25 Jahre Brille – 25 Jahre zu lang, findet Anna. Schon mit sechs Jahren bekam sie ihre erste Brille, mit 22 kaufte sie Kontaktlinsen. Die 33-jährige Lehrerin aus Berlin war kurzsichtig, hatte auf einem Auge -5 und auf dem anderen -6,5 Dioptrien – und die Probleme blieben nicht aus: „Durch das jahrelange Linsentragen hatte ich schon kleine Sprengsel auf der Hornhaut. Ich sollte auf harte Linsen wechseln, weil sie besser für die Hornhaut sind. Aber ich vertrug sie nicht“, erzählt Anna. Ihr blieb nur die Wahl: Brille oder OP.

Anna entschied sich für eine Lasik-OP. Lasik bedeutet Laserin- situ-Keratomileusis, was so viel heißt wie „Formveränderung der inneren Hornhaut durch Laser“. Rund 300 Praxen und Kliniken in Deutschland führen Behandlungen mit der modernen Lasertechnik durch. Zum Einsatz kommt der Excimer-Laser, dessen kurzwelliges Licht die Hornhaut so formt, dass Fehlsichtigkeit und Hornhautverkrümmungen verschwinden. Mehr als 600 000 Brillen- oder Kontaktlinsenträger ließen sich in den vergangenen Jahren mit dieser Methode operieren. Bis 2009 rechnet man mit mehr als einer Million Behandlungen. Die kurzsichtige Lehrerin ist eine von 52 Millionen fehlsichtigen Deutschen, die Brille oder Kontaktlinsen tragen müssen. Knapp der Hälfte von ihnen, Betroffene mit einer Kurzsichtigkeit bis zu -10 Dioptrien oder einer Weitsichtigkeit bis zu +5 Dioptrien kann mit einer Augenoperation geholfen werden. Kleine Augenkunde: Kurzsichtigkeit bedeutet, dass nahe Gegenstände scharf und weiter entfernte unscharf gesehen werden. Grund: Die Brechkraft der Hornhaut ist zu groß, Lichtstrahlen werden nicht auf, sondern vor der Netzhaut gebündelt, das Bild ist verschwommen. Brille oder Kontaktlinsen verringern die zu hohe Brechkraft, deshalb spricht man von Minusgläsern und gibt die Brechkraft mit -Dioptrien an. Wer weitsichtig ist, sieht hingegen nahe Dinge unscharf und dafür weit entfernte Gegenstände scharf. Bis zu einem gewissen Alter kann das Auge die Brechkraft selbst durch die Anspannung des inneren Augenmuskels ausgleichen, aber zunehmend verliert die Linse an Elastizität und kann sich immer schlechter auf nahe Gegenstände einstellen – man wird altersweitsichtig. Während man mit 15 Jahren noch bis zu acht Zentimeter vor dem Auge scharf sehen kann, gelingt einem das mit 45 nur noch auf 35 Zentimeter. Bei Hornhautverkrümmung, auch Stabsichtigkeit genannt, ist die Hornhaut nicht halbkugelförmig, sondern eher elliptisch geformt und verzerrt somit das Bild. Voraussetzung für die Lasik- Behandlung: eine stabile Fehlsichtigkeit. Der Patient sollte mindestens 18 Jahre alt sein, weil sich die Augen mit zunehmendem Alter noch verändern können. Es dürfen keine Augenkrankheiten wie Grauer Star, Durchblutungsstörungen der Netzhaut oder allgemeine Erkrankungen wie Rheuma vorliegen. Wichtig ist eine ausreichende Hornhautdicke. Denn die Hornhaut wird per Laser zurechtgeschliffen. Ist sie zu dünn, könnte sie beschädigt werden.

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Ist die Lasik-Methode nicht möglich, weil die Patienten beispielsweise eine sehr dünne Hornhaut haben oder stark fehlsichtig sind, gibt es Alternativen. Bei der PRK (Photorefraktive Keratektomie) wird kein Schnitt in die Hornhaut durchgeführt, sondern nur die oberflächliche Schicht (Epithel) mit Alkohol gelöst und das Gewebe mit dem Excimer-Laser abgetragen. Im Unterschied zur Lasik- Methode wird kein Hornhautdeckel präpariert und später wieder schützend zurückgeklappt. Allerdings funktioniert diese Technik nur bei einer Weitsichtigkeit bis +4 und einer Kurzsichtigkeit bis-6 Dioptrien. Außerdem sind die Schmerzen stärker als bei der Lasik, weil es länger dauert, bis das Epithel wieder nachgewachsen ist. Bei der Lasek (Laser Epitheliale Keratomileusis), eine Weiterentwicklung der PRK, präpariert der Operateur lediglich eine oberflächliche Hornhautschicht, die nach der Behandlung wieder als Wundschutz dient. Auch extrem fehlsichtigen Menschen kann geholfen werden. Vor die eigene Linse werden „Phake Linsen“ aus Kunststoff implantiert. Oder die körpereigene Linse wird durch eine künstliche ersetzt. Diese CLE (Clear Lens Extraction) wird allerdings erst bei Patienten ab dem 35. Lebensjahr vorgenommen, bei bis zu -35 oder +20 Dioptrien.

Sogar Blinde sollen sehen können – mit einem winzigen Chip, der ins Auge implantiert wird und dort einfallendes Licht in elektrische Reize umsetzt. Aktuell laufen Tests mit Personen, deren Netzhaut unheilbar durch „Retinitis pigmentosa“ zerstört ist. Für die kurzsichtige Anna ist die schnelle und schmerzfreie Lasik- Methode geeignet. Trotzdem plagten sie Ängste: „Ich hatte in der Woche vor der OP schlaflose Nächte, weil ich mir Sorgen machte, dass etwas schief laufen oder ich sogar blind werden könnte. Und die Beratung vor der OP war leider sehr knapp.“ Annas Bedenken waren nicht unbegründet. Obwohl die Lasik- Behandlung als sicher gilt, kann es wie bei jeder Operation Komplikationen geben. Im schlimmsten Fall arbeitet der Laser falsch und schleift zu viel Hornhaut oder an den falschen Stellen ab. Dadurch kann die Sehschwäche in den seltensten Fällen sogar vergrößert werden – bis zum völligen Erblinden. Eine gute Beratung vor der Operation ist daher wichtig.

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Wie sicher sind die verschiedenen OP-Methoden? Welche Klinik hat die modernsten Geräte und erfahrensten Operateure? Und wie vertrauenswürdig sind Billigangebote aus dem Ausland? Entscheidungshilfe für die richtige Klinik gibt es seit 2006. Auf Initiative des VSDAR, dem Verband der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie e.V., wurde das Lasik-TÜVSiegel entwickelt. Dafür prüfen externe Gutachter deutsche Augenkliniken nach Kriterien wie Ergebnis, Personal, technische Ausstattung und Patientenzufriedenheit. Doch nicht jede Klinik will sich die Zertifizierung leisten: 3900 Euro kostet das Siegel, dazu kommen jährlich rund 3500 Euro Überprüfungskosten durch den Lasik-TÜV. Annas Augen-OP in der Berliner Klinik lief trotz ihrer anfänglichen Bedenken komplikationsfrei. Zuerst wurden ihre Augen fest mit Klammern verdrahtet, sodass sie keinesfalls blinzeln konnte. Sie bekam Betäubungstropfen in die Augen, dann „absolute Dunkelheit, rotes Licht, ein Geruch wie verbrannte Haare.“ Der Spuk dauerte fünf Minuten. Anna wurde mit der neuen Femtooder Intra-Lasik operiert. Dabei schneidet ein vom Computer gesteuerter Infrarot-Laser die Hornhautlamelle. Der Flap (engl. = Hornhautscheibchen) kann mit dieser Technik besonders fein gewählt werden – ein Vorteil für Menschen mit sehr dünner Hornhaut oder starker Fehlsichtigkeit, bei der viel Hornhaut abgetragen werden muss. Bei der traditionellen und am häufigsten angewendeten Lasik- OP schneidet der Arzt das Hornhautscheibchen mechanisch mithilfe eines automatischen Hobels ein. Wie einen Buchdeckel klappt er nun den Flap mit einem Spatel beiseite. Schicht für Schicht wird nun so viel Hornhautgewebe verdampft, wie zur Korrektur der Brechkraft nötig ist. Bei Kurzsichtigkeit flacht der Laser die Hornhaut im Zentrum ab, um die Brechkraft zu mindern. Um Weitsichtigkeit zu korrigieren und damit die Brechkraft zu verstärken, wird die Hornhaut um das Zentrum ringförmig abgetragen. Bei einer Hornhautverkrümmung wird die Oberfläche der Hornhaut so abgeschliffen, dass sie der Kugelform angenähert wird. Nach dem Lasereinsatz wird der Flap wieder vorsichtig angedrückt. Es haftet von selbst und dichtet die Wunde wie ein Pflaster ab. Trotzdem ist Augenreiben kurz nach dem Eingriff verboten, die Hornhautlamelle könnte sich verschieben.

Nach der OP musste Anna eine dunkle Brille tragen und die Augen möglichst sechs Stunden geschlossen halten. Viele Patienten können schon am Abend nach der OP scharf sehen, nach einigen Wochen hat sich die Sehfähigkeit stabilisiert. In den ersten Tagen nach dem Eingriff sind Augenreiben und Schminken tabu. Gegen ein Trockenheitsgefühl, das bis zu acht Monate andauern kann, hilft künstliche Tränenflüssigkeit. Danach haben sich die Augen in der Regel erholt, weil die Nervenfasern auf der Hornhaut nachgewachsen sind. „Ich habe die OP absichtlich auf einen Freitag gelegt, damit ich am Wochenende meine Ruhe hatte. Am Montag bin ich wieder zum Unterrichten in die Schule gegangen. Es war anstrengend, denn meine Augen waren gerötet und noch sehr empfindlich.“ Anna hätte sich mehr Zeit lassen sollen – ein Tipp, den man bei jeder Augen-OP beherzigen sollte. Je nach Befinden kann man eine arbeitsfreie Woche einplanen, um sich an das neue Sehgefühl und eventuelle Anfangsbeschwerden zu gewöhnen. Auf Sport, Sauna und anstrengende körperliche Aktivitäten sollte man zwei Wochen lang verzichten. Ebenfalls wichtig: Am besten trockene und stark klimatisierte Räume meiden und viel spazieren gehen, denn sauerstoffreiche Luft wirkt wie eine Augendusche.

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Anna musste nach der OP eine Woche lang antibiotische Augentropfen nehmen, um Entzündungen vorzubeugen. Es gab trotzdem Probleme. Ihre Augen tränten und entzündeten sich. Zu den obligatorischen Nachuntersuchungsterminen kamen also weitere Untersuchungen. Das Ergebnis: Anna hatte eine Nickelallergie. Nickel ist in Kosmetikprodukten enthalten. Eventuell wurde die Allergie durch die Augen-Laser- OP ausgelöst oder verstärkt. Dumm gelaufen, denn Anna muss ihre Augenkosmetika jetzt in der Apotheke kaufen. „Ärgerlich. Das Geld, das ich für Kontaktlinsen spare, geht jetzt für teure Schminke drauf,“ sagt sie. Mittlerweile sieht Anna ganz ohne Probleme scharf und freut sich über das neue Glück: Keine störenden Kontaktlinsen mehr, die sie abends rausnehmen muss, weil sie weh tun. Keine Brille mehr, die drückt. Und endlich kann sie unkompliziert verreisen ganz ohne das nervende Sortiment aus Kontaktlinsenmitteln, Döschen und Brillenetui.

AUGEN LASERN – ALLE FAKTEN AUF EINEN BLICK

Lasik, Lasek, CLE? Wir bringen die Unterschiede, Kosten, Folgen der aktuellen Augenlaser-Behandlungen auf den Punkt

Methoden: Lasik (bei Kurzsichtigkeit bis ca. -10 dpt, Weitsichtigkeit bis ca. +4 dpt und Hornhautverkrümmung bis ca. 4 dpt), Femto- Lasik, Lasek, ICL (Implantierte Kontaktlinse), CLE (Austausch der Augenlinse).

Arztwahl: Fachärzte für Augenheilkunde, die Erfahrung mit modernsten Lasik-Methoden haben.

Kosten: Lasik: Zwischen 1250 und 2250 Euro pro Auge. Bei Femto- Lasik zusätzlich 300 bis 500 Euro pro Auge. Lasek: ab 1600 Euro pro Auge. Implantierte Kontaktlinse ICL: von 1500 bis 2500 Euro pro Auge. Austausch der Augenlinse CLE: ab 1700 Euro pro Auge.

Folgen: Licht- und Blendempfindlichkeit für einige Tage, manchmal auch mehrere Monate lang. Trockenheitsgefühl in den Augen bis zu acht Monate. Sehr selten: Infektionen und Sehen von Doppelbildern.

Kathrin Kunterding