So, 17. November 2019 Uhr
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Das war das Roskilde Festival 2015

Das Roskilde ist Nordeuropas größtes Open-Air-Festival. Unser Autor Rene Otto war vor Ort.



Unter dem Motto „The Orange Feeling“ gibt es seit mehr als vier Jahrzehnten ein ganz besonderes Event im Norden Dänemarks: Acht Tage Festival, von Sonntag bis Sonntag, mit über 160 Bands auf 6 Bühnen, dazu Kino, Skatepark und Sport-Area und ganz viel Kunst und Kultur. Das Besondere daran: Das Roskilde ist seit 1972 ein Non-Profit-Festival, die Gewinne werden gespendet.

© Rene Otto

Zusammen mit dem legendären Glastonbury ist das dänische Roskilde Festival eine Art Mutter aller modernen Festivals. Die Dimensionen sind gewaltig: über 80.000 zahlende Besucher und eine Infrastruktur mit eigenen Straßen auf einem schier unendlichen Festival-Gelände. Doch das Festival hat trotz seiner Größe das gewisse Etwas, das Musikbegeisterte seit Anfang der 1970er immer wieder in die Kleinstadt Roskilde nahe Kopenhagen zieht.

© Rene Otto

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„Have a nice festival!“ lautet der inoffizielle Gruß des Festivals. Denn Roskilde ist mehr als Musik, es ist eine Lebenseinstellung, die an den insgesamt acht Tagen ihren Höhepunkt findet. Es ist schwer zu beschreiben, was Roskilde ausmacht, aber vielleicht sind es die vielen Elemente, die gemeinsam das große Ganze ergeben: Die Herzlichkeit, die sich nationenübergreifend äußert, der Sonnenuntergang hinter der „Orange Stage“, die Gerüche der Food-Stände, in denen lokale Sportvereinen die unterschiedlichsten Speisen zubereiten, das straff organisierte Chaos auf den Campingplätzen, die Art-Performances von skandinavischen Künstlern und das Heer der über 30.000 Volunteers, die (mal mehr, mal weniger) für einen reibungslosen Ablauf sorgen. In Roskilde lässt man einmal im Jahr die Alltagswelt hinter sich und taucht in einen besonderen Kosmos ein, ohne Kompromisse. So als würde man Woodstock Jahr für Jahr einfach weiterfeiern!

© Rene Otto

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Auch wenn es beim Roskilde-Festval um weitaus mehr geht als nur um Musik: Die Headliner lesen sich in jedem Jahr wie eine Liste der Magastars der Gegenwart, in diesem Jahr waren es: Pharrell Williams, Paul McCartney, Kendrick Lamar, Nicki Minaj, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Muse. Klar, dass bei solchen Namen rund 60.000 Fans vor der Hauptbühne eine gigantische Party feiern und wie die Minions über das Gelände tanzen.

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Doch auch in Sachen Newcomer hat jeder Künstler, der aufs Line-up gerutscht ist, seine Berechtigung: Von der Senkrechtstartern The Minds Of 99 aus Dänemark wird man in Europa noch viel hören, von Bareto aus Peru wahrscheinlich weniger, obwohl sie zur Spitze der peruanischen Alternative Bewegung mit ihrem Cumbia-Sommersound gehören. Father John Misty hingegen wird ganz sicher bald einer der großen Player im Rock-Olymp sein. 

An den restlichen beiden Tagen haben sich auch weiterhin ambitionierte Newcomer und absolute Schwergewichte im Bereich der Headliner die Klinke in die Hand gegeben. Über allem stand Sir Paul McCartney, der als erster Beatle die legendäre Orange Stage betreten – ein besonderes Ereignis, denn schließlich ist die Orange Stage die Bühne, die ursprünglich 1976 für eine Tournee der Rolling Stones entworfen wurde.

Nach dem fünfstündigen Gig von Africa Express, einem Projekt von Blur-Frontmann Damon Albarn, der gemeinsam mit afrikanischen Musikern und Größen wie Laura Mvula, Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs, Trentemøller und anderen musizierte, war das Roskilde Festival 2015 auch schon wieder Geschichte. Nicht ganz freiwillig wurde Albarn von einem Sicherheitsbeauftragten um vier Uhr morgens von der Bühne getragen – ein Ereignis, das für die, die dabei waren, immer im Gedächtnis bleiben wird.

© Rene Otto

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