Plattmachen werde ich ihn. Wegputzen und niederstrecken. Armer Sandberg. Gegen den orangefarbenen Metall- Mammut unter meinem Hintern hat er nicht den Hauch einer Chance. Mit einem Kampfgewicht von 13,5 Tonnen, einer Höhe von drei Metern und seinem mächtigen Metallrüssel lässt der „Atlas 1304“ Potenzflundern wie Porsche, Lamborghini oder Ferrari alt aussehen. Der kantige Bagger ist der Publikumsliebling in Peter Langheins Fuhrpark. Täglich werden rund 500 Tonnen Kies und Sand auf dem Firmengelände des Unternehmers umgeschlagen. Das ist sein eigentliches Geschäft. Doch seit einigen Jahren brummt auch das Bagger-Business mit Firmen oder Abteilungen, die sich zu Team- und Motivationstrainingszwecken auf Langheins Hof austoben. Und Privatleuten, die sich einfach eine Stunde freischaufeln möchten. So wie ich heute. Mann und Maschine gegen Sandberg – der Kampf kann beginnen. Peter Langhein startet den Motor. Ruhig und gelassen erklärt er mir,wie ich seinen Bagger zu bedienen habe, denn mit einem normalen Auto hat dieses Fahrzeug nur wenig gemein. Laut schnaubend stößt der Kraftprotz eine kleine, schwarze Rauchwolke aus. Dann steuere ich ihn langsam auf seinen heutigen Gegner zu. Die imposanten Reifen graben sich tief in den Sand und wuchten den „Atlas“ auf die Ausläufer des Haufens, der geradezu danach schreit, abgetragen zu werden. Nun ist es Zeit für Lektionzwei: Wie bediene ich den Baggerarm und die Schaufel? Rechts und links des Fahrersessels befinden sich schwarze Schaltknüppel, wie Joysticks für ein Computerspiel. Mit ihnen dreht man das Führerhaus, lässt den Haupt- und Schwenkarm aus- und einfahren und macht die Schaufel auf und zu. Beim ersten Versuch fühle ich mich wie damals in der ersten Fahrstunde: ein wenig überfordert. Geduldig wiederholt Langhein, mit welchem Hebel und welcher Richtung ich welche Aktion auslöse. Nach einigen „Ups“,“Hoppla“ und „Ach, das ist rechts“ habe ich den „Atlas“ endlich unter Kontrolle. Langsam senke ich den Baggerarm, klappe die Schaufel auf und presse sie in den hilflosen Hügel. So tief bis sie schließlich nur noch halb zu sehen ist. Nun mache ich die Schaufel zu, wie wir Baggerprofis dazu sagen. Gemächlich, aber kraftvoll gräbt sich die massige Metallklappe durch das aufgeschüttete Erdreich, bis sie randvoll ist und dem Gewicht von zwei Kleinwagen entspricht. 90-Grad-Drehung um die eigene Achse und weg damit. Hügel, das ist dein Ende. Eine Stunde später ist aus dem stattlichen Berg ein Häufchen Elend geworden. Zufrieden und glücklich steige ich von meinem neuen Buddel- Buddy ab. Wir sehen uns wieder – dann knöpfen wir uns den Kieshaufen vor.

Sascha König