippe live erleben? Kein Problem! Hier eine Auswahl der Daten:

Mittwoch 10.09.2014 – Magdeburg AMO
Mittwoch 17.09.2014 – Zwickau Konzert- und Ballhaus Neue Welt
Donnerstag 18.09.2014- Zwickau Konzert- und Ballhaus Neue Welt
Freitag 19.09.2014 – Bischofswerda Kulturhaus
Samstag 20.09.2014 – Riesa Stadthalle Stern
Sonntag 21.09.2014 – Riesa Stadthalle Stern
Dienstag 23.09.2014 – Dresden Alter Schlachthof
Mittwoch 24.09.2014 – Dresden Alter Schlachthof
Donnerstag 25.09.2014 – Dresden Alter Schlachthof
Dienstag 14.10.2014 – Potsdam Nikolaisaal
Mittwoch 15.10.2014 – Potsdam Nikolaisaal
Dienstag 21.10.2014 – Halle (Saale) Steintor Varieté
Mittwoch 22.10.2014 – Halle (Saale) Steintor Varieté
Donnerstag 23.10.2014 – Leipzig Haus Auensee
Freitag 24.10.2014 – Leipzig Haus Auensee
Samstag 08.11.2014 – Mainz Phönix Halle
Donnerstag 13.11.2014 – Stuttgart Theaterhaus
Samstag 15.11.2014 – Karlsruhe Kongreß- und Ausstellungszentrum
Mittwoch 03.12.2014 – Duisburg Steinhof
Sonntag 08.02.2015 – Kiel Metrokino im Schloßhof
Dienstag 17.02.2015 – Berlin UdK Konzertsaal Hardenbergstraße
Mittwoch 18.02.2015 – Berlin UdK Konzertsaal Hardenbergstraße
Donnerstag 19.02.2015 – Berlin Universität der Künste
Donnerstag 19.03.2015 – Bitterfeld P-D Kulturpalast

Alle Tourdaten, Infos zum Programm und weitere Neuigkeiten zu Jürgen von der Lippe gibt es hier!

Tickets und weitere Infos bekommt ihr hier!