GEWICHT:

Lagerfeld: 2001 begann die Totalverschlankung Lagerfelds. Innerhalb von 13 Monaten nahm er 42 Kilo ab. Die Diät trug den Namen „3D“, der Grund dafür war, dass Lagerfeld unbedingt in die schmal geschnittenen Anzüge von Hedi Slimane passen wollte.

Italien: 1994 begann die Totalverschlankung Italiens. Grund war eine politische Diätpille namens Silvio Berlusconi. Heute ist das Land sowohl wirtschaftlich als auch politisch zur Bedeutungslosigkeit abgemagert, von der moralischen Seite ganz zu schweigen.

MUTTER:

Lagerfeld: Laut eigener Aussage ein distanziertes, aber liebevolles Verhältnis. Entscheidend für die Karriere: Der junge Karl wollte Bäcker werden, aber die Mutter verbot es ihm – er musste Schneider lernen.

Italien: Mit durchschnittlich 32 Jahren ziehen Italiener zu Hause aus. Die Beziehung zur Mutter ist grundsätzlich intensiv. Berlusconi stand seiner 95-jährigen Mutter 2006 sogar im Wahllokal hilfsbereit zur Seite und forderte sie auf: „Mach ein Kreuz, wo Forza Italia steht.“

BILDUNG:

Lagerfeld: Umfangreiche Allgemeinbildung, die von Spinoza bis zum
Marquis de Sade reicht. Bei Unsicherheiten im Zitieren lässt er einfach
eines der 300 000 Bücher seiner Privatbibliothek einfliegen.

Italien: Die Universität Bologna ist die älteste der Welt – sie wurde im Jahr 1088 gegründet. Das nutzt aber wenig: Bei der letzten Pisa- Studie lag Italien deutlich unter dem OECD-Durchschnitt.

ALTER:

Lagerfeld: Der schlimmste Feind. Schließlich könnte eines Tages mal irgendjemandem auffallen, dass ein alter Mann nicht mehr besonders kreativ ist. Macht sich deswegen in regelmäßigen Abständen fünf Jahre jünger.

Italien: Der beste Freund. Das Land lebt vom Altertum. Knapp 37 Millionen Touristen kommen jährlich, um 43 Unesco-Weltkulturgüter zu sehen – so viele gibt es in keinem anderen Land der Welt.

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BEDROHUNG:

Lagerfeld: Es besteht die Gefahr, dass sich Lagerfeld irgendwann komplett weghungert. Seine berüchtigte Vorliebe für sehr dünne bis dürre Models gefährdet zudem die Leute, die für ihn arbeiten wollen.

Italien: Dass mit der Camorra-Metropole Neapel eine Großstadt seit Jahren im Müll versinkt, ist bezeichnend für das erstarrte Land. Wie in allen Bereichen blamiert sich die Politik Italiens auch hier im Problem-Management. Der Imageschaden ist gewaltig.

MUSE:

Lagerfeld: Inès de la Fressange, Claudia Schiffer, Irina Lazareanu, Amy Winehouse, Toni Garrn … der Meister wechselt seine Inspirationsquellen in beachtlicher Regelmäßigkeit. Hält ja auch jung.

Italien: Die Mafia muss nicht nur Fluch, sie kann auch Segen sein. Zumindest popkulturell. Man denke an „Der Pate“ oder „Goodfellas“. Und „Die Sopranos“ sind eine der besten TV-Serien der Neuzeit.

VERMÄCHTNIS:

Lagerfeld: Die weltberühmten Kollektionen. Auch als Kostümbildner für Theater und Oper sowie in der Fotografie ausgesprochen erfolgreich. In Interviews glänzt er darüber hinaus regelmäßig mit seinem feinen, hintersinnigen Humor.

Italien: Die weltberühmte Küche. Denn Pasta, Pizza, Fisch oder Wein von italienischer Qualität kann nun wirklich niemand widerstehen. Außer Karl Lagerfeld vielleicht.

AUSZEICHNUNGEN:

Lagerfeld: Lagerfeld gewann bereits mehrere Preise für sein Schaffen, darunter zwei Mal den Bambi (1989, 2005), den Lucky Strike Designer Award (1993) sowie den Elle Fashion Star Award (2008).

Italien: Italien gewann bereits vier Fußball-Weltmeisterschaften: 1934, 1938, 1982 und 2006. Nur Brasilien ist mit insgesamt fünf Titeln erfolgreicher, Deutschland wurde drei Mal Weltmeister.

FAZIT:

Auch wenn in Italien längst nicht mehr alles so schön ist wie der Ruf, den das Land genießt: Seit sich Karl Lagerfeld der Askese verschrieben hat, trennt die beiden das Grundsätzliche – dort das Dolce Vita mit all seinen Verheißungen, hier der Couturier, der nicht trinkt oder raucht und auf Zucker verzichtet.

Autor: Tim Sohr