NAMEN:

Guttenberg: Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Dieser Name prangte groß auf der Titelseite der Bild-Zeitung, noch irrtümlich ergänzt um „Wilhelm“. Bild hatte falsch bei Wikipedia abgeschrieben.

iPod: iPod Classic, iPod Mini, iPod Nano, iPod Photo, iPod Shuffle, iPod Touch. Im Gegensatz zu Guttenberg haben die Apple-Player alle nur einen – und denselben – Vornamen.

AUSSEHEN:

Guttenberg: Alles glänzt so schön neu. Der Minister passt sein Outfit den Anlässen an. So erscheint er zum AC/DC-Konzert gemäß dem Knigge unverkrampfter Lässigkeit in T-Shirt, Jeans und Jacke.

iPod: Alles glänzt so schön neu. Der iPod passt sein Design dem Zeitgeist an. Jede neue Generation ist noch handlicher, flacher und bedienungsfreundlicher als die vorherige.

ELTERNHAUS:

Guttenberg: Guttenberg. Vater Enoch, ein Dirigent, hatte sich zwischenzeitlich für einige Jahre von der CSU abgewandt, Sohn Karl-Theodor überredete ihn aber, der Partei wieder beizutreten.

iPod: Apple. Das kalifornische Unternehmen gehörte in den Siebzigern zu den ersten PC-Herstellern überhaupt. Mitgründer Steve Jobs ist heute die bekannteste Persönlichkeit der Computerbranche. Sein Vermögen wird auf 5,6 Milliarden Dollar geschätzt.

HISTORISCHER VORGÄNGER:

Guttenberg: Franz Josef Strauß. Der umstrittenste Politiker der deutschen Nachkriegsgeschichte war die Lichtgestalt der CSU und bis zu seinem Tod 1988 ganze 27 Jahre lang ihr Vorsitzender.

iPod: Walkman. Feiert in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag – trotz anfangs starkem Gegenwind: Viele sahen in ihm ein Vergnügungsutensil für Asoziale, die sich ihrer Umwelt entziehen. US-Geschichtsprofessor Mark Noll erkannte in der allgegenwärtigen Musik gar eine „weitere, unnötige Konkurrenz zur Stimme Gottes“.

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LAUFZEIT:

Guttenberg: Rund 16 Stunden pro Tag.

iPod: Rund 40 Stunden (Modell iPod Classic, 160 Gigabyte).

IDENTIFIKATION:

Guttenberg: Mit Guttenberg wendet sich die CSU an die Jugend. Gerne kokettiert er mit der Legende, sich auf der Loveparade 1995 in seine Frau verliebt zu haben. Das soll nach wilder Vergangenheit klingen. Allerdings verfolgte er die Parade damals nach eigener Aussage „eher mit Interesse als mit Enthusiasmus“.

iPod: Mit den Sondermodellen des iPod wendet sich Apple bevorzugt an jene Fans, die als besonders ergeben und unbekehrbar, vor allem aber kaufkräftig gelten. Wie sonst könnte man den U2-iPod oder die Special Edition Harry Potter erklären?

GRÖSSENWAHN:

Guttenberg: „Guttenberg ist kein Obama, aber der Effekt ist durchaus vergleichbar“, relativierte unlängst der „Stern“ und erweckte mit diesem unverhältnismäßigen Vergleich genau den gegenteiligen Eindruck.

iPod: Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft möchte Apple einen Riesen-iPod-Touch auf den Markt bringen. Von dem internetfähigen Tablet-PC erhofft sich die Unterhaltungsindustrie viel.

ZITAT:

Guttenberg: „Meine Aufgabe ist es, dieses Amt bis zum 27. September mit aller Kraft auszufüllen.“ Guttenberg gibt vor, nicht über die Wahl hinauszudenken. Glauben wir nicht und prophezeien: Eines Tages wird er Kanzler sein.

iPod: „1000 songs in your pocket.“ Nur ein Beispiel unter vielen iPod-Slogans. Mit diesem bewarb Apple 2001 die Markteinführung der ersten Generation. Der Slogan der vierten Generation 2004 hieß dann folgerichtig: „10 000 songs in your pocket.“

FAZIT:

Beide sind Marktführer in ihren Branchen. Sowohl der beliebteste Politiker Deutschlands als auch der erfolgreichste Musikplayer der Welt halten ihre Zielgruppen fest umklammert. Aber Vorsicht: Die aalglatte Fassade der beiden Sympathieträger lenkt von ihrer Machtgier ab.

Text: Tim Sohr