Fr, 6. Dezember 2019 Uhr
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PRINZ im Interview: Tim Vantol

Folk trifft auf Country und Punk – dass das eine bezwingende Kombination sein kann, beweist der sympatische Nierderländer Tim Vantol. PRINZ traf ihn auf ein Gespräch!



Eine akustische Gitarre, Reibeisenstimme, eingängige, fast hymnenhafte Songs, die er in Punkmanier herauspresst, dazu eine ursympathische Bühnenausstrahlung mit hohem Unterhaltungswert – kein Wunder, dass Tim Vantol nicht nur in seiner niederländischen Heimat auf dem Weg nach ganz oben ist.

Tim Vantol legt in diesem Jahr gefühlt in jedem Club der Welt an, um neue Passagiere auf seine Folk-Punk-Kreuzfahrt mitzunehmen. Das ganze geht wahlweise mit und ohne Band, aber definitiv immer mit Vollbart, Schmackes und allerorts begeisterten Zuschauern.

Klarer Fall: Dieser Mann hat seine Hausaufgaben gemacht, diverse Entertainment-Flaschen in sich reingeschüttet und bleibt dennoch stets auf Augenhöhe mit seinem Publikum.

„Understatement“ nennen das die einen, „ehrlich“ sagen die anderen dazu. Egal, welchen Namen man dem Kind gibt: zwingend ist das allemal, denn Tim Vantol ist ein mitreißender Sympath vor dem Herrn, der einem so ziemlich alles verkaufen könnte. Sein neues Album zum Beispiel. Das ist nämlich ganz fantastisch geworden und klingt mit vollem Band-Einsatz in Songs wie dem Titeltrack „If We Go Down, We Will Go Together“ ebenso erdig und rund wie in dem kompletten nackten a-capella-Finale „Before It All Ends“

Tim Vantols Lieder sind geprägt von Durchhaltewillen und Mitgefühl, von Standhaftigkeit und Würde, vom Wunsch nach Veränderung und vom guten Geist der Gegenkultur. Dem jungen Musiker, der mit Fünfzehn begann, Gitarre zu spielen, gelingt es, mit einfachsten Mitteln großartige Musik zu machen. Musik war auch unser großes Thema beim Interview. Wir trafen den sympathischen Niederländer auf ein Gespräch unter vier Augen:

Wie alt warst du eigentlich als du mit der Musik angefangen hast?

Ich habe mit 15 Gitarre spielen gelernt. Ich war auf der Suche nach einem neuen Hobby und hatte die Schnauze voll von irgendwelchen Sport-Clubs. Meine Mutter hat ihre alte Gitarre, die sie nie gespielt hat, vom Dachboden geholt und sie mir geschenkt. Damit hat dann alles begonnen. Ich wusste noch nicht wie man darauf spielt und meine Eltern dachten, es wäre sicherlich nur ein kurzweiliges Interesse. Doch glücklicherweise lagen sie falsch. Ich habe es von Anfang an geliebt!

Heutzutage ist die Musik dein Leben und, natürlich, auch dein Job. Hattest du auch mal einen „normalen“ Job oder hast du dein Leben auf die Musik ausgelegt?

Ich habe viele viele verschiedene Sachen ausprobiert. Allerdings habe ich schnell gemerkt, das ich nicht der Typ dafür bin jeden Tag das Gleiche zu machen und das an einem Ort, vielleicht sogar über viele Jahre hinweg. Das ist so gar nichts für mich. Musik war da die beste Lösung. Vor ungefähr fünf Jahren habe ich dann also mein „normales“ Leben aufgegeben und das gemacht, was ich immer tun wollte. Und das ist auf Tour zu sein und meine eigenen Songs zu spielen. Das hätte ich mir nie träumen lassen, dass ich das auch nach fünf Jahren noch immer mache.

Du kommst aus den Niederlanden, lebst aber in Deutschland. Gibt es eigentlich einen Unterschied zur Punk-Rock-Szene in den beiden Ländern? Können die beiden Länder etwas voneinander lernen – in musikalischer Sicht?

Nun…zu allererst der größte Unterschied: Die Punk-Rock-Szene in Holland ist sehr sehr klein. Das kann man eigentlich schlecht mit der in Deutschland vergleichen! Wir haben zwar einige sehr gute Bands, aber ich denke, dass man generell kein Land in Europa mit Deutschland vergleichen kann, wenn es um Musik, Shows und Zuschauer geht. Ich liebe Deutschland!

Was liebst du denn so sehr an diesem Land?

Deutschland ist Musik, Deutschland weiß, wie man Shows und Musik macht. Die Leute wollen auch auf Konzerte, egal wie viele sie bereits gesehen haben oder wie weit entfernt die Show ist. Sie wollen einfach den Künstler unterstützen und Teil dieses Gefühls sein. Ich liebe dieses Land so sehr, ich spiele hier am liebsten. Das sage ich jetzt natürlich nicht, weil ich mit dir spreche. Das sage ich auch in Interviews mit anderen, vor allem aber meinen Landsmännern. Die könnten die Art und Weise Musik aufzuziehen ruhig mal kopieren (lacht).

Du tourst ja ganz schön viel. Wie regelst du das mit deinem Privatleben?

Ich mach das nun mal als Fulltime-Job und das kostet viel Zeit. Es ist schwer das Privatleben mit der Arbeit zu kombinieren. Aber dafür bekomme ich soviel zurück, das einen weiter voran treibt und weitermachen lässt. Das touren ist auch der härteste Part am Job. Man vermisst eine ganze Menge und verliert auch vieles. Man hat nicht mehr so viel Zeit für Freunde und so. Viele gehen, einige unterstützen dich. So ist das Leben. Glücklicherweise unterstützen mich meine Familie und meine Freunde. Ohne sie, würde ich das alles nicht machen können!

Gibt es eigentlich einen Ort, wo du noch nie gespielt hast und gerne mal spielen würdest?

Da hast du ja etwas angesprochen…(lacht). Ich würde gerne noch so viele Orte sehen und dort spielen. Ich liebe es, neue Orte, neue Leute und ihre Kulturen kennen zu lernen. Das erfrischt mich jedesmal aufs Neue. Wir haben einige Pläne für neue Städte, aber das ist alles noch in Arbeit.

Auf Tour passieren dir sicherlich auch einige verrückte Sachen…

…oh ja. Eine Menge Sachen, Tonnen an verrückten Geschichten. Gute, schlechte und auch schlechte, die sich dann wieder in gute verwandeln. Am besten du verfolgst das auf meiner Internet-Seite. Da gibt es einiges zu lesen!

Hast du ein paar Reisetipps? Wohin sollte man mal unbedingt reisen?

Spring einfach ins Auto und fahre in ein anderes Land. Das ist der beste Tipp, den ich dir geben kann! Triff dich dort mit Einheimischen, rede mit ihnen. Das ist die beste Erfahrung, die du je machen kannst. Jedes Land hat ihre eigenen Geschichten und Schätze. Ich bin, zum Beispiel, dankbar in Russland gewesen zu sein. Dort ist einfach eine andere Welt. Ich würde da keinen Urlaub machen wollen, aber es war wahnsinnig spannend das Land kennenzulernen. In den Städten ist das ja alles noch „normal“, aber in den Dörfern gibt es kaum Internet oder es funktioniert so langsam wie zu Anfangszeiten. Ich bin ein Typ, der sich schon zu Hause über eine langsame Verbindung aufregt. Dann herrschen zum Teil auch Temperaturen von -50 Grad. Zu Hause denkt man, dass einem schon bei -1 Grad der Arsch abfriert. Trotzdem sind die Leute dort sehr offenherzig und wollen mit einem alles teilen. Was Landschaften angeht, genieße ich es nach Österreich, in die Schweiz, nach Schweden oder nach Nord-Spanien zu fahren!

Lass uns mal wieder ein wenig über die Musik sprechen. Wie würdest du Leuten, die noch nie vorher etwas von dir gehört haben, dein neues Album „If We Go Down, We Will Go Together“ beschreiben?

Eine Platte mit neun Songs, die mein Leben, meine Meinung und meine Sicht der Dinge wiederspiegelt. Hauptsächlich ist die Akustikgitarre mit meinen Vocals die Hauptzutat. Dazu gibt es eine Prise Band und Musik aus Punk, Rock und Folk. Das ganze vermischt und fertig ist das Album.

Mein Lieblingssong ist übrigens der Acapella-Titel „Before It All Ends“! Woher nimmst du deine Inspiration? Vor allem auch im Bezug auf das Vermischen der verschiedenen Genres!

Nun, die letzten 15 Jahre habe ich mich mehr mit Punkrock beschäftigt und ich glaube das hört man noch immer heraus. Heutzutage höre ich allerdings so viele Sachen an Musik. Ich mag zum Beispiel auch American Folk und Bluegrass und so. Mich kitzeln einfache aber ehrliche Songs. Das Radio ist voll von Hits und kurzlebigen Produktionen, die mag ich einfach nicht mehr hören. Natürlich mag ich auch einige davon, aber zum großen Teil ist das echt Schrott. Mich interessiert auch nicht wie gut jemand Gitarre spielt oder singen kann. So lange ich es fühlen kann und der Künstler seine Message rüber bringen kann, hat er mich verzaubert. Meine Songs entstehen eigentlich ganz natürlich. Erfahrungen, Familie, Freunde, allgemeines Zeitgeschehen…mich kann alles inspirieren.

Du wirst gerne mal „The Dutch Acoustic Punkrocker“ genannt! Aber was von beiden bevorzugst du überhaupt? Eine Acoustic Session oder lieber eine komplette Band und ordentlich Krach? 

Ich mag wirklich beides. Alleine zu spielen ist eine sehr persönliche Sache, vor allem wenn man die Session dann in einem kleinen Club oder in einer Bar spielen kann. Auf Festivals oder größeren Venues muss es einfach eine Band sein, die Krach macht. Das steigert die Energie, die ich von den Zuschauern bekomme. Da macht es dann auch mal Spaß zwischendurch ein bis zwei Titel akustisch zu spielen und dann wieder los zu legen. Ich bin glücklich beides machen zu dürfen.

Das neue Album von Tim Vantol „If We Go Down, We Will Go Together“ als Spotify-Playlist:


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