Meine erste Lookprobe führt mich in die Friedrichstraße 200. Da nämlich liegt die L’Oréal Professionnel Académie ein klein wenig versteckt im großzügigen, luxuriösen Foyer eines riesigen Gebäudekomplexes. Ich erwarte, dass ich mir das Treiben zwar mal ansehen darf, mich aber keiner weiter beachten wird, weil ja sowieso alles gerade so stressig ist und tamtam hier und da. Aber weit gefehlt. Alle, von Stylist Boris Entrup über Starfriseur André Märtens bis zum Designer Kilian Kerner, sind einfach nur entspannt. Und da ist auch kein Pulk an Models zu sehen. Einfach zwei L’Oréal Professionnel-Hausmodels, die die Prozedur des Schminkens, Haaremachens und teilweise noch Anziehens (das ist aber wohl nicht immer üblich!) einige Male am Tag geduldig über sich ergehen lassen.

Gerade hat Kilian Kerner Lookprobe. Seine sportlich-lässigen Sachen, aber auch die aufregenden Abendkleider mag ich sowieso total gern. Er lässt sich auch gern zur Seite nehmen. Auf die Frage, wie er der Fashion Week gerade so entgegenblickt, sagt er: „Ich bin entspannt, aber auch aufgeregt. Aber alles läuft gut. Die Kollektion ist gestern abend komplett eingetroffen. Ich habe neun Showoutfits geplant, die nicht zu kaufen sind. Mehr wird da aber noch nicht verraten. Dazu zeige ich 86 Teile, die man auch kaufen kann. Und Splinter X wird wieder den Song zur Kollektion singen, auch wieder live zur Show.“ Dann wollte ich noch von ihm wissen, ob es denn irgendwelche Patzer beim letzten Mal gab. „Eigentlich nicht. Ach, doch. Aber nur ein kleiner. Es wurde vergessen, den Models die vorgesehenen Sonnenbrillen aufzusetzen“, grinst er. Sehr sympathisch.

Wie auch André Märtens, der so genannte „head of hair“ der Fashion Week (von den 22 Modenschauen liegen 17 quasi in seinen Händen), der sich sonst auch mal um das Haupthaar von Andrea Botticelli oder Verona Poth kümmert. Ihm darf ich beim Frisieren über die Schulter gucken. So eine Frisur für den Laufsteg kann schon mal eine Stunde in Anspruch nehmen. Trotzdem schafft es der Starfriseur rund 5 bis 7 Models pro Show zu frisieren. Klar hat er dafür auch ein gutes Team von rund 20 Leuten um sich. Was ihm an der Fashion Week denn besonders gefalle, will ich wissen. „Grundsätzlich die Abwechslung“, erklärt er. „Ist eben kein Salonalltag. Und die Zusammenarbeit mit all den Leuten macht superviel Spaß!“ Und was macht diesen Mann aus? Ein Model antwortet: „Er ist sehr kreativ, er setzt die Visionen anderer gut um und ist dabei auch sehr schnell.“

Davon konnte ich mich heute ja schon ein klein wenig überzeugen. Noch spannender wird’s dann natürlich nächste Woche, wenn all seine Frisuren über den Laufsteg gehen.