Zwölf Meter, verdammt. Aber kneifen ist keine Option. Noch einmal tief Luft holen, Kopf frei machen. Dann schließe ich die Augen, drücke mich ruckartig ab und stürze in die Tiefe, um mich herum Stille. Sekundenbruchteile später sinke ich in das Luftkissen, das sich wie ein waberndes, warmes Wasserbett an meinen Körper schmiegt. Geschafft! Mit einem trockenen „Männlich!“ belohnt Stunttrainer Oliver Wiesner meinen Mut. Für den kleinen, muskelbepackten Ex-Profiturner ist so ein Sprung eine leichte Übung, hat er doch für Hollywoodfilme wie „V wie Vendetta“ oder die Actionserie „Alarm für Cobra 11“ schon ganz anderes gemeistert. Doch auf den Lorbeeren kann ich mich nicht lange ausruhen: Nun steht „der Brenner“ an. Bei 30 Grad im Schatten zwänge ich mich in Rennfahrer-Overall, Skimaske und den schweren, klobigen Glasfaseranzug samt Kappe. 90 Sekunden kann mich diese Kluft vor dem Feuer bewahren. Behutsam legt mir Martin Lederer den benzingetränkten Mantel um. „Alles okay?“ Ich nicke, er zückt sein Feuerzeug. „Brennt!“ Wie ein Michelin-Männchen mit Gicht wanke ich durch die Vulkankulisse des Filmparks. In der linken Hand der 800 Grad heiße Feuerteppich, die rechte zum Schutz vor den lodernden Flammen eng an den Kopf gepresst. Bloß keine hastigen Drehungen. Als ich die vereinbarte Ziellinie erspähe, stemme ich den Mantel mit aller Kraft von mir, taumele zwei weitere Schritte,werfe mich auf den Boden und verharre dort, bis Martin die erlösende Entwarnung gibt. Normalerweise stünden jetzt noch Falltraining, Stockkämpfe, Schlägereien und Autostunts an. Doch mit der Gewissheit, bei einer dauerhaften Schreibblockade als Fackelmensch im Zirkus anheuern zu können, mache ich mich auf zum nächsten Abenteuer.

Sascha König