Fr, 15. November 2019 Uhr
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PRINZ-Interview mit Beatsteaks über Mainstream und grausames Englisch

Die Beatsteaks gehen mit ihrem gleichnamigen Album auf Tour. Vorab sprachen wir mit ihnen über Punk und dümmer werdende Quatschköpfe.



Die Beatsteaks haben ihr mittlerweile 7. Studioalbum veröffentlicht. Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass der gewählte Albumtitel „Beatsteaks“ an Unkreativität nicht zu überbieten wäre. Doch weit gefehlt! Zum einen geht das Gerücht rum, dass die erste Wahl des Titels – „Thriller“ – schon vergeben war … Zum anderen braucht man als geneigter Musikliebhaber nur in die Platte reinhören und sofort erkennt eben jener, dass „Beatsteaks“ echt was kann. Nach diversen Festivalauftritten Ende des Sommers, einer kleinen Clubtour, die in den meisten Städten sofort ausverkauft war, beginnt nun die Arenen-Tour. Wir haben vorab mit Beatsteaks-Gitarrist Bernd Kurtzke gesprochen über die Abkehr einstiger Beatsteaks-Fans aufgrund des Mainstream-Vorwurfs, den wahren Grundgedanken von Punk und warum ihnen Erfolg manchmal einfach nur wurscht ist.

Nummer-1-Album
, die Medien feiern euch, dass ihr „auf dem Zenit“ angekommen seid … Wie hebt ihr bei diesem Erfolg nicht ab?
Der hat sich bei uns ja langsam entwickelt. Der kam nicht über Nacht, sondern wir haben uns langsam dran gewöhnen können. Außerdem haben wir alle auch noch ein Privatleben nebenher, mit Familie und Kinder. Und bei einem normalen sozialen Umfeld zu Hause, da fällt es eigentlich schwer, abzuheben. Keiner begreift sich jetzt von uns als Rockstar. Das sind so Klischees, die wir nicht bedienen können und wollen. Wenn das mal passieren sollte, gibt es immer noch vier andere, die sagen: „Ey, komm mal wieder runter! Es gibt keinen Grund zur Veranlassung.“ Dann ist auch alles wieder schick.

Ist das denn schon mal passiert?
Ich glaube, jeder von uns ist manchmal der Meinung, dass er auf einmal was ganz Besonderes ist. Aber dann entspannt man mal kurz und dann geht das alles wieder.

Hättet ihr Bock, auch international ein bisschen was zu reißen – gibt’s da Pläne oder Ambitionen, z.B. übern Ozean?
In Amerika selbst zu touren, um da irgendwann mal erfolgreich zu sein, ist erstens nicht unsere Art von Musikmachen. Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und ob der Erfolg kommt oder nicht, ist uns eigentlich relativ wurscht. Und zweitens, Amerika ist so groß, das hätte man machen können, als man 18 oder 19 war. Jetzt ist man aber mittlerweile schon Mitte 40 … das ist Quatsch, das bringt auch keine Punkte (lacht). Na ja, wenn irgendwann mal eine große Band XY kommt und sagt: Lasst mit uns auf Tour gehen, wir spielen hier jeden Tag in Arenen, dann würden wir sicherlich nicht nein sagen.

Welche Band z.B.?
Och, wenn jetzt die Foo Fighters anfragen würden … Aber wenn die Anfrage nicht kommt, ist auch niemand traurig.

Charts-Erfolge, ausverkaufte Clubtour, jetzt Arena-Tour – könnt ihr verstehen, wenn Fans der ersten Stunde das nicht so mehr cool finden?
In gewisser Weise schon. Ich war früher großer The Clash Fan und das Album „London Calling“ hat mir super gut gefallen. Irgendwann kamen die dann mit „Sandinista!“um die Ecke. Ich habe das am Anfang überhaupt nicht verstanden, wie jemand plötzlich so komplett andere Musik machen kann – in meinen Ohren. Ich habe erst viel später begriffen, dass das eigentlich jede Band so machen sollte, sich weiterentwickeln und nicht da stehen bleiben, und dieselbe Platte noch mal machen. Das begreifen die Leute mittlerweile auch. Und wer da am Ende sauer ist, dann kann ich nur sagen: Das ist totaler Unsinn, dann hast du die Band nicht verstanden. Oder auch: Mach es besser! Das sind meistens auch Leute, die gar keine Musik machen, die solche Aussagen treffen.

Frank Turner hat das auch mal gesagt, dass besonders die Punk-Fans es einem Künstler übel nehmen, wenn man in ein anderes Genre wechselt.
Ja, das stimmt auf jeden Fall. Wer so um die Ecke kommt, und mir so einen erzählen will, der hat den Grundgedanken nicht verstanden, worum es bei Punk geht – bei Punk geht es darum, dass man frei im Kopf ist.

20 Jahre – was ist das Nervigste an dem Geschäft, was das Coolste?
Das Coolste ist, dass man mittlerweile in einem Studio sitzen und sich Musik ausdenken darf, die man gerne machen möchte – das ist ziemlich cool (lacht) und ein ziemliches Privileg. Das Nervigste ist der Quatsch drumherum, der mit Musikmachen eigentlich nichts zu tun hat.

Wie z.B. Interviews?!
(lacht) Ja, aber das hat ja eigentlich was mit Musikmachen zu tun. Das ist was anderes. Wenn es ums Business und so einen Quatsch geht. Oder welche Posts man in der Veröffentlichungswoche machen muss, damit die Leute was mitkriegen. Das kann nervig sein. Nicht immer, aber manchmal schon sehr.

Du hast ja erwähnt, dass ihr mittlerweile Mitte 40 seid. Spielt das Altern bei euch eine Rolle?
Also auf Tour merken wir das schon. Auf jeden Fall mehr als vor 20 Jahren. Wir sind früher nach einem Konzert mit den Fans noch ein Bier trinken gegangen. Jetzt trinkt man halt Wasser. Weil es nicht anders geht. Aber das ist auch nichts Schlimmes. Ich empfinde das nicht als Verlust von irgendwas, sondern als Zugewinn. Mir ist es zehnmal lieber, mehr schlafen zu können – ich schlafe ziemlich gerne. Das ist eine Vorliebe, die sich auch erst im Alter ausgebildet hat (lacht). Man muss ein bisschen mehr auf sich achten. Bei jeder Tour hast du im Hinterkopf: Mensch, was macht die Familie in dem Moment?

Gerade im Video zu „Gentleman Of The Year“ sieht man, dass ihr irgendwie immer noch die Quatschköpfe von vor 15 Jahren seid, oder?
Klar. Das ist ja auch das Schöne. Wir sind ja auch Musiker und Leute, die gerne nicht ernst genommen werden wollen – jedenfalls nicht bierernst. Und das haben die Leute realisiert. Wir dürfen noch Kind bleiben und noch eine ganze Menge Quatsch machen. Das ist sehr angenehm.

Laut euch sind die besten Songs bereits geschrieben. Hat man dann eigentlich überhaupt noch Lust, Songs für ein neues Album zu schreiben?
Ja natürlich. Musik ist am Ende doch wie Knete. Auch wenn es schon ein Haus gibt, du kannst ja noch ein anderes Haus erfinden. Man kann so viel machen mit Tönen und Klängen. Das macht total Spaß. Wir müssen auf jeden Fall immer erst eine Platte machen, um auf Tour gehen zu können, weil wir dieses Album nicht 10 Jahre spielen werden. Das wird nicht passieren bei uns. Das ist uns zu langweilig. Deswegen brauchen wir immer wieder eine neue Platte. Aber das ist ja auch das Spannende, was man so zustande kriegt. Wir sitzen immer da und fangen an zu schreiben, und lassen uns treiben und gucken, wo wir landen. Wir haben da keinen großen Plan. Dieses Mal haben wir die Platte in 20 Tagen aufgenommen. Das ging so schnell. Ursprünglich wollten wir nur ein paar Demos aufnehmen – und plötzlich war das Album fertig. Da merkt man, dass doch noch so viel Distanz da ist, um vielleicht noch ein Album zu machen und noch eins und noch eins …

Euer Drummer Thomas hatte einen schweren Sturz. Wie hat diese Zeit, die Beatsteaks beeinflusst oder gar verändert?
Verändert? Die Beziehung zueinander hat sich noch einmal verändert. Auch die Beziehung zu dem eigenen Ich. Du hast verstanden, dass jeden Tag alles vorbei sein kann, wenn es ganz dumm läuft. Und du musst das Beste daraus machen, sich auch nur auf die Sachen zu konzentrieren, die einem wichtig erscheinen und die einem auch in einen Bandkontext wichtig erscheinen. Und das ist die Aufgabe, die man dann für sich hat. Vorher hat man eher in den Tag hinein gelebt, und dachte nicht, dass irgendwas mal eine Konsequenz hat. Aber in dem Moment muss man darüber nachdenken: Wie ist das denn jetzt, wenn er gar nicht mehr auf die Beine kommt? Was ist denn, wenn das Allerschlimmste eintrifft, dass er nicht mehr aufwacht? Diese Fragen mussten wir uns stellen. Und dann kommt die Antwort auch ganz schnell, nämlich: Ja, das wäre dann nicht mehr dasselbe, dann ist es vorbei! Das hat einen auch auf jeden Fall die Augen geöffnet. Ich glaube, das Album, was wir dann aufgenommen haben, war dann das direkte Ergebnis dieses Unfalls.

Aber Thomas geht’s jetzt wieder komplett gut?
Ja … ein bisschen dümmer als vorher … (lacht). Nein, es ist alles wieder gut!

Arnim hat mal gesagt, wenn er mit einer Platte fertig ist, hasst er die  grundsätzlich erstmal, weil sie einem alles abverlangt hat. Geht’s dir auch so?
Ich würde nicht sagen, dass ich deswegen eine Platte hasse. Aber ich brauche von dieser Platte auch etwas Abstand, weil man ein ganzes Jahr lang mit der eigenen Mucke verbracht hat. Dann kann man sie eine Zeit lang einfach nicht mehr hören. Nicht falsch verstehen. Das Album ist super und ich feier das auch total ab, aber man muss es auch dann erstmal beiseitelegen und es einen Monat lang nicht hören. Und dann höre ich es mir wieder an und es gefällt mir wieder richtig gut.

Hast du einen Lieblingssong auf dem Album?
Ja, elf. Ich mag wirklich alle Songs auf dem Album. Mir fällt wirklich nicht ein Titel ein, wo ich sage würde … obwohl … „Everything Went Black“ finde ich ziemlich geil. Es ist irgendwie so anders. Auch für uns neu. Ich mag den Song sehr.

Welchen Song findest du nach 20 Jahren nicht so mehr cool?
Na ja, es gehört ja irgendwie alles zu uns. Es gibt halt auf unserem ersten Album ein paar Songs, da waren wir von gutem Englisch weit entfernt, das war grauenhaftes Englisch, was wir da anbieten. Da sind halt wirklich ein paar grammatikalische Fehler in den Texten, wo ich mir heute die Hand vor den Kopf schlage und mir denke: Da hätten wir aber echt mal einen drüber lesen lassen sollen. Das würde ich heute auch nicht mehr machen. Aber das gehört irgendwie zu uns. So hat man halt angefangen.

Aber ihr wurdet trotzdem vom amerikanischen Label Epitaph Records gesigned.
Ja, das hat mich auch gewundert (lacht). Vielleicht fanden die das cool. Die wussten ja auch, dass wir eine deutsche Band sind. Ich will mal eine amerikanische Band sehen, die deutsch singt und von einem deutschen Label unter Vertrag genommen wird – das ist eher unwahrscheinlich.

Creep Magnet Tour

04.11.14: Siegen – Siegerlandhalle
06.11.14: Wien – Arena (AUSVERKAUFT!) 
07.11.14: Wien – Gasometer (AUSVERKAUFT!) 
09.11.14: Zürich – Volkshaus (AUSVERKAUFT!) 
11.11.14: Erfurt – Thüringenhalle 
12.11.14: Saarbrücken – E-Werk
14.11.14: Bremen – Pier 2 (AUSVERKAUFT!) 
15.11.14: Magdeburg – Stadthalle 
18.11.14: Köln – Palladium (AUSVERKAUFT!) 
19.11.14: Köln – Palladium AUSVERKAUFT! 
22.11.14: Leipzig – Arena 
23.11.14: Bielefeld – Seidenstickerhalle 
25.11.14: Dortmund – Westfalenhalle 1 
27.11.14: Berlin – Max-Schmeling-Halle (AUSVERKAUFT!) 
28.11.14: Berlin – Max-Schmeling-Halle (AUSVERKAUFT!) 
02.12.14: Hamburg – Sporthalle 
03.12.14: Hannover – Swiss Life Hall 
05.12.14: Bamberg – Brose Arena 
06.12.14: Göttingen – Lokhalle 
09.12.14: Münster – MCC Halle Münsterland 
11.12.14: Frankfurt/Main – Jahrhunderthalle (AUSVERKAUFT!) 
13.12.14: Stuttgart – Schleyer-Halle 
14.12.14: München – Zenith
16.12.14: Zürich – Volkshaus 

Hier könnt ihr euch „Beatsteaks anhören:


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