Teahupoo ist ein 15-Familien-Dorf im Südosten Tahitis. Der Ortsname bedeutet „Mauer aus Köpfen, die in der Sonne trocknen“, und die Welle, die am Ende der Straße von Teahupoo mit tausend Kilometern Anlauf auf ein 50 Meter beinahe senkrecht abfallendes Riff trifft, gilt als die monströseste, beeindruckendste, schönste, gefährlichste Welle der Welt. Legenden und Heldengeschichten gibt es über diesen Ort wie Sand am Meer, der Kampf mit dieser Welle hat gestandene Surfprofis zum Weinen gebracht – wenn sie ihn denn überlebten. Schließlich galt die mythische Welle noch bis Anfang der achtziger Jahre als unbezwingbar. Später wagte der Big-Wave-Pionier Laird Hamilton hier seinen legendären Ritt vom 17. August 2000, den man in der Dokumentation „Riding Giants“ bewundern kann.

Es muss aber nicht gleich Tahiti sein; es muss noch nicht einmal eine Riesenwelle sein. Nicht nur Hobbysurfer erfahren selbst bei zahmer Brandung, dass das Wasser schnell die Oberhand gewinnen kann, und dass Salzwasser in den Lungen kein Vergnügen ist. Daher gibt es grundlegende Regeln, die jeder beachten sollte, der seine Kräfte mit dem Meer messen will: „Wenn dich die Welle überwältigt, musst du versuchen, vorher schnell noch einmal Luft zu holen“, sagt der Sylter Surfer Melchior „Melf“ Lange. „Schütze mit den Händen deinen Kopf, um den Zusammenprall mit dem Board abzudämpfen.“ Trotzdem glaubt Melf, dass in Deutschland die größere Gefahr von Strömung und Buhnen ausgeht als von den Wellen. „An der europäischen Atlantikküste ist das schon wieder ein ganz anderer Schnack.“ Dort wurde er bereits als Teenager böse gewaschen – ein Nahtoderlebnis. Doch so viel Respekt auch angebracht ist, ängstlich sollte man gar nicht erst ins Wasser gehen. „Immer bei den Einheimischen erkundigen, was die Gefahren, den Untergrund und die Gezeiten betrifft“, empfiehlt der 25-Jährige. „Auch wenn keine Welle der anderen gleicht: Wer sich mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut macht, kann die Brandung wesentlich besser einschätzen.“ Tim Sohr