Fr, 19. Juli 2019 Uhr
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PRINZ im Interview mit Jan Delay über Kritiker, die ihn scheiße finden

Jan Delay geht mit seinem Album „Hammer & Michel“ auf Deutschland-Tour. Vorab verrät er im Interview, wie er mit schlechten Kritiken umgeht, was mit Hamburger Rappern los ist und Neues über die Beginner-Platte.



Für Nasalvirtuose Jan Delay war es mal wieder an der Zeit, was Neues auszuprobieren, denn der Hamburger langweilt sich ziemlich schnell. Also kam Anfang dieses Jahres keine Funk-Platte raus, sondern „Hammer & Michel“. Delays viertes Studioalbum ist ein Rockalbum. Mit dem Betritt des neuen musikalischen Territoriums kamen erstmals negative Kritiken. Im Interview mit PRINZ erzählt der 38-Jährige, warum es für ihn völlig ok ist, dass Kritiker ihn „scheiße finden“ und warum jeder seine gerechte Strafe erhalten wird. 


Wie kam es, dass du die Genres so gewechselt hast? Bist du früh plötzlich aufgewacht und hast gesagt: Ich muss was komplett Neues machen? 
Das hat sich irgendwie so eingeschlichen, fast schon wie ein Automatismus. Es hat schon damals mit dem Beginner-Album „Bambule“ angefangen – da haben wir auch schon sehr viel mit anderen musikalischen Stilen rumexperimentiert. Manchmal auch darunter gelitten, dass die Leute gesagt haben: „Das ist kein richtiger Hip Hop mehr“ (lacht). Dann hatte ich irgendwann nach diesem riesen Erfolg keinen Bock mehr und wollte mal was anderes machen. Also habe ich Reggae gemacht – das hat riesen Spaß gemacht, weil man bei Reggae auch so schön naiv an die Sache rangeht, wenn man nicht aus der Szene kommt. Man traut sich neue Dinge zu tun. Als Hip Hopper hätte ich bestimmte Dinge nie gemacht, weil ich von da komme, ich kenne die Codes und die Gesetze. Aber wenn man die nicht kennt, dann bricht man sie auch nicht, auch wenn man sie bricht – weil man ja nicht weiß, dass man sie bricht. Das macht so einen Spaß. Deshalb habe ich nach der Beginner-Zeit auch so Bock gehabt, mit einer Funk- und Tanzband zu spielen. Eine Band, die alles spielen kann – auch Hip Hop und Clubmusik. Das ist jetzt zu dem geworden, was man nun von Jan Delay kennt und weiß. Ich habe dann noch mal ’ne Platte nachgelegt. Aber danach war klar: Noch so eine mache ich nicht. Das ist langweilig, ich will wieder was Neues machen. Und so kommt man dann zur Gitarrenmusik. 

Was kommt als nächstes?
Als nächstes kommt mal wieder eine ganz konservativ richtig geile Rap-Platte mit den Beginnern.

Weißt du schon, wann die rauskommt.
Nein, das Album kommt, wenn es fertig ist (lacht).

Welcher Rapper gefällt dir zurzeit besonders?
Immer noch Marteria. Ich finde Celo und Abdi sehr geil. Ich feier Abdi ganz groß. Das sind im Moment meine drei Favorites. 

Auf deiner Facebook-Seite hast du den derzeitigen Hip Hop gefeiert und am Ende gefragt: „Hamburg, was los?!“ Was ist denn los mit Hamburg? Hast du es schon rausgefunden?
Das war ein impulsiver Post. Zurzeit gibt’s einfach nichts aus Hamburg, was mich so krass flasht, wie neue Rapper aus anderen Städten. Es gibt ein zwei, die ich gut finde und auch supporte, aber die haben nicht so ein hohen Output. Die schaffen es einfach nicht, ihren Arsch hochzukriegen und diszipliniert an neuen Styles zu feilen. Da ist der Output nicht so konstant – vielleicht meinte ich das auch so ein bisschen damit: „Ey Jungs, kommt mal an Start, was ist los – überall kommen neue Leute und ihr habt das Talent … los, macht euch mal grade und geht auch mal raus.“

Du äußerst dich auch politisch auf Facebook: Atomenergie, Homophobie, Rassismus … Siehst du das als deine Pflicht als Künstler, auch deine Meinung zu sagen?
Als Pflicht würde ja bedeuten, dass ich denke, dass jeder Künstler das tun müsste. Das finde ich nicht. Bei mir ist es so, dass ich selber von den Künstlern mit großen Idealen und Haltungen beeinflusst wurde. Bands wie Public Enemy oder Udo, Rage Against the Machine oder Beastie Boys. Das hat mir sehr viel gegeben und den Jan aus mir gemacht, der ich bin. Deshalb bin ich denen auch dankbar und ich als Künstler möchte das so weitergeben. Vielleicht kann ich damit auch jemanden ein paar gute Gedanken, Ideen oder Ideale mitgeben. Das wäre aber bescheuert und vermessen zu sagen, dass jeder das machen sollte. 

Aber dir ist es dann schon egal, was andere darüber sagen?!
Oh ja. Wenn ich nicht mit dem Echo umgehen könnte, was danach kommt … Weißt du, wenn man sich auf den Tisch stellt und da rumschreit, (lacht), da muss man auch damit klarkommen, dass irgendwelche Leute das nicht so sehen. Wenn man das nicht schafft, dann stellt man sich auch nicht auf den Tisch. 

Deine Kommentarleisten bei Facebook sind immer voll – auch mit negativen Kommentaren.
Ich frage mich oft: Woher haben die Leute überhaupt die Zeit für das ganze kommentieren? Sich dahin zu setzen und dann irgendwelche Sachen zu schreiben, und dann noch bei Bands, die sie bestenfalls sowieso scheiße finden. Mal abgesehen davon, dass sie denken durch ihre blöden Posts, Shitstorms und Kommentare irgendwelchen Einfluss auf die Künstler nehmen zu können – das ist doch schlimm. Letztendlich sind doch die Künstler die Künstler, weil sie ihr eigenes Ding machen. Das ist doch toll, dass es so ist. Wenn das nicht der eigenen Meinung entspricht, dann ist das auch gut, weil das Reibungen und Energie erzeugt, sonst wäre das doch alles langweilig. Deshalb verstehe ich nicht, was das alles soll. Die Leute sollten die Künstler einfach so machen lassen, wie sie möchten. Sie können sie ja dann einfach abstrafen, indem sie sagen: „Nö, das finde ich alles doof und deswegen höre ich nicht mehr die Mucke an und gehe nicht mehr zum Konzert.“ Aber bitte nicht im Internet die ganze Zeit immer rumphilosophieren und rumkommentieren. 

Bei deinem 4. Studioalbum „Hammer & Michel“ gab es zum ersten Mal schlechte Rezensionen. Juckt dich das? Warst du überrascht?
Überrascht war ich natürlich. Weil ich finde, dass das Album super, super derbe ist und ich feier „Hammer & Michel“ vollkommen ab. Das einzige, was mich daran nur genervt hat, war dass die meisten von denen das auf eine persönliche Ebene gebracht haben. Das hat mit einer objektiven Rezension nicht wirklich viel zu tun. Die meisten Verrisse, die kamen von Leuten, denen ich eh schon immer auf den Sack gegangen bin und die nie Bock auf mich hatten. Bei Rap, Reggae und Funk konnten sie halt nichts sagen, weil sie ja nicht von da kommen. Aber jetzt habe ich die Dreistigkeit begangen, mich in ihr Territorium zu wagen und jetzt krieg ich halt ’n paar aufs Maul. Das ist deren Meinung, ich habe meine. Und ich habe eine schöne geile Platte gemacht, und dadurch dass alles so gut läuft, ich auf den Festivals spiele und die Leute das abfeiern, ist mir das jetzt inzwischen auch egal. Es sind halt Schreiber und die Menschen auf der Straße sind etwas ganz anderes. Wenn ich in Hamburg war, kamen die Leute an und sagten, wie geil das Album ist. Und in dem Moment ist dann wieder alles gut. Jetzt ist eh alles gut. Aber ich glaube nach wie vor, dass diese Verrisse eher dem geschuldet sind, dass die ein Problem mit mir selber haben, dass die mich einfach scheiße finden. Und das ist ja völlig ok, ich finde sie ja auch scheiße (lacht). 

Da gab es auch diesen Ausverkauf–Vorwurf in dem offenen Brief beim Abendblatt?
Ja, der hat mich auch am meisten genervt. Weil der echt persönlich war. Der Typ schreibt für eine schnöselige Stadtzeitung für eine scheiß Kulturbeilage und stellt den offenen Brief ins Internet, um seinem journalistischen Profil eine Kante zu geben und ein bisschen Fame zu kriegen, und erdreistet sich, mir so einem Brief zu schreiben, obwohl er noch nicht mal die Platte gehört hat, nur aufgrund von drei Snippets vorab im Internet – Was ist los? Nee, also den kann ich nicht ernst nehmen. Wenn ich den mal irgendwo treffe, ey … (lacht). Ob ich ihn treffe oder nicht, der wird auf jeden Fall seine gerechte Strafe erhalten. Karma is a bad man (lacht).

 

Jan Delay Disko No.1 – Live 2014 

Mittwoch 24.9.2014 – Dresden Eventwerk
Donnerstag 25.9.2014 – Leipzig Haus Auensee
Freitag 26.9.2014 – Würzburg S.Oliver Arena
Samstag 27.9.2014 – Kassel Kongress Palais – Stadthalle
Dienstag 30.9.2014 – Freiburg Zäpfle Club in der Rothaus Arena
Mittwoch 1.10.2014 – München Zenith, die Kulturhalle
Donnerstag 2.10.2014 – Wien Planet.tt Bank Austria Halle Gasometer
Samstag 4.10.2014 – Neu-Ulm ratiopharm arena
Sonntag 5.10.2014 – Mannheim Maimarkthalle
Montag 6.10.2014 – Frankfurt Jahrhunderthalle Frankfurt
Dienstag 7.10.2014 – Bremen rÖVB-Arena
Donnerstag 9.10.2014 – Berlin Max-Schmeling-Halle
Freitag 10.10.2014 – Flensburg FLENS-ARENA
Samstag 11.10.2014 – Lingen EmslandArena
Sonntag 12.10.2014 – Hannover Swiss Life Hall
Dienstag 14.10.2014 – Stuttgart Hanns-Martin-Schleyer-Halle
Mittwoch 15.10.2014 – Dortmund Westfalenhalle 1
Donnerstag 16.10.2014 – Düsseldorf Mitsubishi Electric HALLE
Freitag 17.10.2014 – Hamburg o2 World Hamburg