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PRINZ-Interview mit Milow

Wir sprachen mit dem belgischen Singer/Songwriter Milow im Interview über die Vergangenheit, die Zukunft und seine musikalische Entwicklung.



Er ist jung, bescheiden und äußerst talentiert. Milow, der Singer/Songwriter aus Belgien erreichte mit seiner Coverversion von „Ayo Technology“ im Jahr 2008 internationale Bekanntheit. Nach einer längeren Tourpause meldet sich der sympathische Sänger mit einem neuen Album und einer ausgedehnten Europatour zurück. 

Wie denkst du, ist deine musikalische Entwicklung zwischen deinem letzten und deinem aktuellen Album? 

Ich glaube, das letzte Album war sehr von meiner Zeit in den USA beeinflusst, wo ich nur Akustik- und Solokonzerte gespielt habe. Diesen Einfluss kann man hören, denn das Album „Silver Linings“ ist viel akustischer und enthält mehr Folk als das davor. In gewisser Weise geht es zu meinen Wurzeln zurück, zu meinen musikalischen Anfängen. Doch der entscheidende Unterschied ist, dass ich zeigen kann, wie sehr ich gewachsen bin, seit ich als Sänger, Musiker und Songwriter angefangen habe. Mein nächstes Album wird wahrscheinlich etwas vollkommen anderes sein, weil ich immer versuche, mir selber neue Chancen zu ermöglichen. Es ist großartig, dass ich den Leuten meine Veränderung zeigen kann, die ich während meiner Zeit als Musiker durchlaufe. Das wird auf dem Album reflektiert. Die nächste Platte kommt vielleicht nächstes Jahr oder in drei Jahren und wird wieder zeigen, wie viel ich mich seit „Silver Linings“ verändert habe. Für mich ist es ein toller Weg, meinen Wandel zu zeigen und zu erforschen.

Dein neues Album „Silver Linings“ stieg in den deutschen Album-Charts direkt von null auf sieben. Hast du damit gerechnet?
Als ich die Neuigkeiten erfuhr, war ich gerade unterwegs und ich muss sagen, es war ein besonderes Moment für mich, weil das Symbol viel wichtiger für mich ist als eine Nummer. Es ist das dritte Album, das es in die Top Ten in Deutschland geschafft hat. Es war so schön – weil als ich meinen Durchbruch in den USA mit „Ayo Technology“ vor fünf Jahren hatte, haben sich natürlich viele Menschen gefragt, ob ich vielleicht nur als One-Hit-Wonder enden würde. Ich habe so hart gearbeitet und so viele Songs herausgebracht, um allen zu beweisen, dass ich nicht nur ein One-Hit-Wonder bin und ich hoffentlich hier bleibe. Hätte mir jemand vor fünf Jahren erzählt, dass ich drei Alben in den Top Ten in Deutschland haben würde, hätte niemand über darüber gesprochen. Deswegen war ich so glücklich über diese Chartplatzierung. Ich weiß, dass es nur eine Zahl ist, die meisten Leute schauen sich noch nicht einmal die Charts an. Für mich persönlich war es aber eine große Sache.

Wie fühlt es sich an, nach deiner langen Tour-Pause wieder zu performen?
Es ist wirklich schön, wieder zurück zu sein. Ich habe für eine Weile aufgehört in Europa zu touren, aber in den USA bin ich die letzten drei Jahre immer noch aufgetreten. All diese Konzerte waren Solokonzerte, es war also wirklich ein Unterschied zu dem, was ich in Europa gemacht habe. Als ich diesen Sommer wieder angefangen habe mit der kompletten Band zu spielen, war es für mich wie nach Hause zu kommen. Es war so schön, all die neuen Songs zu spielen und ich freue mich wirklich auf diese große Tour im Oktober und November. Es wird lustig.

Du gibst während deiner Tour im Herbst viele Konzerte in Deutschland. Wieso so viele in Deutschland?

Deutschland ist einfach ein großes Land. Ich plante viele Konzerte für diese Tour und ich glaube acht oder zehn davon sind in Deutschland. Normalerweise hängt die Anzahl der Konzerte von der Größe des Landes ab. Belgien hat achtmal weniger Einwohner als Deutschland, also spiele ich normalerweise achtmal weniger Konzerte in Belgien als in Deutschland. Ich liebe es zu spielen, egal wo man mich haben will und es ist großartig, nicht nur ein Konzert spielen zu können. Ich kann nach Frankreich, in die Schweiz, nach Dänemark und in die Niederlande. Es ist schön, die Chance für so eine lange Tour zu bekommen.

Deine Songtexte sind oftmals ganze Geschichten. Woher kommen diese Geschichten?
Wenn ich nach Geschichten suche, kann es alles Mögliche sein. Etwas, das ich gelesen habe oder was mir passiert ist oder über jemandem, den ich gut kenne. Das ist für gewöhnlich der Startpunkt. Wenn ich eine persönliche Geschichte erzähle, versuche ich immer, sie auf eine andere Ebene zu bringen, damit sie auch auf andere Leute zutreffen kann. Die Geschichten sind also nicht so persönlich, dass andere Menschen sich nicht damit identifizieren könnten. Ich mag die Form Geschichten erzählen mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende. Ich liebe das in Büchern und in Filmen und ich versuche es auch in meine Songs mit einzubringen. Wenn ich auf der Bühne stehe, ist es wirklich schön, diese Geschichten erzählen zu können.

Was ist für dich der Sinn von Musik? Wieso machst du selber Musik?
Musik ist für mich wie ein bisschen Sauerstoff. Es ist etwas, das schon immer sehr wichtig für mich war, schon als ich aufwuchs. Als ich auf eigenen Beinen stand und mich entscheiden musste, was ich mit einem Leben machen will, kam ich sofort zu der Musik und es wurde mir damit immer ernster. Seit den letzten sieben oder zehn Jahren ist es einfach alles für mich. Alles, was ich mache hat mit Musik zu tun. Und es ist so toll, diese Songs performen zu können, auch sie zu schreiben, durch die ganze Welt zu reisen und meine Lieder für die Menschen zu singen. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, was ich tue, wenn ich keine Musik mehr machen würde. Dafür liebe ich es zu sehr.


Mit welcher Person würdest du gerne einmal ein Lied singen?
Ich liebe es mit anderen Leuten zu singen. Es ist wirklich schwer, einen auszusuchen. Ich mag Sam Smith wirklich sehr. Ich finde, er hat eine außergewöhnlich gute Stimme. Also wenn du mich heute fragst, mit wem ich gerne ein Lied singen würde, sage ich Sam Smith. Aber wenn du mich morgen fragst, könnte es auch wieder jemand anderes sein.

Wo trittst du lieber auf? In einem kleinen Club oder auf der großen Bühne?
Ich hoffe, ich muss mich niemals entscheiden. Ich liebe beides. Die Intimität in kleineren Clubs mag ich sehr. Es ist so fantastisch, jede einzelne Person in diesem Raum erreichen zu können. Auf größeren Bühnen verliert man etwas von dieser Intimität, aber dafür gewinnt man etwas anderes: Eine Energie, wenn eine große Menge deinen Song singt. Es bringt so eine Kraft mit sich, dass es einen manchmal überwältigt. Das hast du nicht in einem kleinen Raum, aber ich liebe es, beides zu haben. Und es ist großartig, dass ich alles immer machen kann. In Belgien, den Niederlanden oder Deutschland sind die Konzerte etwas größer. Als ich in den USA war, wo die Menschen mich gerade erst kennen lernen, ist es viel kleiner. So kann ich beides haben. Das mag ich besonders.

Was können deine Fans auf dem Konzert in Leipzig erwarten?
Es wird toll sein, wieder in Leipzig zu sein. Ich glaube, es ist schon drei Jahre her, seitdem ich das letzte Mal da war. Ich trat damals mit „North and South“ meinem vorherigen Album auf. Es wird anders sein als damals. Ich habe meine Liveband etwas verändert. Natürlich werde ich viele neue Songs spielen, aber ich habe auch einige alte Lieder ausgesucht. Es wird eine Zusammenfassung der Antwort auf die Frage sein, was ich in den letzten drei Jahren gemacht habe. Ich freue mich riesig, zurück zu sein. Hoffentlich sehe ich ein paar bekannte Gesichter und hoffentlich auch ein paar neue Leute, die zum ersten Mal zu meinem Konzert in Leipzig kommen. Ich bin sicher, es wird toll.

We Must Be Crazy Tour

12.11.14: Bremen – Pier 2
13.11.14: Köln – E-Werk 
14.11.14: Hannover – Capitol
15.11.14: Dortmund – FZW
17.11.14: Stuttgart – Liederhalle Beethovensaal
18.11.14: Freiburg – Zäpfle Club in der Rothaus Arena
20.11.14: Leipzig – Haus Auensee
21.11.14: Magdeburg – AMO
25.11.14: Bielefeld – Ringlokschuppen
26.11.14: Bamberg – brose ARENA
01.12.14: Luxemburg – DEN ATELIER

Hier könnt ihr euch „Silver Linings“ von Milow anhören:

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