Ganz in Schwarz steht er vor uns. Passend zu Mailand, der Hauptstadt der Mode und der Eleganz. Seine knackigen Proportionen kommen in dem dunklen Blechkleid schön zur Geltung: die kraftvolle Flanken ohne Fensterrahmen, die muskulösen Radläufe über den Alupuschen, das kurze, kesse Heck, die Nase schlank und prägnant wie bei einer römischen Statue. Und dann diese Augen – rund und herausfordernd schauen sie uns an.
Oh, MiTo, du kleiner Verführer! Eigentlich hätte man dich Romeo nennen müssen. Aber die Namensgebung kommt ja nicht von ungefähr: Mi und To stehen für die offiziellen Kfz-Kürzel von Milano und Torino – Mailand als Stammsitz von Alfa Romeo, Turin als Produktionsort. Die gleichwertige Symbiose aus Funktion und Design ist bei Alfas erstem Kleinwagen ohne Frage beherzigt worden. Selbst die dunkelroten Kunststoffflächen im Cockpit erinnern an das Innenfutter eines Brioni-Maßanzuges – und fühlen sich auch ein bisschen so an.
Doch Schluss mit den Streicheleinheiten! Im sportlich-harten „Dynamik-Modus“ der dreistufigen Fahrdynamikregelung steuern wir auf Mailands Zentrum zu. Könnte ich aus der Zahnlücke pfeifen, so würde ich es jetzt tun. Der 155-PS-Rabauke zeigt nämlich, dass er nicht nur zum Posen gut ist.
Wo wir schon von Hotspot zu Hotspot durch Mailands Verkehrschaos sausen, müssen natürlich auch ein paar Erinnerungsfotos her. Doch sausen und halten ist hier gleichermaßen prekär. Zu fünft quetscht man sich nebeneinander in den dreispurigen Straßen, Verkehrsregeln werden vor Ort verhandelt, Parkplätze hat man ganz abgeschafft und das Cruisen durch die Innenstadt ist seit Mauteinführung Anfang des Jahres ohnehin Geschichte.
Was bleibt uns anderes übrig als unseren MiTo einfach direkt vor die Sehenswürdigkeit zu lenken? Der Springbrunnen vorm Castello Sforzesco zum Beispiel. Welch mondäne Kulisse! Schnell sind die Touristen weggehupt und der Wagen vor dem Wasser speienden Steinkoloss inszeniert. Erstaunlich: Niemand schimpft über unser unerhörtes Vorgehen. Stattdessen klatschen die Fußgänger Beifall und rufen uns „Bella Figura“ zu.
Donna Leon bemerkte einmal: „Ich liebe die Italiener, weil sie so großzügig sind und den Menschen vergeben können.“ In diesem Fall bin ich mir jedoch sicher, dass man uns mit zum Beispiel einem Mini Cooper nicht den roten Teppich ausgerollt hätte. Die Mailänder freuen sich ganz offensichtlich, dass der erfolgreiche Brite aus München endlich einen Konkurrenten aus den eigenen Reihen bekommt. Noch dazu verkörpert der milanesische Kompaktflitzer vieles, was auch seine Landsleute auszeichnet: Schnittigkeit, Selbstbewusstsein und Stil.
Mit dem MiTo, diesem „italienischen Freundschaftsbecher“ kann man sich anscheinend alles erlauben. Sogar im Kreisel stehen zu bleiben und spontan eine Fotosession einzulegen. Mailänder sind überdies äußerst geduldige Autofahrer. Zwangsläufig, denn zum Feierabend ist immer Stau. Um vier Uhr legen sich die Pendler langsam ihre Zeitungen auf den Schoß. Und wir leider mittendrin. Zeit, um auch noch das Entertainment-Angebot unseres neuen Freundes zu testen. Flugs ist der iPod in die USB-Schnittstelle gestöpselt und die Anlage per Lenkradbedienung hochgepowert. Der amerikanische Klangspezialist Bose hat sich mit neun Lautsprechern inklusive Kofferraum-Subwoofer an Bord niedergelassen. Das Ergebnis ist ein kristallklarer Hörgenuss mit ordentlich Wumms. Selbst der Mopedhelm unseres Staunachbarn vibriert zu unserem Beat. Was uns schließlich auch noch zeigt: Der MiTo ist nicht nur für das Stadt-, sondern auch für das Vorstadtleben gemacht. Carmen Meyer