Erfolg ist letztlich immer eine Frage des Timings – und da hat VW derzeit ein glückliches Händchen. Die neueste Polo- Generation ist genau das richtige Auto für diese Zeit: klein und handlich, sauber und ökologisch, sicher und auf neuestem technischen Stand. Aber der Reihe nach. Erstens hat VW mit dem Italiener Walter de’Silva den derzeit besten Autodesigner in Diensten. Er hat den neuen Polo richtig erwachsen gestaltet, so sauber und präzise, dass man den Wagen wahrscheinlich auch noch in vielen Jahren gerne ansehen mag. Zweitens erstaunt, wie sehr die Fahrzeuge in den letzten Jahren gewachsen sind, schließlich ist der neue Polo 27 Zentimeter länger, sieben Zentimeter breiter und fünf Zentimeter höher als der erste Golf geraten, der 1974 das Licht der Welt erblickte. Drittens sorgen perfektionierte Computerprogramme für leichtere, steifere und sicherere Karosserien: So hat der neue Polo trotz signifikant gestiegener aktiver und passiver Sicherheit um 7,5 Prozent abgespeckt, was – neben den Motoren – einen Großteil der um bis zu 20 Prozent betragenden Verbrauchsreduzierung ausmacht.

Und viertens tragen die Motoren (fünf der sieben Triebwerke sind neu) ihr Teil dazu bei, dass der Spritverbrauch beim Polo mal in die richtige Richtung weist: So braucht der aufgeladene 1,2 TSI-Vierzylinder (105 PS) mit Turbolader und Direkteinspritzung nur 5,5 Liter auf 100 km (129 g/km CO2), der 1,6 TDI-Turbodiesel-Direkteinspritzer mit 90 PS und BlueMotion-Paket gilt mit einem Verbrauch von 3,6 Litern und 96 g / km CO2 als der derzeit sparsamste Fünfsitzer-Diesel der Welt. Einige Varianten sind auch noch mit dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe lieferbar, auch dies ist neu in dieser Fahrzeugklasse. Bei ersten Fahrten erwies sich der Polo nicht nur in seinem Heimatrevier Stadt als handlich, übersichtlich und als kühner Eroberer auch kleinerer Parkplatzlücken, sondern er gab sich auch bei Überlandfahrten agil und erstaunlich komfortabel. Das Raumangebot ist großzügig, die Ergonomie auf der Höhe der Zeit, und der Kofferraum lässt auch größere Urlaubsfahrten zu. Man hat nie das Gefühl, in einem Kleinwagen zu sitzen, dafür gibt sich der neue Polo zu souverän, zu erwachsen. Und so bleibt das vage Gefühl, dass der Polo tatsächlich der bessere Golf für diese Zeiten sein könnte – zumal Volkswagen auch nicht an der Preisschraube gedreht hat: So liegt der Einstiegspreis für den 60-PS-Benziner bei 12 150 Euro. Doch natürlich lässt sich der Preis problemlos steigern – dafür sorgt schon die lange Sonderausstattungsliste. Jürgen Lewandowski