Mo, 21. September 2020 Uhr
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PRINZ im Interview: Clueso über Udo Lindenberg, Peter Pan und Hip Hop

Im PRINZ-Interview verrät uns Clueso, was bei der Mischung aus Michael Jackson, Serge Gainsbourg und Ozzy Osbourne so rauskommt.



Clueso hat sein sechstes Studioalbum „Stadtrandlichter“ veröffentlicht – erstmals auf seinem eigenen Label. Der Erfurter geht selbstverständlich auf große Tour. Wir sprachen vorab mit dem 34-Jährigen über das Chef-sein, warum er und andere Künstler Udo Lindenberg so frenetisch feiern und warum er, seit er die 30 überschritten hat, öfter mal in den Rückspiegel schaut.

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Dein sechstes Album „Stadtrandlichter” ist erstmalig in Eigenregie auf deinem eigenen Label Text und Ton entstanden. Warum hast du diese Entscheidung getroffen, ein eigenes Label zu gründen?
Eigentlich ist dieses eigene Label eine über die Jahre gewachsene logische Konsequenz daraus, dass wir schon immer sehr viel selber gemacht haben. Aber es ist auch nicht so einfach zu sagen: So, ich mache jetzt einfach alles selber. Dafür braucht man einerseits ein Team, was die Labelarbeit macht und auch die Möglichkeit, aus Verträgen rauszukommen. Da haben wir gekämpft, dass wir uns nicht zu lange verpflichten. Und irgendwann kam dann der Tag und ich konnte mich entscheiden. Ich habe mich mit meinen engsten Freunden zusammengesetzt und beraten. Das coolste Argument war, als jemand gesagt hat: Wenn ich in deinem Alter wäre, würde ich den landschaftlich schöneren Weg fahren (lacht).

Wie ist das, mit deinen Freunden zusammenzuarbeiten? Du bist ja der Chef.
Du sagst es (lacht). Und das ist die Schwierigkeit, weil Freunde keine Dienstleister sind, sondern größtenteils für die Sache stehen. Aber ich glaube, es macht schon Sinn, wenn einer mal eine Ansage macht. Weil es ab einem bestimmten Alter einfach nichts Geileres gibt, als eine Entscheidung zu treffen. Und es ist ganz gut, wenn die einer mal trifft. Und im Prinzip sind es so viele Leute, die sich über so viele Sachen im Grundtenor eigentlich immer einig sind. Oft wissen alle schon im Vorherein, ob etwas eine gute Idee ist. Meine Freunde machen im Prinzip das Label alleine. Ich bin nur die Endinstanz, die sich das dann anguckt und sagt: Na ihr wollt es doch – dann macht das. Das ist ungefähr so, wie wenn ich mit jemanden durch die Stadt laufe und der mir alles zeigt. Ich gebe dann auch die Führung ab und schaue mich lieber um und mache Fotos, anstatt zu gucken, wo es langgeht.

Du kommst ursprünglich aus dem Hip Hop. Stehst du noch auf Rap und Hip Hop?
Alles, was Energie hat, mag ich. Mir ist dann völlig egal, ob Rapper wie Computer-Spielfiguren sind, die alles platt machen oder ob das wie Käptn Peng ganz weit draußen von Hip Hop ist. Mir geht’s um eine Grundenergie, die authentisch sein muss und nicht, um die Geschichte oder die Biografie. Deswegen ziehe ich mir schon einige Sachen rein. Wobei ich sagen muss, dass ich das letzte halbe Jahr so mit meinen Sachen beschäftigt war, da habe ich wahrscheinlich auch einiges verpasst.

Kannst du es dir erklären, warum so viele Hip Hopper und Rapper zu Liedermachern mutiert sind? Du, Jan Delay und Max Herre zum Beispiel.
Gut, das waren wir aber auch schon vorher (lacht). Viele Alben, die früher rauskamen, gelten für mich eigentlich auch nicht als Rap-Album. „Stadtaffe“ von Peter Fox war für mich das geilste Hip-Hop-Album und eigentlich auch eher angesiedelt als Undergrund-Pop oder engagierter Pop. Wenn man sieht, dass das eine stimmige Geschichte ist, dann merkt man, dass es hinhaut. Wenn es jetzt der Rapper ist, der singt, dann fällt es auf, dass da irgendwas nicht stimmt (lacht).

Was ist das eigentlich für ein Udo-Lindenberg-Ding? Du und auch die eben genannten – es scheint, als seid ihr ganz verrückt nach ihm. Wie kommt das?
Na er hat das geschafft, was man als Musiker schaffen will: mit der Musik alt zu werden. Das ist gar nicht so einfach. Viele wollen eine Abkürzung nehmen und machen dann komische Sachen, um in der Musik zu überleben und lange dabei zu sein. Aber er nicht. Udo hat auch eine krasse Geschichte: Eben diese Underdog-Rocky-mäßige Geschichte. Dass er noch mal aufsteht und sich den Thron holt, ihn abstaubt und sich draufsetzt. Und er ist dem gegenüber demütig. Er ist einfach eine Mischung aus Michael Jackson, Serge Gainsbourg und Ozzy Osbourne (lacht). Mit ihm rumzuhängen, gibt einem auch ein bisschen das Gefühl, am Zeitstrahl der Musik dran zu sein. Er ist nicht sparsam mit Erfahrung und einer gewissen Selbstironie, gerade als Rocker. Es ist immer lustig. Deshalb sind wir ja auch ein bisschen Musiker geworden – um Peter Pan zu sein.

Du sagtest mal, dass wenn man 30 wird, durch alle Zimmer seiner Jugend läuft. Denkst du über das Älterwerden nach?
Ja, natürlich. Ich denke darüber nach, dass ich nichts von dem mache, was man so macht, wenn man so alt ist wie ich (lacht). Ich bin irgendwie immer noch so … (überlegt) … frei wie vor einigen Jahren. Jetzt mit 34 kriegt man halt so ein Gefühl für die Endlichkeit. Man sieht, wie die Eltern und Großeltern älter werden, wie die Kinder von Kumpels rumrennen und anfangen zu quasseln. Ich bin eigentlich kein Typ, der zurückguckt, doch jetzt tue ich das manchmal. Das spiegelt sich auch an manchen Stellen in meinem Album wider. Dass ich eben auch mal eine Rückblende mache. Es ist aber auch nicht so, dass ich eine Entscheidung treffe, das Lenkrad rumreiße und sage: So, und jetzt müssen wir alle mal da lang (lacht). Es macht aber auch Spaß, einfach mal in den Rückspiegel zu schauen.

Gefällt dir, was du da siehst oder würdest etwas anders machen?
Natürlich würde ich bestimmte Sachen anders machen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, dass ich noch mal zurück kann, um etwas anders zu machen, würde ich sagen: OK.

Was zum Beispiel?
Ich würde vielleicht ein bisschen eher mit meinem Großvater Zeit verbringen. Ich mag den Typen einfach.

Was können wir live von dir erwarten?
Na ich sage mal, dass ich musikalisch ziemlich untervögelt bin und dadurch natürlich richtig Bock habe (lacht). Aber eines ist sicher: Es wird keine Cluesn-Feuershow geben (lacht).

 

Clueso auf Stadtrandlichter-Tour:

Montag 24.11.2014 – Hof Freiheitshalle 
Dienstag 25.11.2014 – Frankfurt Jahrhunderthalle 
Mittwoch 26.11.2014 – Oberhausen König-Pilsener-Arena 
Freitag 28.11.2014 – Braunschweig Volkswagen Halle 
Samstag 29.11.2014 – Köln Lanxess Arena 
Montag 01.12.2014 – München Zenith 
Dienstag 02.12.2014 – Stuttgart Porsche Arena 
Freitag 05.12.2014 – Berlin Max Schmeling Halle 
Sonntag 07.12.2014 – Leipzig Arena 
Montag 08.12.2014 – Hamburg O2 Arena 
Samstag 27.12.2014 – Erfurt Messe AUSVERKAUFT
Sonntag 28.12.2014 – Erfurt Messehalle Zusatzshow 

Mehr Infos zu Clueso gibt’s unter www.clueso.de


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