ALLGEMEIN:

Jesus: Lebte wahrscheinlich vom Jahr 4 v. Chr. bis zum Jahr 31. Seine Lehre bildet die Grundlage der christlichen Religion. Mehr Infos im Internet unter Jesus.de, einer Webseite, die sich gänzlich „einer der schillerndsten Personen der Weltgeschichte“ widmet.

Johanniskraut: Das Echte Johanniskraut wird wegen seiner Inhaltsstoffe, wie ätherische Öle und Gerbstoffe, als Heilmittel verwendet. Hinter der Website Johanniskraut.de steckt aber eine Internetapotheke.

NAME:

Jesus: Man wird das komische Gefühl nicht los, dass Madonna mit ihrem neuen Liebhaber, dem 22-jährigen brasilianischen Unterwäschemodel Jesus Luz, nur aufgrund seines Namens anbändelte. Dabei verkündete doch schon der einzigartige Jesus Quintana in „The Big Lebowski“ unmissverständlich: „Nobody fucks with the Jesus!“.

Johanniskraut: Der Name des Genesungsgewächses leitet sich vom Beginn der Blütezeit in Mitteleuropa um den Johannistag (24. Juni) ab. Dies ist auch die beste Zeit zur Ernte. Im Volksmund heißt das Echte Johanniskraut auch Stolzer Heinrich, Hexenkraut oder Johannisblut.

VERBOT:

Jesus: Brasilianische Bundesliga-Fußballer verkündeten ihre religiösen Botschaften früher inflationär mithilfe von „Jesus liebt dich“-Shirts unter ihren Trikots. Seit der Saison 2002/03 hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) diese Bekenntnisse jedoch strikt untersagt.

Johanniskraut: Seit dem 1. April 2009 sind einige Johanniskraut-Präparate zur Behandlung mittelschwerer Depressionen verschreibungspflichtig. Zwar waren die hoch dosierten Mittel auch vorher schon nur in Apotheken erhältlich, aber ohne Rezept.

BEHANDLUNGSERFOLG:

Jesus: Schon zu Lebzeiten soll er Blinde sehend, Lahme gehend und Taube hörend gemacht haben. Seine Heilwirkung dürfte aber der eines Placebos entsprechen: Sie basiert allein darauf, dass der Patient an die Wirkung glaubt.

Johanniskraut: Keine antidepressive Substanz erfreut sich größerer Beliebtheit. Für alle Skeptiker: Inzwischen belegen mehr als 40 klinisch-therapeutische Studien, dass die Wirkung des Johanniskrauts mit der synthetischer Antidepressiva vergleichbar ist.

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter.

ALTERNATIVEN:

Jesus: Wer gerne gegen den Strom schwimmt, betet Satan an. Wer es lieber etwas weniger radikal hat, wendet sich dem Islam und Allah zu: Hier wird Jesus zwar nicht als Gottessohn anerkannt, aber dennoch als Prophet ebenso verehrt wie seine jungfräuliche Mutter Maria.

Johanniskraut: Prozac, zu Deutsch: Fluoxetin. Viagra für die Psyche, das den Abbau von Serotonin hemmt und so den Gehalt des Botenstoffes steigert, der maßgeblich für die Stimmung und die Gefühlslage verantwortlich ist. Seit seiner Einführung konsumierten bereits mehr als 20 Millionen Amerikaner das vermeintliche Wundermittel.

FILM:

Jesus: „Die Passion Christi“ (2004). Egomanisches Epos von Mel Gibson mit James Caviezel als Jesus. Das polarisierende Werk zog sich schwere Vorwürfe der Gewaltverherrlichung und des Antisemitismus zu und gilt heute als umstrittenster Film aller Zeiten.

Johanniskraut: „Lammbock“ (2001). Na gut, die Kifferkomödie mit Moritz Bleibtreu hat nicht allzu viel mit Johanniskraut zu tun. Aber es geht um Naturkräuter, die als Stimmungsaufheller dienen. Und der Film an sich macht mindestens so gute Laune wie Echtes Johanniskraut.

ZITAT:

Jesus: „Jesus, Jesus, du warst echt okay / Jesus, Jesus, everytime fair play.“ (Die Doofen alias Wigald Boning und Olli Dittrich: „Jesus“)

Johanniskraut: „Die Natur ist die beste Apotheke.“ (Pfarrer Sebastian Kneipp, Naturheilkundler aus Bayern, dessen Lehre frei auf dem Motto basiert „Gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen“)

FAZIT:

„Der Glaube ist der Weg des geringsten Widerstandes“, heißt es in Woody Allens Film „Match Point“. Jesu Popularität ist weltumspannend, entscheidend ist die Dosis: Von Glaubens-Fanatismus ist ebenso abzuraten wie von zu viel Johanniskraut. Denn echte Depressionen sollte man nicht selbst therapieren.

Text: Tim Sohr