Das Leben nach dem Tod
Der Mann im Diner zieht eine Pistole und schießt wahllos auf die Menschen dort, ehe er sich selbst tötet. Es gibt keinen Grund, keine Erklärung und erst recht keinen Sinn. Und so konzentriert sich Rowan Woods‘ Episodendrama auf die Auswirkungen, die der Amoklauf auf die Überlebenden hat: Wie kann man das Unfassbare verarbeiten? Die verstörende Erkenntnis: Es gibt kein Richtig und kein Falsch. Nur unterschiedliche Arten, damit umzugehen. Die kleine Anne hielt die Hand ihres Vaters, als er erschossen wurde – nun vergräbt sie sich in religiösem Fanatismus. Spieler Charlie hält sein Überleben für den Beginn einer Glückssträhne. Und verzockt all sein Geld. Kellnerin Carla will einfach weiterleben wie bisher, Arzt Bruce akzeptiert nicht, dass er nicht alle Leben retten kann. Sie alle manövrieren sich in schmerzvolle Situationen; jede Hilfe, jede Anteilnahme von Freunden, Familie scheint unangemessen, bemüht, falsch. Denn, so führt „Winged Creatures“ bedrückend und meist eindringlich vor: Ob gewollt oder nicht, jeder ist mit seinen Gefühlen allein.
Christina Bednarz