Fast hat man den Eindruck, die anwesenden Starfriseure André Märtens und Wolfgang Zimmer, sowie Make-Up-Artist Boris Entrup, Designerin Anja Gockel und ihr Berliner Kollege Guido-Maria Kretschmer müssten mehr Interviews geben, als tatsächlich an den Models zu arbeiten. Doch dazu sind die Look Proben eigentlich da: Ein bisschen Fashion Week spielen vorab. Und ein paar Geheimnisse verraten, einige Tage vor der großen Show und sich selbst schlicht einstimmen auf das, was da kommt.

Look Probe in der L’Oréal-Professionnel-Akademie, das bedeutet: Die Looks, also die Frisuren und das Make Up der Schauen werden geprobt, es finden Absprachen zwischen den Designern, den Make-Up-Artists und natürlich den Hair-Stylisten statt, denn ohne die passende Frisur wirkt die ganze Mode nicht. Man diskutiert, macht mehrere Versuche, diskutiert erneut, tauscht auch mal ein Model aus und schließlich stehen sie fest, die finalen Looks, in denen sich die Models auf den Schauen von Anja Gockel oder auch von Guido-Maria Kretschmer auf dem Laufsteg präsentieren werden.

L’Oréal-Professionnels‘ Look-Elite, bestehend aus den hiesigen Stylisten André Märtens und Wolfgang Zimmer und dem Maybelline Jade Make-Up-Artist Boris Entrup haben sich dazu eingefunden, insgesamt wuseln rund ein Dutzend Menschen durch die Akademie da alle „Schönmacher“ natürlich ihre Assistenten mitgebracht haben. Sie alle sind Fashion Week erprobt und kennen das Procedere ganz genau. Man duzt sich und spricht vertraut auf deutsch, französisch oder englisch untereinander den gewünschten Stil durch.

„Ein bisschen wie ein Engel, aber nicht so lieblich. Real soll es sein, ich will schließlich Mode verkaufen für normale und reale Frauen“ deutet die Mainzer Designerin und schwedische Hofschneiderin Anja Gockel an. Sie sagt es – gefühlt – je zu einem Drittel der versammelten Presse, zu den TV-Kameras und zu Wolfgang Zimmer. Der Promifriseur und Modenschauexperte weiß dies direkt zu deuten, man kennt und versteht sich fast blind und die Looks werden in kürzester Zeit professionell umgesetzt. Immerhin: Einige Anhaltspunkte zum gewünschten optischen Ergebnis wurden ja auch vorab schon schriftlich in den „Questionnaires“ definiert. Das sind die konkreten Briefingmappen, die vorab von den Designern erstellt und allen Verantwortlichen zugänglich gemacht wurden.

Das vor Ort spontan Erprobte, Veränderte und Feststehende wird schließlich zeichnerisch dokumentiert, Farbnuancen werden notiert und die endgültigen Looks abfotografiert, damit schlussendlich in den hektischen Minuten vor der Show nichts mehr schief gehen kann. Und in diesem Jahr ist das Timing der Fashion Week besonders anspruchsvoll. „Wir haben nur eine Generalprobe – und die ist eine Stunde vor der Show!“, erzählt Anja Gockel. Da ist eine gewissenhafte Absprache im Vorfeld das A und O.

Dass sie Mode für reale Menschen macht und ihre Kollektionen auch für Frauen öffnet die eine ganz reale Größe 38 tragen, hat ihre künstlerische Arbeit insgesamt entspannt. „Ich will keinen Jugendwahn, hier geht es um das echte Leben. Die Absätze sind nur 10 Zentimeter hoch und vieles steht im Zeichen des Crissdressings. Ein edles Oberteil, das ich auf eine Party anziehen kann, das ich aber auch mit einer einfachen Jeans kombinieren darf“, verrät sie uns vorab und bekennt, dass diese „Erdung“ auch die Atmosphäre vor und während der Show entspannt habe. „Ein Problem haben wir nur, wenn uns sehr dünne Mädchen vorgesetzt werden, dann müssen wir viele Kleider hinten etwas zusammenraffen“. Mit Top-Model Lena Gercke arbeite sie besonders gerne zusammen. „Sie ist wunderbar natürlich, hat Charme und Ausstrahlung. Ich mag sie.“

Besonderes Augenmerk liegt natürlich in diesem Jahr in der Verdichtung von Fashion Week, Bread & Butter und Premium. Doch bei den Look Proben freut man sich einhellig über soviel Modezirkus in nur wenigen Tagen. „Das ist eine Stärke. Das ist gut für Berlin! Ich mag diese Einheit, das macht den Modemonat noch bedeutender.“

Dies sieht auch Guido Maria Kretschmer nicht anders. Und hat – wie immer – eine sexy Überraschung in der Hinterhand: Erstmals werden in diesem Jahr auch Männer für den Designer laufen. Und man munkelt, es gäbe sogar eine Badehosen-Kollektion, die von eigens aus Spanien eingeflogenen Herren-Modellen gezeigt werden sollen.

Guido verlässt sich schon seit Jahren auf seinen guten Freund und Starfriseur André Märtens. Die Zusammenarbeit bei der Hair-Look-Entwicklung funktioniert fast blind und hoch konzentriert; man kennt und schätzt sich. Und das kann man spüren: „Guido ist einfach super – deswegen betreue ich ihn so oft es meine Zeit und meine Kunden zulassen. Auch bei Foto-Shootings.“ so André Märtens.

Und das wiederum freut Volker Meyer und seine Prenzlberg-PR-Factory „hochbetrieb.de“. „Ich liebe es, professionell arbeiten zu können. Und da gehören professionelle Protagonisten wie André, Boris oder Wolfgang einfach dazu, die zudem auch noch mit Top-Marken wie L’Oréal Professionnel und Maybelline Jade arbeiten. Auf sie kann man sich blind verlassen weil sie echte Profis sind. Und wenn dann die Designer auch noch mit an einem Strang ziehen, so wie Anja und Guido, dann bekommt man einfach eine runde Geschichte hin die jeder interessant findet“, sagt er und rennt weiter. Die Kolleginnen Schüren und Pompetzki von der WELT sind gerade angekommen und wollen prominent begrüßt werden. Und keine 5 Minuten später sprechen die Journalistinnen angeregt mit André Märtens und Boris Entrup.