Mi, 20. November 2019 Uhr
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Schlammschlacht in Wacken

Heavy Metal bis zum Umfallen: Wir waren beim diesjährigen Wacken Open Air. Was dort außer Schlamm noch los war, erfahrt ihr hier.



Jedes Jahr am ersten August-Wochende versammeln sich 75.000 Metal-Jünger in einem kleinen Dorf in Schleswig-Holstein nahe Itzehoe. Sogar aus dem Ausland reisen viele an, um sich beim Wacken-Festival ein paar Tage lang dem Heavy-Metal-Gedröhne hinzugeben. An bizarren Verkleidungen, Schlamm und Stage-Diving hat es auch in diesem Jahr nicht gefehlt. Und ohne die Pommesgabel – der rituelle Gruß, bei dem man den ausgestreckten Arm mit kleinem und Zeigefinger in die Luft reckt – geht sowieso gar nichts in Wacken.

© Rene Otto

Das Wacken Open Air hat sich in letzten Jahren zu einem Festival der Superlative entwickelt. Es ist weltbekannt und wird sowohl von Fans als auch von Künstlern als Heavy-Metal-Mekka angesehen. Bands wie Iron Maiden, Slayer, Deep Purple, Judas Priest, Rammstein, Megadeth, Motörhead und Ozzy Osbourne gaben sich auf den Bühnen des Metal-Ackers in den vergangenen Jahren bereits die Ehre.

© Frank C. Dünnhaupt

An vier Tagen spielen beim Wacken Open Air über 100 Bands auf diversen Bühnen. Und obwohl das Festival offiziell erst am Donnerstag beginnt, schlagen die ersten Festivalbesucher ihre Zelte und Camps gewöhnlich schon am Montag auf. In diesem Jahr erwies sich dies allerdings als eine Herausforderung: Der starke Regen hatte das Festivalgelände in ein Schlammmeer verwandelt.

© Rene Otto

Traditionelle Eröffnung am Mittwoch

Eröfnet wurde das Wacken-Festival 2015 traditionsgemäß am Mittwochabend durch die Wacken Firefighters, die Feuerwehrkapelle des kleinen Ortes. Für die Gemeinde im Kreis Steinburg gehört das Spektakel zum Jahr dazu wie eine fünfte Jahreszeit. Es ist ein Happening, das man erlebt haben muss. 

© Frank C. Dünnhaupt

Wacken 2015 – Tag eins

Das Wacken-Festival ist mehr als ein Musikevent, doch die Konzerte stehen nach wie vor im Mittelpunkt. So feierten in diesem Jahr unter anderem Savatage nach über 13 Jahren ihr Comeback. Die Power-Metal-Band aus Florida spielte zusammen mit dem Trans-Siberian Orchestra eine einmalige Show. Ihre größten Hits wie „Gutter Ballet“ oder „Hall of the Mountain King“ durften dabei natürlich nicht fehlen. Und wie es sich für ein Comeback nach über einem Jahrzehnt gehört, gab es zur Musik eine knallige Show mit spektakulären Lichteffekten und riesigen LED-Video-Leinwänden. An nichts wurde gespart: Die Band brachte eine 106 Mann starke Crew mit, das Equipment im Wert von 22 Millionen Dollar wurde mit Containern aus den USA verschifft. Und das alles nur für diesen einen Gig. Wahnsinn!

© Frank C. Dünnhaupt

© Frank C. Dünnhaupt
Wacken 2015 – Tag zwei

Der zweite Festival-Tag war auf den Hauptbühnen von skandinavischen Bands geprägt, wie Ensiferum, Kvelertak, At The Gates, Opeth oder In Flames, die mit diversen Spielarten von Death Metal den Fans ordentlich einheizten. Sepultura, der brasilianische Thrash-Metal-Exportschlager, zelebrierte beim Wacken 2015 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum – und zerlegte sprichwörtlich alles. At The Gates spielten vorangig Songs von ihrem neuen Album „At War With Reality“ und ihrem Klassiker „Slaughter of the Souls“ und legten dabei ein paar ordentliche Bretter hin. Bis schließlich bei angenehmen Temperaturen und Matsch bis zu den Knöcheln die Dampfwalze namens Black Label Society über den Acker rollte.

© Frank C. Dünnhaupt
Die Band um den ehemaligen Ozzy-Osbourne-Gitarristen Zakk Wylde groovte gut und der Gitarren-Meister spielte ein unglaubliches Solo nach dem anderen. Bis es Zeit für den Freitag-Headliner war: In Flames. Die Live-Show der Melodic-Death-Metal-Band aus dem schwedischen Göteborg ist in Wacken immer eine sichere Bank: Mit Leichtigkeit bringen die Metal-Heads ihr Publikum von Beginn an zum Toben, immer. Am selben Abend feierten noch die Hamburger Urgesteine Running Wild ihr Bühnen-Comeback. Die Band hatte 2009 ihren letzten Gig in Wacken absolviert.

Wacken 2015 – Finale

Am Samstag, dem dritten und letzten Festival-Tag, spielte die finnische Metal-Band Amorphis alle Songs von ihrem Album „Tales from the Thousand Lakes“. Schade, dass später beim Auftritt des Co-Headliners Sabaton der Sound so schlecht war. Metal muss man doch richtig laut hören und nicht so leise, dass man sich noch direkt vor der Bühne unterhalten kann! Die Fans haben die Band aber trotzdem gefeiert.

© Frank C. Dünnhaupt

Was daraufhin folgte kann jeder Metal-Musiker als Lehrstunde ansehen: Judas Priest spielten alle anderen Bands gegen die Wand. Ihre Metal-Hymnen „Breaking the Law“, „Jawbreaker“, „Electric Eye“, „You’ve Got Another Thing Comin“ oder „Painkiller“ wurde lautstark bejubelt und vom Publikum mitgesungen. Die Heavy-Metal-Band aus Birmingham hat mit seiner Show ganz deutlich klargestellt, wer beim Wacken Open Air der Metal-God ist. Sänger Rob Halford, der mit seinen 63 Jahren immer noch wie ein junger Mann singt – oder besser schreit – tat das so laut, dass er die krachigen Gitarrensounds übertraf.

© Frank C. Dünnhaupt

Am Ende blieb nur Staunen

Dann war es auch schon wieder vorbei, das 26. Wacken Open Air. Für unseren Autor war es das siebte Mal und er ist nach all den Jahren immer noch begeistert – trotz der Kritik, die seit einiger Zeit laut wird. Denn in der Metal-Szene wird das Wacken als Metal-Ballermann oder -Kirmes belächelt, zu dem viele „Metal-Touristen“ kommen, die eigentlich keine echten Fans sind, sondern nur Neugierige, die das Spektakel miterleben wollen. Aber vielleicht kommen ja gerade auf diesem Wege Leute zum Metal und lernen die Szene kennen und lieben. Beim Wacken jedenfalls kann man sehen, dass es bei Heavy Metal nicht nur um laute Musik und Bier trinken geht, sondern dass es eine ganz eigene Kultur ist, in der jeder gleich ist und ein großer Zusammenhalt herrscht. 

© Frank C. Dünnhaupt

Während dieser Bericht geschrieben wurde, hat das Wacken-Festival übrigens schon wieder alle Karten für 2016 verkauft: In nicht einmal 24 Stunden sind sämtliche 75.000 Tickets für das nächste Jahr weggegangen, meldeten die Veranstalter am Montag nach Festivalende.

© Rene Otto

© Frank C. Dünnhaupt

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